Die Besucher des Alten Kuhstalls in Tylsen fühlten sich am Freitagabend wundervoll unterhalten. Sie erlebten die musikalische Komödie "Liebe & andere Krankheiten oder Der Onkel Doktor hat gesagt, ich darf nicht küssen". Zu Gast waren die Sopranistin Ute Frenzel aus Käcklitz, der Tenor Herbert Wüscher aus Mainz und Pianist Matthias Spindler, der in Zwickau und Plauen arbeitet.

Tylsen. "Ich freue mich, dass der Raum ziemlich gut gefüllt ist": Mit diesen Worten begrüßte Vera Wibbeke, Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins Tylsen, die rund 100 Besucher. Dank einer Förderung aus dem Programm "Stärken vor Ort" des europäischen Sozialfonds "konnten wir uns gute Künstler erlauben und auch die Bühnentechnik", verriet sie. Und die Gastgeberin hatte nicht zuviel versprochen.

Ute Frenzel ("Das Heimspiel ist besonders aufregend für mich") und Herbert Wüscher nahmen die Zuhörer mit auf eine besondere Reise in Sachen Liebe. Er, ein Internetfreak durch und durch, lud seine Netz-Bekanntschaften zum Kennenlernen in den Park ein. Doch da erlebte er so manche Überraschung - von keusch bis kusswütig war alles dabei. Die Sopranistin präsentierte sich verblüffend wandlungsfähig, schlüpfte in die verschiedensten Rollen und kokettierte mit ihren Reizen. Passend dazu hatten die Künstler bekannte Songs aus Operetten, Opernarien, Lieder und Filmmelodien herausgesucht. Dazu gehörten unter anderem "Ich brech die Herzen der stolzesten Frau\'n", "Josef, ach Josef, was bist du so keusch", das "Schwalbenduett" und "Mama, du sollst doch nicht um deinen Jungen weinen". Bekannte Weisen, die in Kombination mit dem schauspielerischen Talent der Sänger Lust auf mehr machten. Deshalb kamen die Künstler nicht ohne Zugabe von der Bühne. Aber auch das Auf-die-Schippe-nehmen vom Alltagsverhalten (sie leidet unter Telefonitis) sorgte für manchen Schmunzler. Das Publikum sparte nicht mit Applaus und fühlte sich gut unterhalten. Einmal musste sogar Pianist Matthias Spindler, der die Künstler hervorragend begleitete, auf die Bühne. Denn sie wollte nicht von ihm lassen: Als Herbert Wüschers Gesicht wieder zum Vorschein kam, war es mit Lippenstift-Küssen versehen.

"Wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Zeit in Würzburg. Ute hat dort studiert, ich war am Theater beschäftigt", verriet der Tenor. Vor fünf Jahren entstand der Wunsch nach einem "Stück für Leute wie du und ich". "Unser Anliegen ist es, Oper und mehr auch an Orte zu bringen, wo nicht gleich ein Theater nebenan ist", erzählte Herbert Wüscher. Dafür würde der Alte Kuhstall ein tolles Ambiente bieten. Geprobt haben die Künstler übrigens oft in der Altmark. Im Ökodorf Sieben Linden in Poppau wurde ein Teil des Stücks uraufgeführt. "Weil wir sehen wollten, wie es vor Publikum wirkt", sagte Ute Frenzel.

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