Begleitend zur Jahresausstellung "Oberst fotografiert" (wir berichteten) stellt das Danneilmuseum monatlich ein besonderes Bild vor. Den Auftakt macht eine in den 1930er Jahren entstandene Aufnahme von Uniformierten vor der inzwischen abgerissenen Salzwedeler Zuckerfabrik. Das Original entstammt einem Album aus dem hiesigen Stadtarchiv. Dort recherchiert der Wendländer Rolf Meyer derzeit zum Leben einiger Mitarbeiter und hofft nun, Zeitzeugen zu finden.

Salzwedel. Wer erkennt Salzwedeler unter den 14 Männern oder kann sich aus seiner Arbeitszeit in der Zuckerfa-brik an diese Gruppe erinnern? Welche Funktion hatte sie? Das sind Fragen, die Museumsmitarbeiter Ulrich Kalmbach, Stadtarchivar Steffen Langusch und den Wendländer Rolf Meyer (Leiter des Museums Wustrow) derzeit brennend interessieren. Die Jahresausstellung "Oberst foto- grafiert" hat die drei Zeit- und Geschichtsverwalter, die schon länger zusammenarbeiten, erneut zusammengeführt.

Rolf Meyer, der auch Rolf Oberst gut kennt, recherchiert gegenwärtig zum Schicksal dreier ehemaliger Mitarbeiter der Salzwedeler Zuckerfabrik. Die beiden Frauen und ein Mann arbeiteten gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1944/45) im Verwaltungsgebäude an der Hoyersburger Straße und sahen sich nach Kriegsende nicht mehr wieder.

Bei Recherchen im Salzwedeler Stadtarchiv entdeckte der Niedersachse ein vermutlich 1938 entstandenes Foto mit dem ovalen Prägestempel "Rudolf Oberst" in einem Album. Es zeigt jene 14 Uniformierten vor dem Hauptgebäude der nach der Wende abgerissenen Fabrik. Für Ulrich Kalmbach ist das zum einen ein Beleg, dass der Stempel nach dem Tod von Rudolf Oberst (1922) weiter verwendet wurde und zum anderen der Grund, die betreffende Aufnahme als erstes "Foto des Monats" in die Präsentation des Danneilmuseums aufzunehmen. Im Mai/Juni soll das Bild dort zu sehen sein.

Organisation Todt oder Deutsche Arbeitsfront?

Zeitgleich hoffen Meyer, Langusch und Kalmbach darauf, näheres über die Gruppe erfahren. Im Album, das das Stadtarchiv dem Danneilmuseum zur Verfügung gestellt hat, gibt es den handschriftlichen Vermerk "Organisation Todt". Doch Ulrich Kalmbach zweifelt nach dem Vergrößern des postkartenformatigen Originals an dieser Zuordnung. Auf den Uniformen fehle der typische Armstreifen mit dem Aufdruck "Organisation Todt". Es scheint sich eher um eine Ausgehuniform der Deutschen Arbeitsfront zu handeln. Das Zahnradsymbol auf dem Koppelschloss ist für den Salzwedeler ein Indiz dafür.

Unwahrscheinlich ist, dass es sich um Auswärtige handelt, die zu einer Besichtigung der Anlage in Salzwedel weilten, sind sich die Experten einig. Belege lassen vermuten, dass Mitglieder der Gruppe Beziehungen zur Fabrik oder Verantwortlichen gehabt haben müssen.

Hinweise nehmen Rolf Meyer, Telefon (05843)429, rha.meyer@t-online.de, Steffen Langusch, Telefon (03901) 65135, und Ulrich kalmbach, Telefon (03901)423380, info@danneil-museum.de entgegen.

Und ganz gleich, wie die Recherchen ausfallen - im Salzwedeler Museum ist eine neue Idee geboren: eine Ausstellung über die Zuckerfabrik.