Salzwedel. "Ein schöner Batzen modriges Brennholz", würde der Laie wohl sagen, wenn er die zum Dutzend gestapelten Holzstücke, -pfähle und seltsam gekurvten Holzscheite hinter dem Danneilmuseum am Hungerturm sähe. Aber wer hier Brennholz erkennt, ist definitiv auf dem Holzweg. Der Hungerturm ist seit einigen Monaten zum "Archäologen-Camp" umfunktioniert, in dem Archäologe Andreas Neubert und Reinhard Heller, Grabungstechniker des Landesamtes für Archäologie in Halle, ihre Fundstücke inspizieren. Die Hölzer sind aus dem 19. Jahrhundert und wurden für den Straßenbau genutzt.

Seit Oktober des Vorjahres begleiten Neubert und Heller die Bauarbeiten im Abschnitt Neutorstraße/Schmiedestraße. Ein übliches Prozedere, da die Salzwedeler Altstadt unter Denkmalschutz steht.

Dutzende Holzpfähle und Holz-Wasserleitungen aus dem 19. Jahrhundert haben die Archäologen schon aus den Gruben gerettet. "Das sind Schätze, die wir ausgegraben haben", sagt der Archäologe.

Aber Holz ist noch lange nicht der einzige Schatz: Keramikscherben, Tierknochen, Lederreste, Holzgeräte wie Haarkämme aus dem Mittelalter, Handwerkszeug, Metalle und auch Lebensmittelreste wie Haselnüsse, Mandeln und winzige Obstkerne kommen immer wieder zum Vorschein. Und was ist nun der bislang außergewöhnlichste Fund? "Natürlich freuen wir uns über Funde wie Edelmetalle, damit bedienen wir das typische Schatzsucherklischee. Aber für uns als Archäologen ist es schon toll, wenn wir etwas Unscheinbares finden, so wie die große Masse an Holzfunden", sagt er

Spannend ist vor allem, was die Archäologen mit ihren gefundenen Schätzen aufdecken. So finden sie zum Beispiel heraus, was bei den Menschen vor Jahrhunderten auf dem Speiseplan stand. Davon zeugen Fischwirbel, Obstkerne und Tierknochen. Ein Fund ist bislang besonders interessant: Auf Höhe der Schmiedestraße 15 wurden ungewöhnlich viele große Brocken an Schlacke gefunden. Schlacke ist ein Abfallprodukt, das beim Schmieden von Eisen entsteht. Hat also dort vor einigen hundert Jahren eine Schmiede gestanden, die der Straße ihren Namen gab? "Gut möglich", so Neubert. Laut Neubert soll es nach Abschluss der Bauarbeiten eine kleine Ausstellung geben, in der ein Teil der Fundstücke in Vitrinen ausgestellt wird.