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Historikerin und Textilrestauratorin nehmen Fundus im Diesdorfer Museum unter die Lupe


170 Jahre alte Kleider gehören zu Raritäten

14.10.2011 05:25 Uhr |


Von Anke Pelczarski


Die Historikerin Corrie Leitz (links) und die Textilrestauratorin Hannelore Hogger schauten sich gestern ein Oberteil genauer an, das wohl um 1820 getragen wurde. Eine Pfarrersfrau aus Krusemark hat die Bekleidung dem Museum übereignet. Deren Großmutter aus Calvörde wird wohl die erste Trägerin gewesen sein.

Die Historikerin Corrie Leitz (links) und die Textilrestauratorin Hannelore Hogger schauten sich gestern ein Oberteil genauer an, das wohl um 1820 getragen wurde. Eine Pfarrersfrau aus Krusemark hat die Bekleidung dem Museum übereignet. Deren Großmutter aus Calvörde wird wohl die erste Trägerin gewesen sein. | Foto: Anke Pelczarski Die Historikerin Corrie Leitz (links) und die Textilrestauratorin Hannelore Hogger schauten sich gestern ein Oberteil genauer an, das wohl um 1820 getragen wurde. Eine Pfarrersfrau aus Krusemark hat die Bekleidung dem Museum übereignet. Deren Großmutter aus Calvörde wird wohl die erste Trägerin gewesen sein. | Foto: Anke Pelczarski

Bekleidung der Vorfahren schlummert im Magazin des Freilichtmuseums Diesdorf. In dieser Woche haben sich zwei Fachfrauen einen Überblick über das Kulturgut verschafft und wichtige Stücke fotografiert: für eine Präsentation im Internet.

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Diesdorf l "Wir haben hier ein Oberteil gefunden, das um 1750 entstand. Das ist schon erstaunlich, weil früher eigentlich die Kleidung bis zum letzten Faden umgearbeitet wurde", erzählt Textilrestauratorin Hannelore Hogger. Gemeinsam mit der Historikerin Corrie Leitz sichtet sie seit Montag den Fundus im Freilichtmuseum Diesdorf. Die beiden freiberuflich tätigen Frauen sind im Auftrag des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt unterwegs, haben in fünf Wochen in die Magazine von sieben Museen geblickt. Diesdorf ist die letzte Station.

Ziel sei es, sich einen Überblick zu verschaffen, ausgewählte Stücke zu fotografieren und bis zum Jahresende ins Internetportal www.museum-digital.de zu stellen, sagt Corrie Leitz. "Hier in Diesdorf haben wir schon viele Informationen auf Karteikarten zur Kleidung vorgefunden. Der einstige Leiter Peter Fischer und seine Mitarbeiter haben da schon viel geforscht", fügt sie hinzu. Dennoch müsse die historische Einordnung teilweise geändert werden, wenn diese augenscheinlich falsch sei.

Schön sei immer, wenn Geschichten zur Kleidung überliefert seien wie zum schwarzen Oberteil aus dem Jahr 1820, das eine Pfarrersfrau aus Krusemark dem Museum übereignet habe. Dieses habe bereits die Großmutter getragen, die in Calvörde lebte. "Auf den Knöpfen steht die Jahreszahl 1484", erzählt Corrie Leitz schmunzelnd über die nachträglich angebrachten Schmuckstücke. Drei komplette Kleider aus den 1840er Jahren gehören im Diesdorfer Magazin zu den Raritäten. Denn meist seien die Röcke später umgearbeitet worden, weiß Hannelore Hogger. Männerkleidung sei relativ wenig vertreten. "Diese eignete sich wohl am besten für den Weiterverbrauch. Die Wohlhabenden schenkten die abgetragenen Stücke ihren Knechten und Dienern. Dort wurden sie aufgetragen", vermutet die Textilrestauratorin.

Wichtig sei, den Bestand zu kennen und ihn vernünftig zu lagern, damit auch in 50 Jahren noch etwas davon vorzuweisen sei. "Ich sehe die eigentliche Aufgabe eines Museums darin, Kulturgut zu archivieren und nicht für Volksbelustigung zu sorgen", schildert Corrie Leitz ihre Meinung. "Gerade für kleine Museen ist dieses Angebot eine super Chance. Denn allein ist die Arbeit nicht leistbar", merkt Museumsmitarbeiterin Anke Gruß an. Sie freut sich, wenn die beiden über Parallelen berichten, die sich nach den Einblicken in die Museen ergeben haben, ist schon gespannt auf die heutige Auswertung. Und sie begrüßt die Vision, über die Corrie Leitz laut nachdenkt: "Ein altmärkisches Zentraldepot für Kleidung wäre toll. Dann würde das Gesammelte an einer Stelle lagern, ordentlich aufbewahrt werden können und wissenschaftlich untersucht. Das wäre etwas Gutes für alle Museen."

Die Frauen wünschen sich, dass sie ihre Arbeit in naher Zukunft fortsetzen können. In Diesdorf beispielsweise gibt es tolle Damastdecken, die kulturhistorisch wertvoll sind. "Da hätten wir noch viel zu tun", sagt Corrie Leitz.



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Copyright © Volksstimme 2012
Dokument erstellt am 2011-10-14 05:25:32
Letzte Änderung am 2011-10-14 05:25:32


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