Schönebeck l Mitten in Schönebeck liegt eine Brachfläche. Gemeint ist der Bereich zwischen Johannes-R.-Becher-Straße und Friedrichstraße, gesäumt vom Dreieck Volksschwimmhalle, CJD und ehemaligem Telekom-Haus. Hier stand bis Anfang der 1990er Jahre das alte Traktorenwerk, noch früher gehörten die Gebäude der Firma Weltrad (Fabrik von Hoyer und Glahn). Nach dem Abtragen der leerstehenden Gebäude tat sich nichts. Zumindest nicht viel. Die Fläche gehört mehreren privaten Personen beziehungsweise Unternehmen. Nach einer nun auslaufenden Veränderungssperre (bedeutet, dass auf dem Gelände nicht gebaut werden darf), kommt nun Bewegung in den Bereich. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stellte Boris Krmela eine Projektierung vor. Dabei handelt es sich aber wohlgemerkt um eine Möglichkeit der Bebauung, entschieden ist noch gar nichts.

Zur Erläuterung: Boris Krmela ist Leiter des Dessauer Büros für Stadtplanung Dr.-Ing. W. Schwerdt. Das Büro hat im Auftrag der Stadt Schönebeck eine Planung erarbeitet, Arbeitstitel "Am Stadtfeld". Sie sieht die Realisierung mehrerer Stadthäuser vor, eingerahmt von Grünanlagen.

"Ein gigantischer Standort", umschrieb Stadtrat Christian Jung (Rettet die Altstadt) das Gelände während der Sitzung des Bauausschusses. Er führte weiter aus: "Wir planen hier ein Baugebiet und erwarten Zuzug. Dabei haben wir so viele kleine Freiflächen." Damit sprach der Stadtrat die nach Abriss vorhandener Häuser unbebauten Grundstücke in der Altstadt an. Seine Befürchtung ist, das mit dem Baugebiet "Am Stadtfeld" Bürger aus der Altstadt ermuntert werden, sich dort neu niederzulassen. Damit würde aber die Altstadt noch mehr ausbluten. Jung: "Städteplanerisch halte ich das für völlig daneben." Solange die Altstadt als Zentrum Schönebecks nicht vital sei, würde es mit der Stadtentwicklung insgesamt nicht nach vorne gehen können, lautete sein Argument. Erst müsse die Innenstadt entwickelt werden, dann erst könne man schauen, was sich an anderen Stellen machen lässt.

Mit dieser Einschätzung war Jung im Kreis der anwesenden Stadträte allerdings alleine. "Eine Perspektive. Ich habe hier ein gutes Gefühl", sagte Reiner Hornich (UWG/Grüne). Eine Wohnbebauung an diesem Ort könnte eine urbane Verbindung schaffen zwischen Salzelmen und der Altstadt. Vor dem geistigen Auge hat Hornich bereits ein Bild: Würde Schönebeck attraktives Wohnen anbieten können, würden sich potenzielle Arbeitgeber eher für den Standort entscheiden.

Auch Stadtrat Gerhard Hildebrand (Die Linke) sieht das Projekt positiv. "Eine attraktive Innenstadtbebauung ist ebenso wichtig wie ein solches Baugebiet", wog er ab.

"Auch wir begleiten dieses Vorhaben zustimmend", sagte der Vorsitzende des Bauausschusses, Michael Schulz (CDU). Er meinte zur Begründung: "Wir müssen uns breit aufstellen. Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Städten. Wir können es uns nicht leisten, ein solches mögliches Angebot nicht zu machen." Schulz fügte hinzu, dass schließlich niemand gezwungen werden könne, in der Altstadt zu wohnen oder zu bauen.

Eine abweichende Vorstellung äußerte Stadtrat Udo Simon (Die Linke). Eine Art Stadtpark würde sicherlich auch wie ein Magnet wirken. "Hier hätte man die Möglichkeit dazu", sagte er. Auch Architektur-Studenten hatten bereits im Rahmen der IBA-Sommerschule vor vier Jahren einen solchen Vorschlag unterbreitet.

Eine Idee, der Schönebecks Baudezernent Guido Schmidt zwar durchaus Charme abgewinnen kann, allein, es geht um die Finanzierbarkeit. Die Anlage eines Stadtparkes könne sich die Stadt nicht leisten, da ein Großteil der Grundstücke zuerst einmal von den Eigentümern erworben werden müsste. Hinzu komme die Pflege einer Grünanlage, die ebenfalls Geld kostet - aber keines einbringt. Freilich müsse die Wohnbebauung vermietbar sein, betonte Schmidt.

Daran zweifelt Reiner Hornich nicht. Schönebecker Wohnungsunternehmen hätten schon vor Jahren mit dem Plan geworben, auf diesem Areal Stadtvillen zu errichten, wies er hin.

Schönebecks Stadtplaner Michael Gremmes hob nach der Sitzung gegenüber der Volksstimme noch einmal hervor, dass es sich bei der Projektierung um eine Möglichkeit handelt. "Es ist noch alles in der Schwebe", erklärte er.

Ebenso auf Nachfrage der Volksstimme versicherte gestern die Chefin der Städtischen Wohnungsbau GmbH, Sigrid Meyer, die Projektierung mit Interesse zu verfolgen. Sollte ein entsprechender Bauplan vom Stadtrat beschlossen werden, will die SWB auf ihrem Grundstück (hier stand einst die SWB-Verwaltung, später wurde daraus das jetzt abgerissene Familienzentrum Malzmühle) Stadthäuser bauen.

Die stimmberechtigten Räte im Bauausschuss votierten angesichts der Planung positiv.