Trotz der Ortsumfahrung und der neuen Elbbrücke rollt der Verkehr nach wie vor durch die Altstadt. Warum? Die Volksstimme ging dieser Frage nach.

Schönebeck l Es wäre eigentlich eine überzeugende Idee gewesen. Und die Situation musste am Ende gar nicht gestellt werden, sondern war die blanke Realität: Als an einem Freitagnachmittag vor fast zwei Jahren auf dem Schönebecker Marktplatz der erste Neubau der Städtischen Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB) eingeweiht wurde und Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel seine nette Festrede halten wollte, wurde er laufend unterbrochen: Nicht von protestierenden Altstadtschützern, sondern von donnernden Lastern. Am eigenen Leib - genauer gesagt an eigener Stimme - spürte Webel die hohe Frequenz des Durchgangs- und Fernverkehrs. Wenn es bis dahin noch Argumente benötigt hätte, die Politik für eine Ortsumgehung zu überzeugen, dann wäre das der beste Moment gewesen.

Heute ist die komplette Ortsumfahrung um Schönebeck mit den drei Bauabschnitten fertig. Die Elbe überspannt eine neue imposante Brücke. Jetzt kann der Verkehr dort rollen. Eigentlich.

Doch die Brücke und die Ortsumfahrung nutzen nur Autofahrer, die entweder von der Umgehungsstraße wissen oder zufällig auf ihr gelandet sind. Der Grund: Hinweisschilder für Autofahrer und Verbotsschilder für Laster stehen noch immer nicht. Die Folge ist deutlich zu spüren. Anwohner in der Altstadt und in Grünewalde fragen in aller Regelmäßigkeit bei der Volksstimme nach, warum nicht eine spürbare Entlastung vernommen werden kann.

Warum also nicht? "Dieser Prozess ist im Laufen", klärt Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt die Volksstimme auf Nachfrage auf. Es handelt sich dabei um einen Verwaltungsakt, der nicht innerhalb von Wochen abzuhandeln sei, sagt er. Hinzu kommen Verzögerung bei der Ausschreibung der neuen Verkehrsschilder, die in großer Anzahl neu angefertig werden müssen.

Stadt gibt Entwarnung

Ganz unwichtig ist dabei auch nicht die Tatsache, dass die Stadt sich eine finanzielle Beteiligung an den Schildern (gemeinsam mit dem Land) nicht aus dem Stand heraus leisten kann. Es gibt nach wie vor seit über einem Jahr keinen bestätigten Haushalt.

Trotzdem kann das Rathaus nun Entwarnung geben: Voraussichtlich im April sollen die entsprechenden neuen Schilder aufgestellt werden. "Das setzt voraus, dass auch die innerörtliche Wegweisung dem neuen Verlauf angepasst werden muss", macht Guido Schmidt aufmerksam. Ziel ist es, den Lkw- und Fernverkehr aus der Innenstadt herauszunehmen.

Am Beispiel des Schönebecker Marktplatzes wird deutlich, wie komplex diese Aufgabe ist. Um den Markt vom Durchgangsverkehr zu befreien, muss der Strom der Fahrzeuge umgeleitet werden. Wer aus Richtung Magdeburg kommt, soll die Landesstraße und anschließend die neue Ortsumfahrung nutzen. Innerorts stellt sich der konkrete Fall anders dar. Autofahrer fahren von der Schollstraße über die Tischlerstraße, Söker Straße bis zur Barbyer Straße. Dafür, so Baudezernent Guido Schmidt, bilden sich neue Verkehrsknoten. "An mehreren Stellen müssen wir beispielsweise die Hauptstraßenführung ändern", kündigt er an: so unter anderem an der Scholl- und Tischlerstraße und an der Kreuzung Söker Straße und Hoher Weg.

Das sind alles Dinge, die der Autofahrer und die Bürger der Stadt optisch wahrnehmen werden. Parallel dazu laufen im Hintergrund Gespräche zwischen Stadt und Land zur so genannten Umwidmung. Das bedeutet, dass Straßen und Brücken aus dem Besitz eines Trägers in den Besitz eines anderen Trägers übergehen. Das betrifft in Schönebeck im Zusammenhang mit der neuen Ortsumfahrung unter anderem die Übergabe der Geschwister-Scholl-Straße und Brücken vom Land an die Stadt. "Ich denke, dass wir die Vereinbarung dafür im Verlauf dieses Jahres abschließen können", so Dezernent Guido Schmidt.

Wenn Sachsen-Anhalts Verkehrsminister im Mai 2015 erneut nach Schönebeck zur feierlichen Einweihung des SWB-Neubaus auf den Mark kommen wird, kann er eine spürbare Verbesserung feststellen und muss nicht wieder mit heiserer Stimme aus der Elbestadt abreisen. Bis dahin nämlich soll der Markt saniert und der Lasterverkehr aus der Altstadt endgültig verbannt sein.