Schönebeck l Lange, schon sehr lange ist sie im Gespräch, die Geschwister-Scholl-Straße. Die lange Gerade zwischen Alt Frohse und Friedensplatz ist gewissermaßen die Einflugschneise für Kraftfahrer, die aus Richtung Magdeburg kommen. Aufgrund von Leerstand und Verfall und aufgrund diverser Baulücken vermittelt dieses "Tor zur Stadt" keinen einladenden Eindruck. Diese Missstände kann auch die Stadt Schönebeck nicht abwenden, handelt es sich doch um Privateigentum. Die Fahrbahn gehört (noch) dem Land, Aktien hat die hiesige Verwaltung lediglich an den Gehwegbereichen. Und die sollen nun auf Vordermann gebracht werden. Günstiger Weise übernimmt das Land Sachsen-Anhalt die grundhafte Sanierung der Fahrbahn, weil die Straße demnächst umgewidmet wird (Volksstimme berichtete mehrfach). Die Straße kommt in die Hoheit der Stadt. Sie soll in gutem Zustand den sogenannten Baulastträger wechseln, so das erklärte Anliegen der Landesstraßenbaubehörde (früher Landesbetrieb Bau).

Und demnächst soll es losgehen, auf jeden Fall noch in diesem Jahr, voraussichtlich im Sommer. Die 1600 Meter lange Strecke ist in sieben Bauabschnitte eingeteilt worden. Darüber informierte Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt während der Sitzung des Bauausschusses am Montagabend im Rathaus. Der erste Bauabschnitt umfasst den Bereich vom Streckenweg bis zum chemischen Betrieb Hermania (jetzt Schirm). Der zweite Bauabschnitt geht dann von der Hermania bis Frohse. Als dritter Bauabschnitt ist die Strecke vom Friedensplatz bis zum Streckenweg vorgesehen. Und nach und nach und Bauabschnitt für Bauabschnitte soll es dann mit den Seitenanlagen weitergehen. Viel Holz. Fast fünf Millionen Euro wird die Straßenbaumaßnahme kosten, der Eigenanteil der Stadt liegt bei rund 1,4 Millionen Euro. Dieser Eigenanteil wird für die Seitenbereiche verwendet. Hier sollen zum Beispiel Parkflächen geschaffen werden und zwar in Höhe "Stadtpfeifer" und in Höhe Hermania; Parkflächen sowohl für Pkw als auch für Lkw. Zugunsten der Seitenanlagen wird die Fahrbahn 50 Zentimeter schmaler.

"Hochgerechnet an der Bahnhofstraße gehe ich von einer Bauzeit von zehn Jahren aus."

Stadtrat Christian Jung

Und es muss jetzt schnell gehen, denn die Bezuschussung durch das Land ist auf drei Jahre limitiert, danach müsste die Stadt alles allein stemmen.

Das sind die theoretischen und fraglos guten Nachrichten. Mit der Praxis kommen die realen Probleme. "Wenn ich es an der Bahnhofstraße hochrechne, müssen wir hier von einer Bauzeit von zehn Jahren ausgehen", verglich Stadtrat Christian Jung (Fraktion Rettet dien Altstadt) die abgeschlossenen langwierigen Bauarbeiten an der wesentlich kürzeren Bahnhofstraße mit den nun bevorstehenden Arbeiten in der Schollstraße. Jung meinte zudem, dass weniger mehr sein könnte. Die Fahrbahn sei ja eigentlich akzeptabel und müsse gar nicht grundhaft saniert werden. Wenn nun endlos an dieser Straße gebaut werde, würde sich in dieser Zeit auch kein neuer Investor niederlassen, gab er zu bedenken.

Eine Argumentation, auf die sich Baudezernent Schmidt ungern einlassen wollte. Er hielt dagegen: "Nichts zu machen wäre das Falscheste."

Und zehn Jahre werde die Bauzeit auch nicht betragen, Schmidt geht von sechs Jahren aus. Im Jahr 2019 ist die Schollstraße also tipptopp hergerichtet. Während der Baumaßnahmen soll der Anliegerverkehr gewährleistet sein, hieß es im Ausschuss. Mit im Boot sind die Abwasserentsorgung Schönebeck GmbH sowie die Stadtwerke. Beide Dienstleister wollen die Chance nutzen, um Versorgungs-, beziehungsweise Entsorgungsleitungen neu zu verlegen.

Baudezernent Guido Schmidt sowie Michael Gremmes vom Stadtplanungsamt (er verbrachte seinen Geburtstag in der fast vier Stunden dauernden Zusammenkunft) nutzten die erste Sitzung des Bauausschusses im neuen Jahr auch, um über weitere investive Maßnahmen zu unterrichten. Dazu gehört ein sogenanntes Schnittstellen-Programm Schönebeck Süd mit der Bahn, beziehungsweise der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa). Entlang der Moskauer Straße sollen 2015/2016 von Seiten der Stadt Umgestaltungen vorgenommen werden, etwa, um den Schüler-Busverkehr auf den hier recht schmalen Straßen optimaler realisieren zu können. Schmidt berichtete von Anwohner-Beschwerden. "Das Projekt muss haushaltstechnisch noch diskutiert werden", sagte der Dezernent. Das Investvolumen ist mit insgesamt 1 Million Euro veranschlagt, der Eigenanteil der Stadt liegt bei 100000 Euro.

Die Berichterstattung aus der Bauausschuss-Sitzung wird fortgesetzt (siehe auch den unten stehenden Beitrag).