"Yes you can" ist ein Drei-Stufen-Projekt zur Qualifikation und Integration ausländischer Akademiker, das auf Initiative des Deutschen Roten Kreuzes Stendal in beiden altmärkischen Landkreisen läuft. In Salzwedel erhielten die Teilnehmer gestern zum Abschluss der ersten Stufe ihre Zeugnisse für den bestandenen Sprachkurs.

Salzwedel. Wenn Migranten oder Aussiedler nach Deutschland kommen und überhaupt eine Arbeit finden, ist es häufig eine Tätigkeit, die weit unter ihrer Qualifikation liegt. Dabei haben viele von ihnen Hochschulen und Universitäten absolviert, bekommen jedoch hierzulande keine Anerkennung für ihre Abschlüsse. Eine Konstellation, die Heidi Schimmelpfennig, beim Deutschen Roten Kreuz in Stendal zuständig für Migrationsberatung, keine Ruhe ließ. "So hat sie das Projekt ,Yes you can\' entwickelt, kalkuliert und beim Landesverwaltungsamt beantragt", erzählt Katja Böttcher, die jetzige Projektleiterin. Die Finanzierung erfolgt über Zuschüsse aus dem Europäischen Sozialfonds und Mittel des Landes. Über Titel habe es zunächst Irritationen und Diskussionen gegeben. "Die Teilnehmer sollten doch Deutsch lernen", war der Haupteinwand. Letztlich habe sich die motivierende Botschaft des Projektnamens durchgesetzt. Insgesamt nehmen altmarkweit 55 Personen am Projekt teil, in Salzwedel nur Frauen.

Stufe 1 ist die Teilnahme am Kurs "Deutsch als Fremdsprache". In 500 Stunden perfektionierten die Teilnehmerinnen mit Gulmira Wellner und Gisela Petrick ihre Kenntnisse. Am Ende stand die Prüfung für das C1-Zertifikat des Goethe-Institutes.

Ein derartiger Sprachkurs, der nahezu Muttersprachen-Niveau entspricht, fand erstmals in Salzwedel statt. Er begann mit einem Einstu- fungstest, der sehr differen- zierte Kenntnisse bei den einzelnen Frauen auswies. "Wieviel Zeit, harte Arbeit und Engagement haben sie investiert. Sie können stolz auf sich sein", lobte Katja Böttcher die zwölf Salzwedelerinnen. "Wir hatten richtig Schiss, ohne Hausaufgaben herzukommen. Dann gab es Ärger", erinnerte sich Svetlana Zielke lachend.

Doch bevor der Kurs überhaupt starten konnte, mussten geeignete Teilnehmer gefunden werden. "Seit 1991 haben wir im Altmarkkreis etwa 3 000 Aussiedler aufgenommen. Davon sind 50 Prozent bereits wieder abgewandert, vor allem Menschen mit hohen Qualifikationen", berichtete Jutta Kolba, Integrationskoordinatorin des Altmarkkreises. Hilfe gab es von der Arbeiterwohlfahrt, dem Diakonischen Werk, der Kreisvolkshochschule und der Agentur für Arbeit.

Stufe 2 des Projektes besteht in individuellen Qualifizierungsmaßnahmen. "Jede soll möglichst das machen, was sie zu Hause gelernt hat", erklärt Katja Böttcher. Jemand, der beispielsweise eine betriebswirtschaftliche Ausbildung absolvierte, werde sich mit Buchhaltung auseinandersetzen. Lehrer sollen einen Vorbereitungskurs für einen Abschluss als staatlich geprüfter Erzieher besuchen. "Wenn wir nicht wollen, dass die Fachkräfte abwandern, müssen wir ihnen die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse erleichtern", sind sich Katja Böttcher und Sabine Wagener, zuständige Fachbereichsleiterin der Kreisvolkshochschule, einig.

Einigkeit herrscht bei Projektmitarbeitern und Kooperationspartnern auch darüber, dass Stufe 3, die Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt, der schwierigste Teil wird. Doch von Problemen gestern keine Spur, statt dessen Lachen, Plaudern, die eine oder andere Erinnerung an den Start im November vergangenen Jahres.

Svetlana Altenburg bedankt sich bei ihrem Arbeitgeber, der Salzwedeler Jeetzeschule, die ihr für den Sprachkurs eine Freistellung ermöglichte. Svetlana Zielke, die in einem Bowlingcenter arbeitet, berichtet von der anerkennenden Resonanz auf ihre verbesserten Sprachkenntnisse durch die Besucher. Larissa Thiemann und Victoria Sill freuen sich auf den 1. Juni, wenn in Stendal ihr Vorbereitungskurs für den Abschluss als Erzieher beginnt.