Festlich, bunt und fröhlich ging es gestern Vormittag vor der Integrativen Kindertagesstätte am Feuerwehrplatz zu: Kinder, Erzieherinnen, Vertreter des Trägers Lebenshilfe Altmark West und zahlreiche Offizielle feierten den 100. Geburtstag des Hauses. Auch Ehemalige ließen sich zur Feier des Tages einen Besuch nicht nehmen.

Salzwedel. Seit 100 Jahren ist das Haus neben der ehemaligen Feuerwache die zweite Heimat von Salzwedeler Kindern. Und manche lässt es offensichtlich einfach nicht los. Ursula Siegfried beispielsweise. Mitte der 1940er Jahre gehörte sie zu den Jungen und Mädchen, die hier betreut wurden. Heute unterstützt sie die Erzieherinnen vom Feuerwehrplatz und der Einrichtung am Goethepark als ehrenamtliche Übungsleiterin in der Salzwedeler Schwimmhalle.

Waltraud Funk kam schon mit eineinhalb Jahren in die Kindereinrichtung. "Es hieß, wenn sie keine Windel mehr trägt, kann sie kommen", erzählt die Salzwedelerin, Jahrgang 1928, schmunzelnd. Waltraud Funk hatte es schließlich nicht weit - ihre Familie lebte im benachbarten Feuerwehrhaus. Und sie kann viel erzählen: von dem kleinen blauen Tisch, an dem die jeweiligen Geburtstagskinder mit den besten Freunden Platz nehmen durften, dass die Kerzen auf einem Teller mit Sand standen und dass besonders artige Kinder ein Türchen am Adventskalender öffneten.

Änderungen und Konstanten

Im Programm der Jungen und Mädchen stellten Charlotte Booß, Johann Kapser und Oliver Heidemann die Kindergartenkinder früherer Zeiten dar. Wie damals Waltraud Funk saßen auch sie beim Geschichtenerzählen mit verschränkten Armen da. Die Geschichten aus früheren Zeiten gab Erzieherin Simone Jungton zum Besten, die sich für das Programm kurzzeitig als 96-Jährige ausgab und ordentlich staunte über die Kinder der heutigen zeit. Die wollen zwar immer noch ihren Müttern helfen, wie es Niklas Dömeland in seinem Lied sang, und geben den "Bi-Ba-Butzemann" wie Maurice Deichen, sind aber heute blitzschnell auf Inlinern unterwegs, kennen sich mit den Wochentagen aus und begeistern ihre großen Zuschauer mit Tänzen.

Das in einem Haus seit 100 Jahren Kinder betreut werden, sei etwas ganz Besonders, stellte Hans-Peter Haase, Geschäftsführer des Trägers Lebenshilfe Altmark West gGmbH, fest. Der Anteil der Lebenshilfe mit 13 Jahren sei zwar noch nicht viel, andererseits jedoch auch nicht wenig. Das Haus spiegele innen und außen eine tolle Konzeption wider.

Auf eine 100-jährige Kindertagesstätte könne die Stadt stolz sein, befand auch Rechts-amtsleiter Erich Kaiser, der Oberbürgermeisterin Sabine Danicke vertrat. Diese könne aufgrund eines anderen Termins leider nicht zur Festveranstaltung kommen, zu der sie die Kinder einige Tage zuvor persönlich während eines Besuches im Rathaus eingeladen hatten, so Erich Kaiser weiter. Als Geschenk hatte er einen von der Oberbürgermeisterin signierten Fußball des FC Bayern München mitgebracht.

Olaf König vom Elternkuratorium dankte vor allem den Erzieherinnen um Birgit Einenkel. "Wenn wir morgens zum Abschied winken, dann können wir das mit guten Gewissen tun." Die Kita sei nicht einfach nur ein Ort der Aufbewahrung, sondern hier werde gespielt, experimentiert, viel erlebt, gelacht und falls wirklich mal Tränen fließen sollten, auch getröstet, und das inzwischen bereits für fünf Generationen. 1911 von einer Stiftung gegründet und zwischenzeitlich eine zur Stadt Salzwedel gehörende Kindertagesstätte habe das Haus am Feuerwehrplatz samt seinen "Bewohnern" im zurückliegenden Jahrhundert einiges erlebt: Umbauten, Änderungen in den gesetzlichen und konzeptionellen Rahmenrichtlinien. Aber eines habe sich nicht geändert: "Lachen erhält jung und Kinderlachen jünger." Davon erscholl gestern eine ganze Menge, spätestens dann, als die Steppkes die Geschenke von Hans-Peter Haase und des Elternkuratoriums, flotte Dreiräder, ausprobieren konnten.

   

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