Letzlingen. 35 Tonnen schwer, fast acht Meter lang und drei Meter breit, acht Zylinder und bis 100 Stundenkilometer schnell: Das sind die Basisdaten des "Boxer", das gepanzerte Transportkraftfahrzeug des Heeres. Gestern sind die ersten fünf Exemplare im Gefechtsübungszentrum Altmark feierlich für ihren Einsatz ab August im Afghanistan übergeben worden.

Generalmajor Wolf Joachim Clauß, Chef des Heeresamtes, übereichte den symbolischen Schlüssel an Oberfeldwebel Miguel Kaoke, der bereits seit Anfang Januar den Umgang mit den "Boxer" übt und sich derzeit mit seinen rund 700 Kameraden des Jägerbataillons 292 aus Donaueschingen (Baden-Württemberg) im Gefechtsübungszentrum auf den nahenden Auslandseinsatz vorbereitet. In den kommenden Jahren sollen 272 dieser Fahrzeuge an das Heer ausgeliefert werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 1,3 Milliarden Euro.

Der "Boxer" ist ein Beispiel dafür, wie lange es dauern kann, ehe aus einer Idee einsatztaugliches Militärmaterial wird. Mitte der 80er Jahre begann der lange Weg des "Boxer", der jetzt als ein deutsch-niederländisches Projekt durch die Firmen Kraus-Maffei-Wegmann und Rheinmetall entwickelt wurde. Der Präsident des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung, Harald Stein, skizzierte gestern die Historie, versehen mit einem Seufzer: "Endlich können wir das Fahrzeug übergeben."

Neue Einsatzanforderungen haben danach ebenso immer wieder zu Zeitverzögerungen geführt wie wechselnde multinationale Partnerschaften. Das jetzt einsatzbereite gepanzerte Radfahrzeug erfülle nicht nur derzeitige, sondern auch künftige Einsatzzwecke, betonte Generalmajor Clauß. Die Infanterie, die besonders stark bei Auslandseinsätzen gefordert sei, werde nachhaltig gestärkt.

Im vergangenen Jahr unterzog die Bundeswehr dem Fahrzeug in Australien zahlreiche Tests. In Gegenden, die Afghanistan ähnlich seien, hieß es gestern. "Die Klimaanlage funktioniert bestens", schilderte Oberfeldwebel Kaoke. Doch nicht nur das. Für den gefährlichen Auslandseinsatz sind die jetzt fünf übergebenen Fahrzeuge speziell ausgerüstet worden. Unter anderem mit einem zusätzlichen Minenschutz und mit Störsender gegen ferngesteuerte Sprengfallen. Bis Anfang 2012 sollen 20 dieser Fahrzeuge ausgeliefert werden, schrittweise folgen dann weitere.

Das Besondere am "Boxer" ist seine Modulbauweise. Es kann sowohl als Gruppentransportfahrzeug für zehn Mann, als Führungsfahrzeug oder auch als schwer gepanzertes Sanitätsfahrzeug genutzt werden. Als Nutzungsdauer werden mindestens 20 Jahre angestrebt.