Am 31. Dezember läuft für die 500 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland die fünfjährige Förderung durch das Bundesfamilienministerium aus. Auch für die einzige Einrichtung im Altmarkkreis an der Salzwedeler Sonnenstraße. Eine Verlängerung des Programms bis 2014 steht nun in Aussicht. Allerdings sollen Land oder Kommune es dann kofinanzieren. In Salzwedel steht indes die Existenz des Mehrgenerationenhauses auf dem Spiel, sollte die Hansestadt wie geplant die Bezuschussung des integrierten Jugendtreffs einstellen.

Salzwedel. Ein zentraler Anlaufpunkt für Jung und Alt mit Angeboten für Kinder bis zum Greis: Diesen Zweck erfüllen die 500 Mehrgenerationenhäuser in der Bundesrepublik seit nunmehr fast fünf Jahren. Solch ein Treff hat sich auch an der Salz- wedeler Sonnenstraße etabliert. Die Plattenbausiedlung ist ein sozialer Brennpunkt der Hansestadt.

Die Bewerbung des Trägers, der Bildung&Beruf (B&B) GmbH, ist damals aus der Not geboren worden. Denn die Stadt hatte die Förderung des dort ansässigen und inzwischen ins MGH integrierten Jugendklubs Stück für Stück zurückgefahren. 2003 hatte B&B die Einrichtung von der Arbeiterwohlfahrt übernommen und musste schon mit weniger Geld auskommen, schildert Leiterin Susann Meinecke. Drei Jahre später - wie heute befand sich die Kommune 2006 in der Haushaltskonsolidierung - drohte das Aus des Jugendtreffs. Viele Jugendliche machten erfolgreich dagegen mobil. Im Ergebnis halbierte die Stadt den jährlichen Zuschuss auf 60000 Euro. Die Einrichtung, schon zu dieser Zeit auch Treffpunkt für Senioren, konnte nur deshalb überleben, weil der Träger den Zuschlag für ein Mehrgenerationenhaus bekam und damit vom Bund eine Fördersumme von 40 000 Euro pro Jahr erhielt. Zudem kommt der Altmarkkreis als "verlässlichster Partner", so Susann Meinecke, von Anfang an mit knapp 16000 Euro jährlich für einen Teil der Personalkosten auf. Neben der Leiterin sind Elke Bukowski und Jana Kreft fest angestellt, dazu bringen sich zahlreiche Ehrenamtliche ein, die für ihr "überlebenswichtiges" Engagement eine Übungsleiter-Aufwandsentschädigung erhalten.

Angebote von der Wiege bis zur Bahre

Zahlreiche Kooperationspartner wie ein mobiler Friseurservice, ein Nähstübchen oder ein Nageldesignstudio haben sich inzwischen im Haus niedergelassen. Auf diese Weise akquiriert der Träger erforderliche Mieteinnahmen. Im Juli eröffnet an der Sonnenstraße eine Hebammenpraxis. "Dann haben wir Angebote für jedes Lebensalter, quasi von der Wiege bis zur Bahre", umschreibt Susann Meinecke mit einem Augenzwinkern.

Doch wie lange noch? Die Existenz des MGH steht auf der Kippe. Zwar hat das Bundesfamilienministerium inzwischen signalisiert, das Förderprogramm um drei Jahre bis 2014 zu verlängern, will aber gleichzeitig den Zuschuss von 40000 auf 30000 Euro senken. Land oder Kommune sollen in die Kofinanzierung einsteigen. Darüber hinaus will die Stadt aufgrund der eigenen finanziellen Schieflage 2012 nur noch 50000 Euro und 2013 nur noch 40000 Euro zahlen, um danach die Förderung gänzlich einstellen.

In einem der Volksstimme vorliegenden Brief hat B&B-Geschäftsführer Martin Beyer Oberbürgermeisterin Sabine Danicke im März über die prekäre Lage informiert. Aus seiner Sicht gebe es bei einer weiteren Reduzierung der städtischen Mittel "keine Chance mehr", den Jugendtreff über den 1. März 2012 hinaus - dann endet der Vertrag zwischen beiden Seiten - aufrecht zu erhalten. B&B könne seit Beginn der Kürzungen nicht mehr auskömmlich wirtschaften, leiste die gesamte Geschäftsführung und Administration wie Finanzbuchhaltung entgeltfrei. "Unsere Reserven sind aufgebracht, wir haben nichts mehr auf der hohen Kante liegen", macht Susann Meinecke deutlich. Dies hat zu ersten Konsequenzen geführt. Seit März greift das "Notprogramm des Notprogramms", beschreibt Martin Beyer: Der Jugendtreff öffnet nur noch an fünf statt der bisher sechs Wochentage.

"Die Stadt muss sich fragen, wie wichtig ihr das Haus ist", sagt Susann Meinecke. Sollte die Einrichtung nicht mehr zu finanzieren sein, werde sich B&B als Träger zurückziehen. "Denn es ist nicht unser Anspruch, für zwei Tage pro Woche Tischtennis und Billard anzubieten."