Gegenwärtig sorgt ein Offener Brief für Wirbel, in dem die Stadt Barby aufgefordert wird, die Kündigung des Pachtvertrages für die Fähre Breitenhagen zurückzunehmen. Unterzeichnet ist das Papier von den Bürgern Hans-Georg Buszkowiak und Eckard Stolpe, die sich während der Flut hervortaten.

Breitenhagen l "Sehr geehrter Bürgermeister, sehr geehrte Stadträte, hiermit fordern wir ... die Kündigung des Pachtvertrages zwischen der Stadt Barby und dem Pächter Herrn Karl-Heinz Orlowski zurückzunehmen", beginnt das Schreiben. Weiterhin wird die Stadt gebeten, auf die finanzielle Forderung von 1700 Euro zu verzichten, die der Fährmann nachzahlen soll. "Die Forderung ist vertraglich zwar rechtens (Rücklage für die Monate Februar, Mai, Juni und für 2 Monate, als die Fähre zur Landrevision war), doch wir meinen, dass im Zuge der Fluthilfe unserem Fährmann geholfen werden muss. Er konnte während dieser Zeiträume keine Einnahmen erwirtschaften, weil ein Fährbetrieb unmöglich war", heißt es weiter. Die Unterzeichner argumentieren zudem mit Orlowskis "freundlicher Art, die dazu beitrug, Breitenhagen positiv über die Stadtgrenzen von Barby bekannt zumachen".

Auch seine kundenfreundlichen Fährzeiten seien so gewählt, dass viele auswärtige Berufstätige der Breitenhagener Fähre den Vorzug geben. "Anders ist es bei der kommunalen Fähre Groß Rosenburg. Diese verkehrt an vielen Tagen gar nicht... oder die Zeiten sind so eingeschränkt, dass Bürgern südlich der Saale ein Besuch der Verwaltung in Barby nur mit einem Umweg über Calbe möglich ist", schreiben Buszkowiak und Stolpe.

Auch Karl-Heinz Orlowskis Einsatz während des Hochwassers in Zuchau wird erwähnt, wo er die Evakuierten mit der Feldküche mit Essen versorgte.

Der Hauptausschuss hatte Ende vergangenen Jahres über das Thema abgestimmt: Vier Abgeordnete seien für die Kündigung des Pachtvertrages gewesen, vier enthielten sich der Stimme.

Reparaturkosten mehr als verzehnfacht

Bürgermeister Jens Strube möchte nicht "allzusehr ins Detail gehen, um nicht schmutzige Wäsche zu waschen." "Fakt ist aber, dass sich im Vergleich zu den anderen Pächtern unsere jährlichen Werterhaltungsbeiträge mehr als verzehnfacht haben", versichert er. Gemeint sind die Reparaturkosten für Winde und Seilanlage, die dem Verpächter obliegen. Alle Naselang sei etwas kaputt gewesen. Auch der städtische Fähren-Verantwortliche Frank-Holger Heinrich unterstützt diese Sicht mit Hinweis auf die Konsolidierung des Haushaltens: "Wir können und dürfen nicht auf die ausstehenden Pachteinnahmen verzichten. Es waren viele Argumente, die unseren Geduldsfaden reißen ließen."

Wegen früherer Pachtrückstände hatte die Stadt den Vertrag mit Orlowski im Sommer 2012 schon mal gekündigt, einigte sich dann aber außergerichtlich mit ihm auf einen Vergleich. "Wir haben uns davon leiten lassen, dass die ersten Monate nach Pachtbeginn für Herrn Orlowski schwer waren", begründet Jens Strube. Damals legten Hochwasser und Eisgang die Fähre lange Zeit lahm.

Breitenhagens Ortsbürgermeister Kurt Kotzur begrüßt den Offenen Brief von Buszkowiak/Stolpe, dessen Unterschriftenlisten in Breitenhagen und Groß Rosenburg ausliegen. Es hätten bereits mehr als 250 Leute unterschrieben. "Weder unser Ortschaftsrat noch ich wurden darüber informiert, dass der Hauptausschuss über den Pachtvertrag abstimmt", schimpft Kotzur. Er fühle sich im Gebilde Einheitsgemeinde mal wieder wie ein Statist, der nur in der Ecke steht und nichts zu sagen hat. Der Ortsbürgermeister räumt zwar ein, dass sich Karl-Heinz Orlowski "schwer was sagen lässt", lobt aber dessen Engagement.

Den Pachtvertrag kündigte die Stadt zum 30. Juni 2014. Die Fähre Breitenhagen soll dann wieder in den Schoß der Kommune zurückfallen, das Pachtverhältnis neu ausgeschrieben werden.

Und wenn sich kein Pächter bewirbt?

"Dann gründen wir mit Barby und Rosenburg einen Fährverbund, müssen dann aber einen Fährmann zusätzlich einstellen", sagt Jens Strube.

Demnächst soll aber erstmal eine Einwohnerversammlung in Breitenhagen stattfinden, wo die Stadt das Thema erörtern möchte. Man darf davon ausgehen, dass dort kein laues Lüftchen wehen wird, wie an schönen Frühlingstagen über der Fähre.