Stendal/Salzwedel. Gestern hat die 1. Große Strafkammer am Landgericht Stendal die zeitlich unbefristete Unterbringung eines psychisch kranken Mannes aus Salzwedel in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses angeordnet. Käme der 40-Jährige in Freiheit, seien "erhebliche rechtswidrige Taten zum Schaden der Allgemeinheit zu erwarten", hieß es im Urteil.

Am Ende des sogenannten Sicherungsverfahrens, bei dem es keinen Angeklagten, sondern nur einen Beschuldigten gibt, stand für die Richter fest, dass der Täter im Zustand paranoider Schizophrenie am 4. Dezember vorigen Jahres in der Salzwedeler Reimannstraße 15d einen Brand gelegt, sich der Festnahme widersetzt und dabei zwei Polizisten verletzt hatte (wir berichteten). Weil der Beschuldigte nach dem laut Urteil "plausiblen und nachvollziehbaren" Gutachten von Dr. Joachim Witzel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zur Tatzeit steuerungsunfähig und somit schuldunfähig war, sprach das Gericht ihn im Sinne des Strafgesetzbuches frei. "Der Beschuldigte bedarf massiver Hilfe, um später wieder ein lebenswertes Leben leben zu können", hatte Dr. Witzel, zugleich Ärztlicher Direktor des Landeskrankenhauses Uchtspringe, die Unterbringung befürwortet. Unbehandelt würde er in alte Verhaltensmuster zurückfallen.

Zunächst führte der erblich vorbelastete Beschuldigte ein normales Leben. Er verließ die POS mit Abschluss der zehnten Klasse und arbeitete nach seiner Ausbildung als Bohrfacharbeiter. Mitte der 1990er Jahre musste er sich in psychiatrische Behandlung begeben und bekam langfristig Antipsychotika. Er verlor die Arbeit und mit ihr soziale Kontakte. Er lebte von ALG II und stand unter Betreuung. Alles schien geregelt. Doch er setzte die Medikamente ab, um sich nach eigenen Worten eine "chemiefreie Phase" zu gönnen, und löste sich vom Betreuer. Dazu kam der Umgang mit wohl die Lautstärke liebenden Freunden. Das führte zum Missverhältnis mit den Nachbarn und letztlich zum Rausschmiss aus der Einraum-Wohnung an der Salzwedeler Reimannstraße. Doch nachdem der Gerichtsvollzieher am 30. November 2010 weg war und der 40-Jährige auf der Straße stand, verschaffte er sich über einen Schlüsseldienst wieder Zutritt.

Die Situation eskalierte am 4. Dezember. Die Polizei stand vor der Tür und redete auf den Wohnungsbesetzer ein. Doch dieser schob Möbel zur Tür und zündete sie an, was nicht nur ihn, sondern auch fünf weitere Mieter gefährdete. Polizisten gelang es schließlich mit Feuerwehrhilfe, den Widerspenstigen aus der Wohnung zu bringen.