Salzwedel. Das Bildnis von Erich Honecker über dem Tresen, ein HO-Café, in dem die Gäste platziert werden, Nachrichtensprecher Klaus Feldmann ("Aktuelle Kamera") berichtet vom Besucher des Staatsratsvorsitzenden in Stendal und Pioniere, die "Ham\'se nicht noch Altpapier" fragen... Für die einen ist es Ostalgie, für die anderen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und Vergangenheitsbewältigung.

So auch am Sonnabend in Salzwedel. Im einstigen grauen Wilhelm, dem schick herausgeputzten Kulturhaus, wird "Über sieben Brücken" - das Ostrockmusical von Wolfgang Liebisch - gegeben. Für die Laienkünstler ist es mittlerweile die 27. Aufführung - die vierte in Salzwedel. Das Ensemble ist gut drauf, ebenso wie das Publikum, das von der ersten Minute an toll mitgeht, auch wenn es kleinere technische Probleme gibt. Sie erleben, wie Eisverkäuferin Nicole (Judith Zürcher) und ihr Freund Tommy (Holger Götzky) von ihrer Flucht aus der DDR und einem Leben im Westen träumen und wie der Westberliner Micha (Dirk Soukup), und Peter, der Sachse (Torsten Ladwig), aus dem Schicksal der beiden Kapital schlagen wollen. Karat, City, Wolfgang Lippert, Helga Hahnemann: Im Sauseschritt geht\'s durch die Musikgeschichte des Ostens. So manch vergessener DDR-Witz ist plötzlich wieder präsent. Julia Lehmann begeistert in einer Doppelrolle - als Tante Erna, die Klofrau aus Warnemünde, und als Carola, die aus der DDR geflüchtete Sängerin.

Fazit: ein unterhaltsamer Abend, Wiedersehen erwünscht.

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