In kaum einer anderen deutschen Region gibt es so viele Hansestädte auf engem Raum wie in der Altmark. Seit gestern ist dies auch für alle sichtbar. Die acht Städte des Altmärkischen Hansebundes überklebten Ortseingangsschilder mit dem Wort "Hansestadt". Eine Aktion, die nicht nur anlässlich des heutigen Internationalen Tages der Hanse erfolgte. 2008 wird Salzwedel den 28. Internationalen Hansetag ausrichten. Ein Novum für die Altmark, für Sachsen-Anhalt.

Altmark. Teils auf der Leiter stehend, teils in historisches Gewand gehüllt, überklebten gestern die Bürgermeister beziehungsweise Vertreter aus Salzwedel, Stendal, Gardelegen, Havelberg, Osterburg, Tangermünde, Seehausen und Werben um 11 Uhr jeweils ein Ortseingangsschild. "Hansestadt", so begrüßen die Städte jetzt ihre Gäste. Eine bis zuletzt unter höchster Geheimhaltung stehende PR-Aktion zugunsten Salzwedels. 2008 wird die Jeetzestadt, die bereits am 16. Juni 1263 in Visby Mitglied der "Gotländischen Gesellschaft", eine der Wurzeln der Hanse, wurde, den 28. Internationalen Hansetag ausrichten. Von 1436 bis 1488 beziehungsweise 1518 (Stendal und Salzwedel) waren die acht Städte Mitglied der einflussreichen Handelsorganisation "Hanse". 480 Jahre später fanden sich die Acht wieder zum "Altmärkischen Hansebund" zusammen.

"Der Begriff Hanse ist einer, der nur positiv bewertet wird", sagte gestern Salzwedels Bürgermeister Siegfried Schneider, als er in historischer Tracht und mit der wertvollen Amtskette versehen, auf der Leiter am Ortseingangsschild der B 71 stand. Es sei eine hervorragende Sache, dass die anderen Städte mitmachen.
"Wir sind stolz, Hansestadt sein zu dürfen. Und mit diesem hanseatischen Gedanken möchten wir heute schon auf den Hansetag 2008 in Salzwedel aufmerksam machen", so der Stendaler Oberbürgermeister Klaus Schmotz, als er gestern den Schriftzug "Hansestadt" auf das Ortseingangsschild klebte. Weithin sichtbar für jeden, der auf der Bundesstraße 189 aus Richtung Magdeburg nach Stendal hineinrollte.

In Havelberg überklebte Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich im Auftrag von Bürgermeister Bernd Poloski das Ortseingangsschild an der Genthiner Straße (B 107). "Als ehemalige Hansestadt möchte natürlich auch die Domstadt Havelberg ihren Beitrag zur Vorbereitung des Hansetages in Salzwedel leisten. Mit dieser Ortsschildaktion als auch mit weiteren, über die derzeit noch beraten wird", meinte Heidrich, Havelberg ist als Hansestadt übrigens erstmals 1358 urkundlich erwähnt worden, zu dieser Zeit florierte vor allem der Getreide- und Holzhandel sowie der Fischmarkt.

"Ich finde die Aktion gut", erklärte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Für ihn sei dies eine "Solidaraktion", mit der alle altmärkischen Hansestädte die Werbetrommel für den Hansetag in Salzwedel rühren können. Fuchs betonte noch einmal das Angebot Gardelegens an Salzwedel, bei der Vorbereitung und Ausrichtung aktiv mithelfen zu wollen.

"Die Ausrichtung des 28. Hansetages in Salzwedel ist für die gesamte Altmark ein riesiges Ereignis. Von der Größe kann man es sicher mit dem Sachsen-Anhalt-Tag vergleichen. Der Unterschied ist jedoch das internationale Flair. Ich denke, das wird auch bis Seehausen zu spüren sein. Denn die Übernachtungsplätze in der Region Salzwedel dürften bei weitem nicht reichen", sagte Ewald Duffe, Bürgermeister von Seehausen.

"Ich bin seit Jahren ein Verfechter, dass wir so etwas machen sollten. Die acht Hansestädte sind eine Besonderheit der Region, die auch zum Tragen kommen sollen. Ich begrüße also die Aktion, es ist jedoch schade, dass es so viele Schwierigkeiten seitens der Behörden gibt", meinte Osterburgs Bürgermeister Hartmut Raden. Eine Anspielung auf die Probleme, auf die altmärkische Hansestädte beim bislang ergebnislosen Beantragen des Zusatzes "Hansestadt" gestoßen sind.
"Das Landesverwaltungsamt würde uns diesen Zusatz nie genehmigen", weiß Tangermündes Bürgermeister Dr. Rudolf Opitz. Dazu werde die Tradition der Hanse in dieser Stadt viel zu wenig gepflegt. Doch ganz unversucht haben es die Tangermünder nicht gelassen, sich Hansestadt nennen zu dürfen. Anfang der 1990er Jahre, so Dr. Opitz während der Klebeaktion nahe der Elbbrücke, habe es die Stadt probiert, allerdings ohne Erfolg.

Werbens Bürgermeister Dr. Volkmar Haase brachte den Aufkleber "Hansestadt" gestern am Ortseingangsschild aus Richtung Seehausen an. "Wir haben schon vor einiger Zeit beantragt, offiziell den Beinamen Hansestadt zu bekommen. Nun wollten wir ohnehin einen neuen Anlauf starten. Dass nun alle altmärkischen Hansestädte gemeinsam die Initiative ergreifen, ist umso schöner", sagte der Werbener Bürgermeister.

Ob nun alle altmärkischen Hansestädte sich künftig auch so nennen werden, ist fraglich. Siegfried Schneider und Klaus Schmotz hoffen, dass die Aufkleber erst einmal bis 2008 halten. Schneider sprach zudem die Hoffnung aus, dass die Verwaltungsebene diesen Zusatz legalisiert. Eine verkehrsrechtliche Anordnung wäre notwendig. Das komplette Umstellen auf den Zusatznamen "Hansestadt" könnte hingegen schon an den Kosten scheitern. Immerhin müssten nicht nur Briefköpfe, sondern auch Personalausweise, Pässe und Führerscheine geändert werden. Pro Einwohner könnten da Kosten von bis zu 200 Euro zusammenkommen, ergaben Volksstimme-Recherchen.

Das stand aber gestern nicht im Mittelpunkt, sondern der Internationale Hansetag 2008 in Salzwedel. Bis zu 3000 Vertreter aus rund 80 Städten aus 15 Staaten werden dazu erwartet. Ein Großereignis, das schon jetzt seine Kreise zieht. Michael Standke, im Stendaler Rathaus für das Sachgebiet Tourismus und Kultur zuständige und bei der gestrigen Klebeaktion rechte Hand seines Oberbürgermeisters, bestätigt, dass bereits jetzt alle Hotels in Stendal für die Hansetage 2008 ausgebucht sind. Ähnlich sieht es auch in anderen Städten aus. Für Salzwedels Bürgermeister Schneider ist der 28. Internationale Hansetag eine "Riesenchance für die Region". Immerhin seien die Ausrichterorte für diese Großveranstaltung bereits bis zum Jahr 2036 vergeben.