122 Städte, 14 Länder, 4 Zeitzonen : Zum Internationalen Hansetag in Salzwedel hat sich halb Europa angemeldet. Wenn die Jeetzestadt dergleichen hätte, würde sie aus allen Nähten platzen. Es wird also Zeit, einmal nachzuschauen, woher die Besucher eigentlich kommen. Wer hat die weiteste Anreise, wer die kürzeste ? Welche Stadt ist die größte, welche die kleinste ?

Salzwedel. Wenn die Gäste aus der russischen Stadt Velikij Ustjug mit dem Bus anreisen würden, wären sie fast zwei Tage nach Salzwedel unterwegs. Allerdings auch nur, wenn sie ohne Unterbrechung durchfahren würden. Die 32 000-Einwohner-Stadt in der Region Vologda ist genau 2289 Kilometer weit vom Austragungsort des 28. Internationalen Hansetages entfernt. Luftlinie, wohlgemerkt. Damit haben die russischen Gästen die mit Abstand weiteste Anreise. Die Ustjuger könnten es sich aber auch einfacher machen. Per Flugzeug ab Moskau dauert die ganze Reise nur drei Stunden bis Berlin. Dabei durchqueren sie aber immer noch drei Zeitzonen.

Insgesamt haben sich 122 Städte in Salzwedel angemeldet. Die letzten beiden Zusagen erreichten gestern das Hansebüro. Die altehrwürdige Stadt Bremen wird ebenso dabei sein wie das polnische Kolobrzeg ( Kolberg ). Damit ist der bisherige Teilnehmerrekord, den Lippstadt im vergangenen Jahr mit 118 angemeldeten Städten aufgestellt hat, locker übertrumpft.

Die Freie und Hansestadt Hamburg ist mit 1, 8 Millionen Einwohnern die größte Teilnehmerstadt. Das lettische Riga und das polnische Krakow teilen sich – gemessen an der Einwohnerzahl – Platz zwei. Sie haben beide rund 750 000 Einwohner. Die südlichste angemeldete Stadt ist La Rochelle im Golf der Biscaya an der französischen Atlantikküste. Die schottischen Vertreter aus Aberdeen werden weit aus dem Westen kommen. Ustjug ist nicht nur die östlichest gelegene Teilnehmerstadt, sie ist auch die nördlichste. Damit schlägt sie breitengradtechnisch sogar den einzigen finnischen Vertreter – das immerkalte Turku.

Allein 70 deutsche Städte haben zugesagt, beim 28. Internationalen Hansetag eine Abordnung zu stellen. Damit ist die Bundesrepublik das Land mit den zahlreichsten teilnehmenden Städten. Von Emmerich am Rhein im Westen bis Frankfurt / Oder im Osten reicht das Spektrum in der Länge, von Naumburg bis Stralsund in der Breite.

Um den kürzesten Anfahrtsweg nach Salzwedel streiten sich gleich drei Städte. Zwischen Uelzen, Gardelegen und Seehausen sind die Distanzunterschiede marginal. In einer Dreiviertelstunde sollten die 40 Kilometer bei sinniger Fahrweise mit dem Auto bewältigt sein. Die Besucher könnten zwischen den einzelnen Veranstaltungstagen theoretisch sogar Zuhause schlafen, denn im Umkreis der Jeetzestadt sind ohnehin alle Hotels ausgebucht.

120 000 Besucher werden während der vier Tage in der Hansestadt erwartet. Allein die 122 Städte haben 54 Kulturgruppen mit 1312 Beteiligten angemeldet. Hinzu kommen 63 jugendliche Delegierte sowie 600 offizielle Stadtvertreter und etwa 300 engagierte Künstler.

Wenn alles so läuft, wie es sich die Organisatoren wünschen, wird der Hansetag nicht nur einen geografischen Querschnitt durch Europa bieten, sondern auch einen kulturellen, politischen und wirtschaftlichen. 122 Städte, 14 Länder und 4 Zeitzonen freuen sich darauf.

Die Teilnehmerländer des Hansebundes sind übrigens Belgien, Deutschland, England, Estland, Finnland, Frankreich, Lettland, Litauen, Niederlande, Polen, Russland, Schottland, Schweden und Weißrussland. Nur Island und Norwegen fehlen.