Auch die Breitenhagener Christophoruskirche hat Sanierungsbedarf. Gestühl, Taufstein oder Kanzel müssen aufgearbeitet werden. Für eine Spende sorgten jetzt die "Westend-Glory-Singers" aus Eberswalde, die 1276 Euro überbrachten.

Breitenhagen l Ein Großteil der Spende stammt von Auftritten der "Westend-Glory-Singers" bei Gospeltreffen in Eberswalde und Chorin, wo man zielgerichtet für eine hochwassergeschädigte Kirchengemeinde gesammelt hatte. In Schönebeck trat das Ensemble im evangelischen Johannis-Gemeindezentrum auf, wo es ebenfalls für die Breitenhagener sang. Pfarrer Hanns-Peter Giering war sensibilisiert, die Spende in diese Richtung zu schicken: Seine Ehefrau stammt aus Schönebeck, wo das Haus von deren Mutter unweit des Salzblumenplatzes absoff. "Für uns stand fest", so Pfarrer Giering, "das einer hochwassergeschädigten Kirchengemeinde geholfen werden soll."

Nach einem Eberswalder Ortsteil benannt

"Westend-Glory-Singers" klingt zwar nach einem Stadtteil von New York, lehnt seinen Namen aber an die Eberswalder Heimat an. Die Stadt am Oder-Havel-Kanal gliedert sich in die Stadtteile Nord-, Ost-, und eben Westend. Die A-cappella-Gruppe gehört zur Evangelischen Stadtkirchengemeinde Eberswalde und zählt rund 30 Mitglieder. Sechs von ihnen waren am Sonntag in Breitenhagen.

Vor dem Gottesdienst leisteten Werner Rehnecke, Wolfgang Erdmann und Raik Nöhrhoff echte Handarbeit. Sie läuteten die Glocken der Breitenhagener Kirche wie vor 300 Jahren manuell. Das Dreiergeläut wurde 1957 durch zwei Stahlglocken wieder komplettiert, nachdem im Zweiten Weltkrieg die beiden größeren Bronzen für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden.

Das Wasser stand nach dem Deichbruch 60 Zentimeter hoch im Inneren des Gotteshauses. Wie Breitenhagens Pfarrer Ulf Rödiger sagt, würde allein die Aufarbeitung des historischen Gestühls rund 10000 Euro kosten. Noch sei nicht klar, ob die Förderung 80 oder 100 Prozent betrage.

Dabei halten sich die Inventarschäden in Grenzen. Aber nur deswegen, weil St. Christophorus recht sparsam "möbliert" ist. Im wahrsten Sinne des Wortes völlig aus dem Leim gingen Dutzende Stühle. Gegenwärtig sitzt man auf Stühlen der Frohser Gemeinde. "Wir müssen jetzt gucken, ob sich der Fußboden noch hebt", sagt der Pfarrer. Spätfolgen der Flut seien auch nach Monaten möglich. Vielleicht hat die Gemeinde ja Glück, weil im Gotteshaus keine "modernen Baustoffe" wie gipshaltiger Zement oder Trittschalldämmung verwendet wurden.

Die evangelische Kirchengemeinde des ehemaligen Schifferdorfes zählt 70 Seelen. Gottesdienste finden im Sommer einmal monatlich in der Kirche, in der kalten Jahreszeit im benachbarten Gemeinderaum statt. Weiterhin wird sie für Konzerte genutzt. Die Radeltouristen des Elberadwanderweges machen hier gerne halt, um die offene Kirche zu besichtigen.

Kirche wird auch noch für Trauerfeiern benötigt

Weil der kommunale Friedhof wochenlang unter Wasser stand, fanden im Sommer zwei Trauerfeiern in der noch feuchten Kirche statt. Die Urnen wurden später beigesetzt. Weil die Trauerhalle noch nicht wieder einsatzbereit ist, muss die Kirche in dieser Beziehung noch einige Zeit genutzt werden.

Breitenhagen gehört zu den Orten, die am stärksten von der Flut betroffen waren. Nach Angaben des Salzlandkreises wurden 173 Häuser überflutet. Bis zu zwei Meter hoch stand das Wasser in den Häusern. In keiner anderen Gegend im Salzlandkreis herrschte so lange Betretungsverbot wie in Breitenhagen.

 

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