Die Einwohnerzahl von Calbe geht weiter rapide zurück. Besorgniserregend sind wenige Geburten im Vergleich zu vielen Sterbefällen. Zudem haben 2013 mehr Menschen ihren Wohnsitz in der Saalestadt ab- als angemeldet. Die Wohnungswirtschaft reagiert.

Calbe/Schwarz/Trabitz l Das Tempo, mit dem Calbe schrumpft, wird schneller. Während die Ortsteile relativ stabil bleiben, ist es vor allem das Stadtgebiet, das für den Einwohnerschwund verantwortlich ist.

Calbe bleibt weiter fünftgrößte Stadt im Salzlandkreis

Während 2011 die Einwohnerzahl im Vergleich zum Vorjahr noch um 170 Menschen sank, waren es 2012 gerade einmal 126 Menschen weniger. Im Jahr 2013 verdoppelte sich nahezu diese Zahl auf 224 Einwohner. Somit haben zum Stichtag des 31. Dezember 2013 insgesamt 9355 Männer und Frauen ihren Hauptwohnsitz in Calbe und den beiden zugehörigen Dörfern. Zählt man die Nebenwohnsitze mit, hat Calbe 9501 Einwohner.

Im vom Abwanderung gebeutelten Salzlandkreis bleibt die einstige Kreisstadt Calbe hinter Bernburg, Schönebeck, Aschersleben und Staßfurt die fünftgrößte Kommune.

Alle zwei Tage geht einer, alle neun Tage kommt einer dazu

Ein Problemfaktor ist das Geburtendefizit. Im vergangenen Jahr erblickten nach Auskunft des Einwohnermeldeamtes lediglich 40 Erdenbürger das Licht der Welt.

Im Gegensatz dazu starben 180 Einwohner. Anders ausgedrückt: Während rein rechnerisch alle neun Tage ein Calbenser geboren wird, geht alle zwei Tage einer aus dem Leben.

Ein weiterer Fakt ist der weiterhin negative Wanderungssaldo. Während innerhalb des vergangenen Jahres 291 Menschen ihren Hauptwohnsitz anmeldeten, kehrten gleichzeitig 382 Männer und Frauen der Saalestadt ihren Rücken. 13 Anmeldungen gab es bei den Nebenwohnsitzen bei gleichzeitig 21 Abmeldungen.

Es sind Zahlen, die weit von den einstigen Einwohnerzahlen liegen, als das Eisenwerk in Calbe in den 1950er und 1960er Jahren Menschen scharenweise anzog. Es sind aber auch Zahlen, die in den gegenwärtigen Trend der Region passen. Mit Blick auf die Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes wird die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2025 bis auf rund 7500 Einwohner sinken. Gegenüber dem Jahr 2008 ist das ein Schrumpfen von 27 Prozent. Zumal gilt Calbe mit Blick auf die Altersstruktur der Bevölkerung als eine der ältesten Städte im Salzlandkreis.

Seit Jahren bereitet Calbes Stadtoberen diese Entwicklung Kopfzerbrechen. "Calbe ist auf dem Weg zum Dorf", drückte es beispielsweise SPD-Fraktionschef Mario Kannegießer im Stadtrat bei der Diskussion um das Vorhalten freiwilliger Aufgaben drastisch aus. Die Lokalpolitik wird dieser Fakt in vielen Bereichen noch lange beschäftigen.

Die Wohnungswirtschaft reagiert seit längerem darauf. "2014 folgt der Abriss des Wohnblocks im Gribehner Weg 2 bis 4", kündigte Kornelia Eichel, Geschäftsführerin der Calbenser Wohnungsbaugesellschaft (CWG), im vergangenen Jahr gegenüber der Volksstimme an. Und das, nachdem unter anderem leer stehende Wohnblöcke in der Karl-Marx-Straße abgerissen und damit mehr als 55 Wohneinheiten vom Markt genommen wurden. Die Freifläche neben dem Unternehmenssitz wird mittlerweile als Bauland für "Häuslebauer" ausgewiesen.