Wo gibt es so was schon noch: Der sportliche Sieger erhält seinen Preis in Naturalien. Am Neujahrsmorgen paddelten und ruderten 21 Männer nach Glinde, wo ihnen ein Schock Eier winkte.

Glinde l Bleigrau fließt die Elbe. In der Ferne krächzen ein paar Krähen. Kormorane fliegen hastig in Geschwaderformation am Ufer entlang, als ginge es um den Verzehr des letzten Fisches. Die Luft ist zwei, das Wasser vier Grad kalt. Erste Tropfen nieseln durch die Luft. Gute Bedingungen, um den Silvesterkater zu vertreiben. Mit einem Spaziergang, beispielsweise.

Doch zwei Dutzend Kerlen wäre dies zu langweilig. Sie sind in Kajaks, Ruder- und Dickboote gestiegen, um Glinde anzusteuern. Ihr Ältester ist 63.

Motivierendes Ziel der 9-Kilometer-Reise ist Glindes "Goldener Anker", wo Wirt Henrik Fabian die Gaststube hochgeheizt hat, dass die Fliegen von den Wänden fallen würden, gäbe es am 1. Januar 2014 welche. Sein Urgroßvater Otto Fritze rief die Eierfahrten nach dem Ersten Weltkrieg ins Leben. Auch er war Wirt des "Goldenen Ankers". Damals schuf die Eierprämie in ihrer Eigenschaft als begehrtes Lebensmittel besondere Anreize für die Kanuten. Weil man sich mit der Lichtmess in Glinde auf den nahenden Frühling freute, stellte das Ei, als Fruchtbarkeitssymbol, eine gute Ergänzung dar. Otto Fritzes Eierfahrt wurde sehr populär. Damals kamen sogar Paddler aus Magdeburg und Breitenhagen. Der Eier und des gemütlichen Miteinanders wegen.

So ist es auch am Neujahrstag 2014. Der "Goldene Anker" hat sich für Stunden zur Wassersportkneipe gewandelt. Die Barbyer sitzen zusammen mit drei Schönebecker Kanuten am langen Tisch, etwas später trudeln fünf SSC-Ruderer ein. Jemand witzelt: "Kanuten sehen immer, wenn eine Kneipe kommt. Ruderer fahren stets daran vorbei und müssen umkehren." Damit ist die Sitzhaltung im Boot gemeint. Berti Wegener spielt Gitarre und singt, Dirk Trappe malträtiert mit einem Löffel ein Waschbrett. In dem kleinen Gastraum herrscht ein solches Spektakel, dagegen sind Rockkonzerte Kinderweihnachtsfeiern.

Weil in Wohlstandszeiten das Ei als Siegesprämie eher folkloristische Züge trägt, wird der Schock, also 60 Stück, am Ende an alle Neujahrssportler aufgeteilt. Wobei die Schönebecker Kajak-Paddler und Ruderer ein Transportproblem haben: Sie müssen nach Abschluss der Veranstaltung wieder mit den Booten nach Hause. Auf die Barbyer wartet draußen ein Kleinbus, hinter dem die beiden Dickboote hängen. Damit stromaufwärts heimzufahren, wäre dann doch etwas zuviel des Guten ...

 

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