27 ehemalige Schüler der Dülseberger Dorfschule trafen sich am Wochenende an alter Wirkungsstätte wieder. Ilsa Elfert und Hannelore Baum organisierten das Ehemaligentreffen, das in Form einer Unterrichtsstunde abgehalten wurde.

Dülseberg. Früher, vor mehr als einem halben Jahrhundert gab es fast in jedem Ort eine Dorfschule. Sie bestand meistens nur aus einem einzigen Klassenraum, in dem alle Schüler von ihrem Dorfschullehrer unterrichtet wurden. Ilsa Elfert aus Dähre erinnert sich wie es in der kleinen Dülseberger Dorfschule, schräg gegenüber von ihrem Elternhaus, zu ihrer Schulzeit war: "Die erste und zweite Klasse wurden nachmittags unterrichtet und die Schüler von der dritten bis zur achten Klasse saßen alle in einem Raum." Zusammen mit der Tochter des Dorfschullehrers Erich Finke, ihrer Freundin Hannelore, drückte sie die kleine hölzerne Schulbank mit den eingelassenen Tintenfässchen.

Zum Einzugsbereich der Dorfschule Dülseberg gehörten auch Eickhorst und Rustenbeck. Noch heute wird der Feldweg nach Rustenbeck Schulsteig genannt. Seitdem Anfang der 1960er Jahre die Schule geschlossen wurde, sind viele Jahre ins Land gezogen. Und viele Schüler dieser einklassigen Volksschule haben sich aus den Augen verloren.

Anlässlich der Goldenen Konfirmation im September vergangenen Jahres reiste Joachim Gäde aus Schleswig Holstein in die alte Heimat und sprach seine ehemalige Mitschülerin Ilsa Elfert an, doch mal ein Treffen zu organisieren. Das Wort Klassentreffen ist in diesem Fall dann ja nicht ganz richtig, denn es gingen ja alle in einen Klassenraum. Also suchte sie Adressen raus, schrieb die ehemaligen Mitschüler an, führte Telefonate und knüpfte an alte Kontakte wieder an. Einer kannte den anderen und jeder wusste etwas beizusteuern. Innerhalb kürzester Zeit wurde von ihr alles organisiert und das Ehemaligentreffen von Schülern mehrerer Jahrgänge der Dorfschule zu Dülseberg war geplante Sache.

30 Teilnehmer hatten sich angemeldet, unter ihnen natürlich auch ihre Freundin Hannelore. Sie hatte den weitesten Anreiseweg, denn von Veberöd in Schweden bis ins Dörfchen Dülseberg sind es 520 Kilometer.

Fleißig organisierte die Lehrerstochter das Treffen mit. In Zeiten des Internets war dies kein Problem. Sie suchte aus den alten Bildern ihrer Eltern Schulfotos heraus und sowie andere Zeitzeugen aus Papier. Das ganze Material stellte Hannelore Baum mit vielen Liedern und Gedichten in einem Heftchen zusammen. "Denn Ilsa hatte die Idee, das auf wenige Stunden begrenzte Zusammensein als Unterrichtsstunde im Fach Musik zu gestalten", schilderte sie in der Begrüßungsansprache am Sonnabendvormittag im Dorfgemeinschaftshaus in Dülseberg den 27 erschienenen ehemaligen Schülern.

Für alle hatten die beiden Organisatoren Namensschilder parat, denn einige hatten sich nach der gemeinsamen Schulzeit nicht wiedergesehen. Desto größer war die Freude und es gab so viel zu erzählen, so dass das geplante Unterrichtspensum nicht geschafft wurde.

Nach einem typischen altmärkischen Mittagessen besichtigten die Schüler ihre alte Wirkungsstätte. Von der alten Schule, die für Dorfschullehrer Erich Finke und seine Familie auch das zu Hause war, ist nicht mehr viel zu erkennen, denn sie wurde zu einem Wohnhaus umgebaut. Anschließend erinnerten sich alle bei Kaffee und Hefekuchen noch einmal an die Erlebnisse aus ihrer Schulzeit. "Nostalgie pur - Kartoffelferien, Kohleferien, Schlittschuhlaufen gegenüber auf Mertens gefluteter Wiese und natürlich Baden in der Dumme", zählte Hannelore Baum besondere Ereignisse auf. Sie überreichte sichtlich gerührt Harry Szuba den Entschuldigungszettel, mit dem seine Mutter um die Befreiung vom Unterricht bat, weil sie Holz aus Forst IV holen musste und Harry deswegen auf seinen kleinen Bruder aufpassen musste.

Groß war die Freude von Rudolf und Herbert Ludwig, als sie eine Zeichnung ihres verstorbenen Bruders Walter, die er im 4. Schuljahr angefertigt hatte und eine Karte rund um Dülseberg darstellt, geschenkt bekamen. Auch als Hannelore Baum die bewegende Lebensgeschichte ihres Vaters schilderte, waren die ehemaligen Dorfschüler in Gedanken in die vierziger, fünfziger und sechziger Jahre versetzt. Im alten Zeugnisalbum, in dem seit dem 1. April 1928 alle Schüler der Dülseberger Dorfschule aufgeführt wurden, wurde viel geblättert und gesucht.

 

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