Wenn es in den kommenden Tagen tauen sollte, könnte die Landgemeinde Wespen etwas erleben, was es vermutlich noch nie gab: Hochwasser im Ort.

Wespen. "Ein großes Problem ist der Dorfteich. Er ist dabei überzulaufen", sagt Wespens ehemalige Bürgermeisterin Marion Koppelin.

Bei einsetzendem Tauwetter wird der Grundwasserstand im Ort weiter ansteigen. Der Teich wirkt in Schmelz- und Hochwasserzeiten wie ein Puffer. Doch nun sind seine Stau-Kapazitäten überschritten.

"Die Nerven liegen bei den Leuten blank"

Kein alter Wespener kann sich daran erinnern, dass der Dorfteich je so voll war. Gegenwärtig liegt er rund zwei Meter über seinem durchschnittlichen Niveau.

"Die Nerven liegen bei den Leuten blank", gesteht Marion Koppelin. Etwa 90 Prozent der Wespener haben Wasser im Keller. Wenn in den kommenden Tagen Tauwetter einsetzt, wird der Dorfteich sich garantiert weiter ausbreiten.

Ein Grund für diese Misere sehen die Wespener in dem nicht mehr funktionstüchtigen Grabensystem. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Iritzer Busch zu. "Da fehlt ein Stück Graben, der das Wespener Wasser in Richtung Barbyer Landgraben abfließen ließ", weiß Marion Koppelin. Er ist vermutlich in den 1950er Jahren zugeschüttet worden.

Der Abwasserzweckverband (AZV) steht ebenfalls "Gewehr bei Fuß". "Wir werden die Kanaldeckel mit Sandsäcken und Folie gegen eindringendes Oberflächenwasser sichern müssen", kündigt AZV-Chef Michael Tecklenburg an. Sonst würde man das Teichwasser nach Calbe in das Klärwerk pumpen.

Die zentrale Pumpstation liegt nur wenige Meter neben dem Dorfteich. Es ist abzusehen, dass sie vom Wasser überflutet wird.

Derweil habe sich in Gnadau die Situation etwas entspannt. "Unsere Pumpen laufen nicht mehr Volllast, sondern bei 90 Prozent", informiert Tecklenburg. Das werde aber nur erreicht, weil auch Fäkalienfahrzeuge parallel abpumpen. Eigene wie auch angemietete Lkw fahren regelmäßig Gnadau an, um am Zinzendorfplatz das Kanalnetz zu entlasten.