Attraktiv? Nein, attraktiv scheint die Altstadt nicht zu sein. Niemand der neu Zugezogenen gibt diesen Punkt als ausschlaggebend an. Die meisten Zuzügler kommen wegen der Arbeitsstelle oder aus familiären Gründen. Deshalb soll, muss es attraktiver werden zwischen Markt und Cokturhof.

Schönebeck l "Mein Gott, wie konnte das geschehen?" Die Reaktion von Professorin Ulla Luther vom IBA-Büro gipfelte angesichts des Zustands der Schönebecker Altstadt 2009 in diesem Satz. Viel geschehen war tatsächlich nicht seit der Wende bis zum Jahr der Internationalen Bauausstellung. Viel geschehen ist auch seither nicht. Einheimische wissen um die Gründe. Mit dem Schwerlastverkehr, der bis zur Eröffnung der neuen Elbebrücke durch die Altstadt rumpelte, war deren Attraktivität zumindest als Wohnstandort eher gering. Die privaten Initiativen, die es braucht für eine prosperierende Altstadt, fielen entsprechend gering aus. Fördermöglichkeiten gibt es seit Jahren kaum noch. Das Stadtplanungsamt bleibt dennoch am Ball. "Quartierskonzept Altstadt" nennt sich ein Strategiepapier, das ein Dessauer Büro und ein Büro aus Droyßig im Auftrag von Verwaltung und Stadtrat ausgearbeitet haben. Seit Mai 2011 liegt es vor und ist Grundlage für weiteres bauliches Handeln, enthält sogenannte Vertiefungsbereiche, dazu gehören die Gestaltung des Marktplatzes und das Konzept "Elbröver", mit dem die Entwicklung direkt am Rathaus beschrieben wird. Im Behördendeutsch ist festgehalten: Das Quartierskonzept Altstadt ist die Teilfortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes.

Stadtrat Torsten Pillat (CDU) hat sich während der Dezember-Sitzung des Hauptausschusses über den Stand der Dinge in punkto "Elbröver" erkundigt und erfahren, dass die Stadt mit drei möglichen Investoren im Gespräch ist, um die Planungen zu realisieren.

"Wir haben ein Exposé an mögliche Investoren bundesweit versendet. Ursprünglich hatten wir an einen Wettbewerb gedacht, haben uns dann aber doch für eine Direktansprache entschieden", erläutert Michael Gremmes vom Stadtplanungsamt.

Ein bisschen erschreckend ist, dass insgesamt 140 Büros kontaktiert worden sind. Nur noch drei sind im Boot. Viele hatten einfach kein Interesse. Wichtig wäre freilich unterm Strich, dass zumindest ein Investor Farbe bekennt und die Potenziale zu schätzen weiß. Die Elbnähe zum Beispiel. Auch Brachflächen, unübersehbar vorhanden, bieten Chancen. Nämlich die, hier etwas Neues entstehen zu lassen.

Interessant sind die im Quartierskonzept ausgearbeiteten Details allemal. So geht aus dem Papier hervor, dass niemand der in jüngster Zeit zugezogenen Menschen diesen urbanen Bereich als attraktiv einschätzt. Die meisten Zuzügler kommen aus familiären Gründen oder weil ihr Arbeitsplatz in der Nähe liegt und sie das Pendeln vermeiden wollen. Inzwischen alt gewordene Schönebecker kehren zurück, um ihren Alterswohnsitz hier zu wählen. Viele der Befragten beklagen ein fehlendes Zentrum und eine unattraktive Altstadt mit viel Leerstand und wenigen kulturellen und gastronomischen Angeboten sowie das Fehlen von Spielplätzen und Bereichen zur Freizeitgestaltung, wie Grünflächen.

Zufrieden sind die Bürger hingegen mit den Einkaufsmöglichkeiten, der Versorgung mit Ärzten, dem Angebot an Kinderbetreuung und öffentliche Verkehrsmitteln.

Wo also setzt das Quartierskonzept insgesamt an, um die die Attraktivität zu verbessern? Zentraler Ansatzpunkt sei die Annäherung an den Fluss, heißt es. Die Zentralität der Altstadt müsse zudem gestärkt werden. Fußgängerfreundliche Infrastrukturen werden vorgeschlagen, ebenso eine Konzentration des Einzelhandels sowie von Dienstleistungs- und Verwaltungseinrichtungen, ein verkehrsberuhigter Bereich, eine besseres Parkraumangebot.

Baudezernent Guido Schmidt sagte in der Hauptausschusssitzung nicht viel, aber dann doch das: "Ein schwieriges Thema. Aber die Chance besteht, Potenziale zu beleben."

Am Montag soll im Bauausschuss über den aktuellen Stand zum "Elbröverquartier" informiert werden. Vielleicht sogar öffentlich. Angemessen wäre es. Angeraten auch.