Wenige Tage vor der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Schönebeck am Sonntag, 12. Januar, haben verschiedene Parteien und Gruppen Wahlempfehlungen abgegeben. Die sind zum Teil sehr konkret und benennen Kandidaten oder rufen die Schönebecker ganz allgemein auf, von ihrem Wahlrecht unbedingt Gebrauch zu machen.

Schönebeck (dw) l Eindeutig äußern sich die Mitglieder der Partei Die Linke. Nach Gesprächen mit den beiden Kandidaten Holger Goldschmidt (Einzelbewerber) und Bert Knoblauch (CDU) sind sich die Mitglieder aus Linken-Ortsgruppe und -Stadtratsfraktion einig, ihre Stimmen für Holger Goldschmidt abgeben zu wollen. "Wir haben bei Herrn Goldschmidt die größere Kompetenz und Nähe zu Fragen der Wirtschaftsförderung festgestellt und sind überzeugt, dass seine Verwaltungserfahrung ein großes Pfund ist, das für ihn spricht", sagt Sabine Dirlich, Chefin der Linke-Stadtratsfraktion im Schönebecker Stadtrat. Ihre Partei habe beiden Kandidaten die Möglichkeit gegeben, sich mit ihren Zielen vorzustellen. Dabei habe man "begrüßenswerte Ansätze, aber auch unterschiedliche Auffassungen" festgestellt, so Sabine Dirlich. "Die Anwesenden waren sich einig, dass sie bei der Stichwahl Herrn Goldschmidt den Vorzug vor Herrn Knoblauch geben werden", sagt die Politikerin. Auf jeden Fall wollen die Linken das Ergebnis der Stichwahl annehmen und mit dem Sieger gut zusammenarbeiten.

Parteien nehmen demokratischen Auftrag wahr

Die Führungsebene von Stadt- und Stadtrats-SPD macht in einer Mitteilung deutlich, dass sich die Sozialdemokraten nach der Wahlschlappe von Kandidat Frank Schiwek im ersten Wahlgang nicht zurückziehen, "sondern die Politik im Interesse der Bürger in der Stadt weiter mitgestalten wird", wie Ortschefin Petra Grimm-Benne sagt. Die SPD werde in Ratsfraktion und Ortsverein die Arbeit des künftigen Oberbürgermeisters kritisch begleiten.

Auch die SPD in Schönebeck hat sich beide Kandidaten der Stichwahl zum Gespräch eingeladen. Das Ergebnis wird so zusammengefasst: "Beide Kandidaten teilten die Vorstellungen der SPD von einer offeneren und bürgernahen Verwaltung und von einer sachlichen und fairen Zusammenarbeit mit dem Stadtrat. Bei einigen Kernthemen zeichnete sich in der anschließenden intensiven und internen Ortsvereinsdiskussion ein knapper Vorsprung für Holger Goldschmidt ab. An eine Wahl von Herrn Goldschmidt knüpft die SPD die Erwartung der Lösung des Hoch- und Grundwasserproblems durch die Übertragung seiner Kenntnisse aus dem Barbyer Bereich, eine Sanierung der Stadtfinanzen ohne einen Kahlschlag bei den freiwilligen Aufgaben: Die Bestandssicherung der Sportförderung, der Jugendclubs und der Orchesterfinanzierung wurden zugesagt."

Petra Grimm-Benne macht deutlich, dass die SPD ihrer demokratischen Aufgabe nachgekommen sei, bei der Meinungsbildung zu helfen. "Seine Entscheidung trifft jeder Wähler aber letztlich selbst bei der Briefwahl oder beim Urnengang am 12. Januar. Wichtig ist es allen Mitgliedern der SPD in Schönebeck aber zu betonen, dass das Wahlrecht ein hohes Gut ist, und auf jeden Fall wahrgenommen werden muss."

Ein Bürgermeister mit Visionen, Bürgernähe, Schaffenskraft

Der Vorstand des Verbandes der Bürgerinitiativen in Schönebeck (VBS) ist ebenfalls der Ansicht, dass ein neuer Bürgermeister von Anfang an durch eine gute Wahlbeteiligung unterstützt werden muss. Vorstandsmitglied Karsten Doll schreibt. "Mit der Aktion ¿9000 mal JA - wir sind dabei!\' haben wir, der Verbund der Bürgerinitiativen (Grundwasser) Schönebeck, das durch den Stadtrat eingeleitete Abwahlverfahren des Oberbürgermeisters unterstützt. Durch die enorme Wahlbeteiligung am 22. September 2013 wurden die Weichen für einen Neuanfang in unserer Stadt gestellt. Mit Erschrecken haben auch wir die geringe Beteiligung am ersten Wahlgang zur Kenntnis genommen und rufen die Bürger auf, am 12. Januar von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen!"

Karsten Doll erinnert daran, dass viele Jahre lang Gebäudevernässungen und andere Probleme infolge des Grundwasseranstiegs bagatellisiert worden seien. Darüber hinaus gebe es weitere Probleme, so das VBS-Vorstandsmitglied. Er zählt auf: Überschuldung, ungenügender Ausbau der In-frastruktur, das fehlende Stadtzentrum, die oft bemängelte Sauberkeit, der defizitäre Solepark. "Wir wünschen uns einen Oberbürgermeister an der Spitze unserer Stadt, der sich gemeinsam mit den Bürgern stets uneingeschränkt für deren Belange einsetzt, der voll Elan und mit Tatkraft unser gemeinsames Hier und Heute in unserer lebenswerten Stadt mitgestaltet, der die zukünftigen Erfordernisse bei der Stadtentwicklung im Blick hat, der über Visionen verfügt, der sich nicht scheut - an der Spitze stehend - mit seinen Bürgern selbst schwierige Dinge trotz knapper Kassen und bürokratischer Hu¨rden anzugehen und der auch offen eingesteht, dass bei der Fülle aller zu lösenden Aufgaben durchaus auch mal etwas schief gehen kann."