Salzwedels Amtsgerichtsdirektor geht in den Ruhestand. Mit einem kleinen Empfang an seinem morgigen 65. Geburtstag will sich Andreas Wüstenhagen offiziell verabschieden. Fast 20 Jahre war der gebürtige Goslarer in der Hansestadt tätig und prägte entscheidend die juristische wie bauliche Entwicklung des hiesigen Amtsgerichts. Dank seiner hohen sozialen Kompetenz erwarb er sich nicht nur den Respekt von Mitarbeitern, Kollegen, Rechts- und Staatsanwälten, sondern auch von manchem Angeklagten.

Salzwedel. An seinem morgigen 65. Geburtstag legt Andreas Wüstenhagen die schwarze Richterrobe für immer ab. Im großen Sitzungssaal verabschiedet sich der Jubilar dann von den Kollegen und Mitarbeitern seines Amtsgerichts und beruflichen Wegbegleitern. Am 1. Juni beginnt sein Ruhestand.

Wunsch: Ein Brunnen auf dem Vorplatz

Frei nach dem Motto "Wer rastet, der rostet", will der gebürtige Goslarer die Hände aber keinesfalls in den Schoß legen. Seine Tätigkeit als Prüfer des 2. Staatsexamens wolle er fortsetzen und - dann ehrenamtlich - die Gestaltung des Amtsgerichtsvorplatzes anschieben. Sein Wunsch: ein Springbrunnen vor dem restaurierten Backsteingebäude, das auch dank seines Engagements wieder in "hanseatischem Glanze" erstrahlt. Und dann stünde da noch eine Karriere als Gerichtsreporter zur Debatte. "Aber keine Sorge, bestimmt nicht in Salzwedel", sagt der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter lachend. Die Affinität für die schreibende Zunft liegt in der Familie. Seine Mutter arbeitete als Journalistin, Tochter Claudia betrat Großmutters Fußstapfen als Mitarbeiterin der Wochenzeitung "Die Zeit". Aber auch sein Vater, der im Forstwesen tätig war, hat Andreas Wüstenhagen geprägt. Er liebt Streifzüge durch die Natur, ob als passionierter Jäger oder als Fotograf. Die Nemitzer Heide, wo sich der 65-Jährige niedergelassen hat, bietet den idealen Ausgleich zum Bürojob "mit dem Paragrafenstaub". Ebenso wie die Musik, verrät der Fan von Ludwig Güttler.

Nach dem Abitur in Stadthagen ging Wüstenhagen als Zeitsoldat zur Bundeswehr und blieb der Armee als Hauptmann der Reserve noch einige Jahre treu. 1968 nahm er an der Universität Göttingen ein Jura-Studium auf, legte 1973 das erste und zwei Jahre später das zweite Staatsexamen ab. Er war danach als Staatsanwalt an drei Amtsgerichten tätig, später am Landgericht und Oberlandesgericht Braunschweig. Nach der politischen Wende folgte der Niedersachse dem Aufruf, in Sachsen-Anhalt Aufbauhilfe zu leisten, weil hier Richter fehlten.

Hiergeblieben zu sein, hat er nie bereut

Dass er länger als ein Jahr in Salzwedel bleiben sollte, ahnte Wüstenhagen bei seinem Dienstantritt am 2. September 1991 nicht. Doch schnell erkannte der pflichtbewusste Richter, dass sein Werk in der Hansestadt noch nicht zu Ende ist. Er blieb. "Ein Schritt, den ich bis heute nicht bereut habe", sagt er, den die "Mischung aus Richter, Manager, Bauherr und Innenarchitekt" reizte. Dass das Amtsgericht heute wieder zu einem der schönsten Gebäude in Salzwedel zählt, ist vor allem sein Verdienst.

Mit großer Kompetenz und unermüdlichem Engagement begleitete Wüstenhagen auch "federführend moderne Führungsinstrumente wie die Personalbedarfsberechnung im Justizdienst, die Kosten-Leis- tungs-Rechnung zur Moder- nisierung des Haushaltswesens und das Führungssystem AGiL (Amtsgerichte im Leistungsvergleich)", sagt Dr. Michael Steenbuck, Sprecher des Landgerichts Stendal. Im Rahmen eines Pilotprojektes im Landgerichtsbezirk Stendal habe er damit das Amtsgericht Salzwedel zu einem der ersten budgetierten Gerichte Sachsen-Anhalts geführt. Wüstenhagen sei einer der "Richter der ersten Stunde" im Rechtsstaat Sachsen-Anhalt, der die Umgestaltung eines Amtsgerichts zu einem hochmodernen, allen rechtsstaatlichen Anforderungen entsprechenden Gericht der Gegenwart bewirkt habe.

Seine Verhandlungen als Strafrichter führte er sachlich und mit Nachdruck, aber auch humorvoll, ohne dabei sein Hauptziel aus den Augen zu verlieren: ein gerechtes Urteil zu fällen. Dem noch zu ernennenden Nachfolger hinterlässt der 65-Jährige ein bestelltes Feld. Seine Mission in Salzwedel ist erfüllt.