Schönebeck (dw/eh). Oberbürgermeister Hans-Jürgen Haase hat zu einer sachlichen Debatte rund um die Grundwasserproblematik in der Elbestadt aufgerufen. "Es geht bei allen Problemen um die Bevölkerung, um uns alle", sagt der Schönebecker Stadtchef. Haase reagiert damit auf Lesermeinungen, die die Volksstimme in der Rubrik "Leute, Leute" veröffentlichte, und auf Kritik aus der Bevölkerung, weil er die Arbeitsgruppe Grundwassermanagement sowie die Untergruppe "Felgeleben/Sachsenland" leitet (Volksstimme berichtete). "Die Angriffe auf meine Person finde ich grenzwertig. Wir müssen in der Sache diskutieren und nachhaltige Lösungen finden. Es muss jetzt darum gehen, alle Kräfte zu bündeln. Haase wünscht sich ein "Wir-Gefühl" wie nach dem Hochwasser 2002.

Aktuell beschwert sich Werner Pälmer aus Sachsenland am Redaktionstelefon, dass der Stadtchef die Gruppe "Felgeleben/Sachsenland" leitet, obwohl in den vergangenen 16 Jahren in Sachen Grundwasser nichts im Rathaus unternommen wurde. Haase sieht es als gerechtfertigt an, dass er eine Führungsrolle in den Gesprächen übernimmt.

Stadt muss für Maßnahmen zahlen

"Das ist die Aufgabe des Oberbürgermeisters, alle an einen Tisch zu holen und die Meinungen zusammenzufassen, um einen Weg zu finden, mit der Grundwasserproblematik sachgerecht umgehen zu können." Seine administrative Tätigkeit sei nicht zuletzt wichtig, weil die Stadt alle zukünftigen Maßnahmen finanzieren und auch mit den entsprechenden Fördermittel- gebern verhandeln müsse.

Undurchsichtig bleibt dagegen weiterhin, inwieweit die Stadt Anwohner in Felgeleben im Vorfeld über drohendes Schmelzwasser informiert hat. Haase hatte in einem Interview des Elbekanals und einem Beitrag der Volksstimme gesagt, dass die Feuerwehr in Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt Warnungen ausgesprochen hatte. Anwohner aus Felgeleben beschuldigten den OB daraufhin in einem gestern gedrehten Beitrag, die Unwahrheit zu sagen. Haase verwahrt sich dagegen. Auch Schönebecks Stadtwehrleiter Roland Mühlsiegel hatte in einem Pressegespräch am 9. Januar erklärt, dass es Informationen seitens der Wehr in Absprache mit der Stadt gegeben habe.

Informierte die Stadt Felgeleber Bürger?

Der Volksstimme liegt eine Protokollnotiz vom 24. November 2010 vor. Die Feuerwehr war an diesem Tag in der Illhardt-Straße unterwegs, heißt es dort. Der betroffenen Familie Broßat, die am 8. Januar 2011 wegen des vom Acker her drängenden Wassers die Feuerwehr gerufen hatte, sei bereits im November 2010 geraten worden, den Hauseingang durch Wall und Folie zu schützen, heißt es in der Notiz.

Alexander Broßat sagt gestern auf Volksstimme-Nachfrage, dass es konkrete Empfehlungen und Hilfestellungen nie seitens der Stadt gegeben habe. Mühlsiegel sei zwar da gewesen, habe aber lediglich den Hauptsicherungskasten beanstandet, der zu tief im Keller hängt. Alexander Broßat: "Für den sind die Stadtwerke zuständig. Meine eigene E-Anlage hängt viel höher und ist vor dem Wasser sicher." Broßat wie seine Nachbarn hätten von der Stadt keine Hinweise bekommen. Auch dass die Feuerwehr das Wasser am 8. Januar nicht hätte abpumpen können, sei falsch, denn nicht der Schmutz-, sondern der Regenwasserkanal hätte genutzt werden können.