16 Drittklässler aus der Diesdorfer Grundschule Dr. Georg Schulze tauchten gestern in die Geschichte des Ortes ein. Gemeinsam mit Schulleiterin Elisabeth Thom und Klassenlehrerin Hannelore Niemeyer unternahmen sie einen lehrreichen Spaziergang.

Diesdorf. Wenn die Drittklässler von der Schule zum Dorf laufen, dann kommen sie aus südöstlicher Richtung. Von hier aus ist genauso wie aus allen anderen Himmelsrichtungen ein markantes Gebäude zu sehen: der Kirchturm. Doch der Blick wandert nicht ohne Hindernisse zum Ziel. Eingeschränkt wird er durch das Laubkleid der großen Bäume, die ebenfalls typisch für Diesdorf sind, berichtet Elisabeth Thom.

Über den sogenannten Gartenweg geht es zum Mühlenkamp. Die Eigenheime sind in den vergangenen Jahren entstanden und somit recht jung für den Ort. "Diesdorf ist im Jahr 1112 zum ersten Mal auf einer Urkunde erwähnt worden", sagt die Schulleiterin. 49 Jahre später sei das Kloster gegründet und mit dem Bau der Kirche begonnen worden.

Durch den neuen Teil von Diesdorf geht es zur Klostermauer. Diese bestehe aus Back- und aus Feldsteinen, beantworten die Drittklässlerin eine Frage der Lehrerin. "Warum zwei Arten?", bohrt Elisabeth Thom weiter nach. "Damit die Mauer gestützt ist und besser hält", weiß Lara Benoud. Die Backsteine seien einst per Hand angefertigt worden. "Wie sind die dunkleren Steine entstanden?", lautet die nächste Frage. Weil diese heißer gebrannt worden seien als die roten Backsteine. Der romanische Bogen in der Klostermauer sei durch die Rundung sehr stabil. Die Kinder probieren mit ihren Händen aus, ob es wirklich funktioniert.

Dann entdecken sie sogenannte Teufelskrallen in der Mauer. Eine Sage berichtet, so Elisabeth Thom, dass sich hier der Teufel festgehalten habe, der hinüber klettern wollte, um die Nonnen zu verführen. "Das ist eine Geschichte. Ihr wisst auch, dass ihr Spuren im Ton hinterlasst, wenn dieser noch feucht ist. Das wird hier auch so gewesen sein", schildert Elisabeth Thom. Die Feldsteine nahe der Stützpfeiler an der Klostermauer würden übrigens aus einer Zeit stammen, als Kutschen hier entlang fuhren. Deshalb würden diese auch "Radabweiser" genannt. Aber auch Kühe seien einst hier entlang getrieben worden. Daher rühre der Name Kuhdrift. Weiter ging es am Nonnenbach entlang, wie Nils Leitloff stolz den Namen verkündet.

An der Straße Hinter der Klostermauer sind die ausgebreiteten Arme von fünf Kindern notwendig, um eine unter Naturschutz stehende Eiche zu umfassen.

Nächste Station: Rathaus. Hier ist eine Kachelwand zu bewundern, die Schüler gestaltet haben: mit dem Wappen, Details der Kirche, Hünengräbern, Fachwerkhäusern, Zunftzeichen. "Hier seht ihr alles, was für das Handwerkerdorf Diesdorf wichtig ist", merkt Elisabeth Thom an. Im Erdgeschoss steht ein Modell, das das Klosterareal um 1830 zeigt. Genau zu erkennen sind die Kirche und die Darre, einige der weiteren Ziele des Rundganges. Aber auch das Schäfertor, das einst die Straße nahe des heutigen Sportplatzes überspannte. Die Drittklässler werden über ihren Rundgang bestimmt gern erzählen.

 

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