Land und Leute sowie die Sprache näher kennen: Das ist das Ziel eines neuen langfristig angelegten Schüleraustauschprojekts der Jeetzeschule in Salzwedel. Erstmals sind Gäste aus der Russischen Föderation für eine Woche an der Bildungsstätte zu Gast. Im September steht der Gegenbesuch von Neuntklässlern, die Russisch als zweite Fremdsprache belegt haben, an.

Salzwedel. In der Kürze der Zeit seit ihrer Anreise haben sie schon viele Gemeinsamkeiten entdeckt, aber eben auch Unterschiede - die Salzwedeler Jeetzeschüler und ihre Gäste aus der Schule 46 in Petrosawodsk. Zwölf Schülerinnen und Schüler sowie Lehrer aus der Russischen Föderation, genauer gesagt aus der am Onegasee gelegenen Hauptstadt von Karelien, weilen derzeit in der Altmark. Und: Sie fühlen sich sichtlich wohl hier.

Artjom Gusjew, Sergej Gorobzew, Kirill Serkow, Mark Utkin, Anton Adamczyk, Lisa Mischenjowa, Mascha Leontjewa, Diana Owczinnikowa, Nastja Hartschenko, Aljona Tschuranljowa, Alesja Kulakowa und Ira Issajewa mögen fetzige Musik und treiben Sport - genauso wie ihre nahezu gleichaltrigen Gastgeber aus Deutschland. Begleitet werden die Jugendlichen aus der 266300 Einwohner (Quelle: Wikipedia) zählenden Großstadt etwa 400 Kilometer nordöstlich von St. Petersburg von Olga Korschunowa und Svetlana Jurpalowa. Dort sind Minus 30 Grad Celsius im Winter keine Seltenheit. "Wir sind eine reisende Schule", erzählt Judith Sheltonoshko, Lehrerin an der Jeetzeschule, im Gespräch mit der Volksstimme. Dort wird neben Französisch auch Russisch als zweite Fremdsprache angeboten. In der neunten Klasse stehe erstmals eine Fahrt ins Land der zweiten Fremdsprache an, erklärt die Pädagogin. So reisen die Französischkinder nach Frankreich, die Russischschüler nach Russland - in Form eines Austauschs.

Für die Russischschüler der Klasse von Judith Sheltonoshko steht vom 3. bis 10. September der Gegenbesuch in Petrosawodsk an. Ermöglicht wird dies durch die finanzielle Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt sowie der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch. Gemeinsam mit der Jeetzeschule können so fast zwei Drittel der Reisekosten (650 Euro pro Person) über Sponsoring aufgefangen werden. "Die Eltern zahlen für den einwöchigen Aufenthalt ihres Kindes 250 Euro zuzüglich Reisekostenrücktrittsversicherung", meint Judith Sheltonoshko.

Stadt trifft Land: Das ist wohl der deutlichste Unterschied zwischen den russischen Jugendlichen und ihren Gastgebern. Am Sonnabend sind die Schüler und Lehrkräfte angereist, haben das Wochenende in ihren Gastfamilien verbracht. "Ohne Dolmetscher", berichtet die Russischlehrerin. "Vier Gastschüler waren bei den Konfirmationen dabei. Andere nutzten die Gelegenheit zum Tretbootfahren auf dem Arendsee oder zum Fußballspielen."

Seit Montag sorgten sie für internationales Flair an der Jeetzeschule, nehmen teilweise am gemeinsamen Unterricht teil. So auch gestern, als sich die Gäste am von Jane Ahlberg und Yvonne Hartmann organisierten sportlichen Wettbewerb beteiligten. Beim Brennball in der Käthe-Kollwitz-Halle schwanden die Sprachbarrieren. Die durch junge Russen verstärkten Teams Ganges und Mississippi trennten sich 27:27 - unentschieden.

"Jeden Tag gibt es eine Hausaufgabe", sagt Judith Sheltonoshko. So bringen die russischen Gäste den Jeetzeschülern ein Gedicht aus ihrer Heimat, fünf Sätze über sich in ihrer Muttersprache sowie die Vokabeln für Farben und Kleidungsstücke bei. Umgekehrt sind die Deutschen aufgefordert, ihren Besuchern Zählreime, Zungenbrecher und Sprichworte zu vermitteln. Netter Nebeneffekt: Langeweile kann nicht aufkommen. Denn keiner ist allein. Und es muss gesprochen werden.

Nach dem Besuch der Experimentierlandschaft Phaeno in Wolfsburg steht heute ein Besuch des Magdeburger Landtags mit anschließendem Einkaufsbummel auf dem Programm, bevor abends auch schon wieder die Koffer für die Rückreise gepackt werden müssen. Von der Bundeshauptstadt geht es am Freitag mit dem Flieger zurück nach St. Petersburg.

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