Die Bedeutung der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck in der Region und in Sachsen-Anhalt war Mittelpunkt eines Gespräches zwischen Landes-Kultusministerin Birgitta Wolff (CDU), Generalmusikdirektor Christian Simonis und Geschäftsführer Hans-Jörg Simon in der Elbestadt. Die Musiker erhoffen sich aus Magdeburg Unterstützung für eigene Projekte und ein größeres Bewusstsein auf politischer Ebene für die Arbeit, die sie im Salzlandkreis leisten.

Schönebeck. "Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie ist das Orchester in der Region zwischen Magdeburg und Halle", sagte Generalmusikdirektor Christian Simonis beim Arbeitsgespräch mit Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff. Das Selbstbewusstsein kann sich der Orchesterchef zweifelsohne leisten. Denn der Klangkörper wirkt in vielen Bereichen der Kultur und der Bildung im neu entstandenen Salzlandkreis. Ulf Freund, Leiter des Amtes Schulverwaltung - kulturelle Bildung in Bernburg, unterstrich das ausnahmslos: "Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie ist gelebte Kreisgebietsreform", sagte er. Das, was man sich auf der politischen Bühne vielerorts zwischen Schönebeck und Aschersleben, Bernburg und der Egelner Mulde noch wünsche, habe man auf der Konzertbühne längst erreicht: Ein "Wir-Gefühl" und das Verständnis des einen Orchesters für eine Region. Freund nannte verschiedene Konzertreihen, nicht nur in den vier großen Städten, und betonte besonders die Arbeit der Instrumentalisten in Schulen und Kindereinrichtungen. "Die Kinder lieben sie!", sagte der Amtsleiter in Richtung Orchesterleitung und -Geschäftsführung und Birgitta Wolff zugewandt: "Die Musiker machen das, was sie eigentlich nicht müssen – Sie gehen von der Bühne weg in das Land hinein."

Die Kultusministerin erfuhr, dass es in Aschersleben ein Projekt mit einer Grundschule gebe, in dem die Musiker Angebote altersspezifisch für alle vier Klassenstufen vorhalten würden. Der wachsende Kreis der Musikfreunde und die begeisterten Kinder seien schönster Beweis dafür, so der Ressortchef.

Christian Simonis konnte das auch belegen. "Die Vorarbeit im Kleinen in den letzten Jahren beginnt jetzt zu blühen", sagte er. Nach drei Jahren habe sich in Bernburg das Neujahrskonzert ebenso wie eine eigene Abonnementreihe etabliert, in Staßfurt gibt es regelmäßige Neujahrs- und Operettenkonzerte, das Orchester spielte sein Weihnachtskonzert 2010 nicht nur in der Elbestadt, sondern auch in vielen anderen Orten, so zum Beispiel als eine Premiere in der Halle Am Heger in Calbe. Hinzu käme die Ausstrahlung in den Musikschulbereich durch Schülerkonzerte. Der Orchesterchef betonte vor der Landesministerin besonders, dass seine Musiker und er bei allen Konzerten hochmotiviert seien, egal welches Publikum die Ohren spitze. "Ich erlebe bei allen Instrumentalisten, dass sie jedes Konzert mit der selben professionellen Grundeinstellung spielen."

Klingt alles, um im Musikerjargon zu bleiben, recht harmonisch. Doch es gibt auch Wünsche im Orchester, die Christian Simonis vor Birgitta Wolff darlegte. "Alles, was wir machen, ist vielleicht noch nicht so im Bewusstsein." Das Land habe die Förderung für das Orchester erhöht, das machte Landtagsabgeordneter Gunnar Schellenberger (CDU), der Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses des Landes ist, deutlich. Doch eine wirkliche Identifikation mit dem musikalischen Schatz, den man habe, gebe es noch nicht.

Zusagen erst sehr spät

Das meinte auch SPD-Landtagsabgeordnete Petra Grimm-Benne im Gespräch mit Wolff und hatte ein aktuelles Beispiel parat. So habe es im vergangenen Jahr Geld für das Salzlandkreis-Festival "Klänge im Raum" gegeben, das die Kammerphilharmonie maßgeblich auf die Beine stellt. Doch die entsprechenden Zusagen durch das Landesverwaltungsamt seien sehr spät gekommen. "Wir müssen Termine setzen und Künstler verpflichten", sagte Grimm-Benne, die auch Vorsitzende des Fördervereins der Philharmonie ist. Die späte Reaktion im Land habe zu Problemen bei der 2010er-Auflage "Klänge im Raum" geführt, nicht zuletzt in organisatorischen und werbemäßigen Abläufen. Ulf Freund verdeutlichte das und sagte, dass die Kammerphilharmonie immerhin ein wirtschaftliches Unternehmen sei, das mit festen Zusagen arbeiten müsse. Und Gunnar Schellenberger wies darauf hin, dass das Land an anderen Stellen längerfristige vertragliche Kulturförderung betreibe, auch bei Festivals. Die Händel-Festspiele Halle/Saale zeigten das als ein Beispiel.

Wolff war dankbar für die Hinweise und wies darauf hin, dass ihr Ministerium aus dem Kulturausschuss den Auftrag bekommen habe, die Parameter für eine Förderung von Kulturschaffenden festzulegen. Damit wolle man auch verdeutlichen, so die Ressortchefin mit Blick auf die Frage der Anerkennung aus Magdeburg, wo Landesinteressen lägen.

"Die Förderverträge werden nicht mehr angebotsorientiert ausgerichtet sein, sondern teilweise auch ergebnisorientiert", gab Wolff einen Ausblick. So werde es auch auf Auslastung und Effizienz ankommen. Bei beidem könne die Kammerphilharmonie punkten. Außerdem wolle das Land verstärkt honorieren, dass sich Kulturleute selbst (Sponsoring-)Partner suchten und dann strategische Allianzen mit Trägern und Kommunen eingehen. Das Orchester agiere, so die Ministerin, auch in diesem Bereich bereits beispielhaft in Sachsen-Anhalt.

Wichtig sei nur, dass der Landtag diese Vorhaben politisch mittragen würde. Wolff sagte, sie wolle zudem Orchesterförderung zu einem Thema für mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl im März machen.

In Schönebeck stieß beides auf hohe Erwartungen. Konkrete Zusagen gab es allerdings von der Ministerin beim Arbeitsgespräch noch nicht.