Aufregung im Salzwedeler Tierpark: Dort kommt es seit einigen Wochen zu seltsamen Vorfällen. Meerschweinchen und Kaninchen sowie Frettchen verschwinden aus ihren Gehegen, ebenso Küken, die unter der Rotlichtlampe sitzen. Manche spurlos, andere tauchen wenig später wieder auf. Leiter Jens-Olaf Schawe ist sich sicher, dass sich Unbefugte Zutritt zum Gelände verschaffen und appelliert an die Besucher, wachsam zu sein.

Salzwedel. Unbefugte, vor allem Kinder und Jugendliche, in den Gehegen des Salzwedeler Tierparks: Diese Beobachtung haben Passanten in den vergangenen Wochen in den Nachmittags- und Abendstunden machen können. "Die Berichte besorgter Bürger häufen sich", berichtet Tierparkleiter Jens-Olaf Schawe. Seit den Osterferien gehe das schon so.

Spaziergänger wollen gesehen haben, wie Ponys mit Stöcken gejagt und Kleintiere - Meerschweinchen und Kaninchen - in Rucksäcken aus dem Stall geholt werden. Einige tauchen wenig später wieder auf. Andere hoppeln durch den Park des Friedens und müssen von Tierparkmitarbeitern wieder eingefangen werden. Auch Hühner- und Entenküken sind weg. Ihr Schicksal liegt im Dunkeln. Kinder wollen Altersgenossen dabei beobachtet haben, wie sie Küken so lange auf den Boden warfen, bis sie tot waren. Bevor jüngst vermeintliche Tierfreunde ein Kaninchen "zum Baden" in einen Wassergraben setzen konnten, schritten Hortnerinnen ein.

Und am Donnerstag qualmte der Ponystall. Eindringlinge hatten versucht, Heu in Brand zu stecken. Die Polizei ermittelt in diesem Fall. "Weder für die Tiere noch für das Gebäude bestand Gefahr", erläutert Polizeisprecher Frank Semisch. Derzeit gebe es keine Hinweise zu den Tätern. Hinsichtlich der Tierdiebstähle rund um die Ostertage werde gesondert ermittelt.

Frank Semisch: "Eltern sollten darauf achten, was ihre Kinder in ihrer Freizeit machen." Dazu gehöre auch, sich für den Freundeskreis und die Treffpunkte zu interessieren. "Wer das nicht weiß, kann Gefahr laufen, dass sein Kind auf die schiefe Bahn gerät. Sich kümmern, heißt schützen", so der Polizeisprecher.

Jens-Olaf Schawe spricht derweil von einer unbekannten Anzahl Meerschweinchen und Kaninchen, die in den zurück- liegenden Tagen und Wochen verschwunden ist. Der Bestand variiere, lasse sich deshalb schlecht zählen. Einmal von der wärmenden Rotlichtlampe im schützenden Stall weggenommen, dürften die Überlebens-chancen für ausgesetzte Küken gegen Null tendieren. Derzeit fehlen drei Welsumer-, zwölf Hampshire- und sechs Laufenten-Küken, so Jens-Olaf Schawe. Lediglich ein Frettchen könne gegenwärtig noch im Freigehege bestaunt werden. Vier (zwei weiße und zwei wildfarbene) seien komplett weg. "Eines ist an der Reimmannstraße aufgegriffen worden, ein weiteres seinen Verletzungen erlegen, die ihm offenbar während der ¿Entführung\' zugefügt worden sind", meint der Tierparkleiter. Er sieht tierquälerische Ausmaße und appelliert an Besucher, Augen und Ohren offen zu halten und notfalls auch Courage zu zeigen. Ebenso sieht es Wulf Ohlmeyer, Leiter des Wirtschaftshofes. Er kündigte bauliche Veränderungen an.