Die Hansestadt Harderwijk (NL)

Die 42 000-Einwohner-Stadt liegt am Veluwemeer. Im Jahr 1231 erstmals urkundlich erwähnt, trat sie im 15. Jahrhundert der Hanse bei und begründete dank intensiver Handelsbeziehungen mit Skandinavien ihren Reichtum.

Neben der historischen Altstadt sind Europas größtes Delfinarium und das große Wassersport-Angebot ein Touristenmagnet. Jährlich kommen
3,1 Millionen Besucher.

Kürzlich trat Harderwijk in Lippstadt als 165. Mitglied dem Hansebund der Neuzeit bei und will sich 2008 in Salzwedel mit anderen niederländischen Hansestädten präsentieren.

Salzwedel - In knapp einem Jahr steht Salzwedel als Gastgeber des Internationalen Hansetages 2008 im Blickpunkt Europas. Wie weit sind die Vorbereitungen auf dieses Fest? Das wollte am Wochenende Jos Kunne wissen. Der Journalist aus der niederländischen Hansestadt Harderwijk schaute sich um und schilderte der Volksstimme seine Eindrücke.

"Als Salzwedeler wäre ich stolz auf meine Stadt", sagt Jos Kunne. Der 47-Jährige weilte drei Tage an der Jeetze, ließ sich von Stadtführerin Jutta Jaeger acht Stunden lang begleiten. Im Rahmen einer vierteiligen Reportage über die Hansegeschichte für die Harderwijker Lokalzeitung wird er von seinen Eindrücken aus Salzwedel berichten. "Ich bin so etwas wie ein Scout für unsere Stadt", sagt der Journalist, der 14 Jahre lang als Stadtsprecher arbeitete, schmunzelnd.
Salzwedel hat großes Potenzial. Das habe er nicht erwartet, bekennt er. Vor allem die historische Altstadt und das viele Grün seien Schätze, mit denen die Stadt wuchern könne. "Es gibt viele Perlen, die aber geputzt werden müssen. Das sind nicht nur die Denkmäler oder die prächtige Marienkirche, sondern auch die ehrenamtlichen Helfer in den Vereinen. Bis zum Internationalen Hansetag ist noch viel zu tun", schätzt Jos Kunne ein.

"Es gibt eine ganze Menge Leute auf der Straße, die nicht wissen, was die Hanse bedeutet und was sie 2008 hier erwartet. Ich hoffe, dass sie noch wach werden und ein bisschen mehr stolz auf ihre Stadt sind", sagt der Niederländer. Das diesjährige, kleine Hansefest sei eine gute Gelegenheit, "um Wirbel zu machen und den Menschen klar zu machen, dass der Internationale Hansetag die Stadt wirtschaftlich und kulturell voranbringen wird". Es sei deshalb wichtig, möglichst viele Bürger in die Vorbereitungen einzubinden, damit das Fest zum einen ein Erfolg wird und zum zweiten die Salzwedeler sagen werden: "Das ist unser Fest".

Auch der triste Rathausturmplatz blieb Jos Kunne nicht verborgen. Von der C&A-Absage las er in der Volksstimme. "Das kommt mir vor wie eine Blaupause von meiner Heimatstadt." Auch in Harderwijk sei auf einem zentralen Platz der Altstadt ein Kaufhaus im modernen Stil errichtet worden. Der Mieter, eine renommierte Firma, habe ebenfalls kurzfristig abgesagt. "Heute sagen Touristen, Einheimische und Politiker, der Platz hätte niemals bebaut werden dürfen. Keiner findet diesen modernen Klotz schön", sagt er. "C&A wäre gut für Salzwedel gewesen. Aber ein neues, großes Gebäude an dieser Stelle? Denkt da noch mal drüber nach", rät er den Entscheidungsträgern.

Aufgefallen sind dem Gast auch die Graffiti-Schmierereien. "Ein Problem, das wir ebenfalls hatten. Heute wird jeder Bürger aufgefordert, frische Schmierereien an öffentlichen Gebäuden sofort zu melden. Die Stadt muss diese bis zum nächsten Tag beseitigen", erklärt Jos Kunne. Das Prinzip helfe, weil es die Täter entmutige. Zudem seien Schüler ermuntert worden, die zahlreichen Fahrradtunnel selbst mit Graffiti zu gestalten. "Da traut sich kein Schmierer ran." Legale Sprühkunst mit hanseatischen Motiven sei seiner Meinung nach für Salzwedel ein Weg, um junge Leute für den Hansetag zu begeistern.

Dass Salzwedel noch eine solch erhaltene Bausubstanz hat, mache ein wenig neidisch. Obwohl Harderwijk mehr Geld hatte als es hierzulande zu DDR-Zeiten gab, seien viele alte Häuser dem Verfall überlassen worden. Aus diesen Fehlern habe man heute gelernt. Für Salzwedel hoffe er, dass die Immobilien von Einheimischen restauriert werden und nicht zu Spekulationsobjekten von Ortsfremden werden.