Drei Gräben durchziehen zurzeit die Wiese vor der Kaskade am Arendsee. Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege suchen dort nach Zeitzeugen für eine frühere Bootsanlegestelle. Darauf deuten im See gefundene Schiffswracks und die geophysikalischen Voruntersuchungen von 2010 hin. Die jetzt entdeckte Bodenstruktur und Holzfunde erhärten diese Vermutungen.

Arendsee. Die Spaziergänger auf der Seepromenade unterhalb der Kaskade am Arendsee wunderten sich, als am Montagnachmittag Ulf Lahmanns Bagger vorfuhr und drei Gräben aushob. So mancher der Beobachter befürchtete eine Baumaßnahme, die die beliebte Badestelle zunichtemacht. "Das ist nicht so, wir haben nur drei Suchschnitte angelegt", erklärte Dr. Rosemarie Leineweber vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gestern Nachmittag beim Pressetermin vor Ort. "Wir untersuchen, ob sich unsere Vermutungen hinsichtlich einer früheren Bootsanlegestelle bestätigen", fügte sie hinzu.

Und tatsächlich: Im ersten der drei Gräben, der zwischen 80 Zentimeter und 1,20 Meter tief und 9 Meter lang ist, deuten die Erdwände im westlichen Teil auf angeschwemmtes Material aus dem See hin: Schlieren, weißliche Verfärbungen wie von Seekreide und natürlich Wasser sind festzustellen. Grabungsleiter Dieter Nothnagel wies außerdem auf einen Baumstamm hin, unter dem sich weitere Holzschichten befinden sollen. Bei der Freilegung half ihm Praktikant Jonas Sack.

"Das könnte Holz vom Anleger oder einer Verbuhnung des Ufers sein", mutmaßte Dr. Rosemarie Leineweber. Aber sie und ihr Team wollen es genau wissen. Deshalb werden von dem Holz sogenannte Dendro-Proben genommen, die auf ihr Alter hin untersucht werden. Auch vom Schlamm im Graben werden die Mitarbeiter Proben nehmen, um festzustellen, was neuzeitlicher Herkunft ist und was möglicherweise aus dem Mittelalter stammt.

Anlass zu der Vermutung, in der kleinen Bucht in westöstlicher Richtung vom Klostergelände habe sich einmal eine Anlegestelle befunden, gaben zunächst die von Tauchern und Archäologen im See gefundenen Schiffe, unter anderem ein Prahm, ein Lastkahn aus der Klosterzeit um 1265. "Sie wiesen alle in Richtung Ufer", beschrieb Dr. Rosemarie Leineweber.

Im September waren dann durch den Geophysiker Gerd Virkus Widerstandsmessungen auf dem Untergrund vorgenommen worden (wir berichteten). Dazu hatte er ein Raster auf den Rasen gelegt, das mit Malen gekennzeichnet war. Mit dem mobilen Elektrodenrahmen maß er dann den Widerstand im Boden. Die digital gespeicherten Daten machte er anschließend bildlich im Computer sichtbar. Es entstanden Punktbilder in 256 Graustufen.

Schon jetzt erhärtet sich die Vermutung hinsichtlich des Bootsanlegers ebenso wie die von einem anderen Uferverlauf.

"Spätestens bis zum Himmelfahrtstag sind die drei Gräben wieder verschlossen und der Platz hergerichtet", versicherte Dieter Nothnagel mit Zustimmung von Dr. Rosemarie Leineweber. Sie hatte die Arbeiten nicht nur mit ihrer Behörde, sondern auch mit der Einheitsgemeinde Arendsee abgestimmt.