Um langfristig interessant für Gewerbetreibende und die Bevölkerung zu bleiben, soll der Breitbandausbau in Schönebeck vorangetrieben werden. Damit wagt die Stadt einen großen Schritt in Richtung Zukunft.

Schönebeck l Um Schönebeck fit für die Internet-Zukunft zu machen, erstellt das Institut I2KT in den kommenden Monaten eine Machbarkeitsstudie zum Breitbandausbau in der Stadt. Dirk Bartens und sein Team wollen dabei herausfinden, wo bereits geeignete Kanäle für Glasfaserkabel liegen und wo noch nachgebessert werden muss. Die Studie kostet 57000 Euro, zu 40 Prozent von den Stadtwerken und zu 60 Prozent durch eine Landesförderung getragen. Ziel ist es, das Netz zukunftsfähig auszubauen.

Breitbandausbau für Wirtschaft und junge Menschen

"Bislang sind in manchen Stadtgebieten nur die Mindestanforderungen erfüllt", sagt Dirk Bartens. Diese liegen derzeit bei 2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Das ist vor allem für viele Gewerbetreibende ärgerlich. "Wenn das Übertragen von Konstruktionszeichnungen von hier aus bis zu vier Stunden dauert, können Entwicklungen hier noch nicht stattfinden", sagt Dirk Bartens. Detlev Lorbeer von der Wirtschaftsförderung berichtet: "Uns wurde auch schon von Unternehmen mitgeteilt, wenn ihr da nichts macht, dann gehen wir."

Aber auch junge Menschen seien auf das Internet angewiesen. "Um sich um ihre Familien zu kümmern, könnten sie mit schnellem Internet auch von zuhause aus arbeiten", sagt Dirk Bartens. Und dafür sei das schnelle Mobilfunknetz, das mit LTE (Long Term Evolution) bereits 300 Mbit/s erreichen kann, nicht ausreichend. NGA-Netze (Next Generation Access) müssen also her.

"Eigentlich ist das die Aufgabe der Anbieter, aber das kostet viel Geld und das wollen die Unternehmen nicht in die Hand nehmen", sagt Dirk Bartens. Die Kosten entstehen dabei weniger durch das Verlegen von Kabeln sondern vielmehr durch die nötigen Tiefbauarbeiten. Das Land Sachsen-Anhalt stellt dafür 100 Millionen Euro Fördersumme in Aussicht.

Also erschließt die Stadt Schönebeck die fehlende Infrastruktur selbst und vermietet sie anschließend an die Anbieter. "Im Stadthaushalt ist aber kein Geld dafür vorgesehen", sagt Egbert Tramp über das Problem bei der Planung.

Also erklärten sich die Stadtwerke Schönebeck einverstanden, in Vorleistung zu treten. Tramp erklärt den Grund zur Eile: "Die Fördermittel gibt es nicht lang, da muss man handeln."

Die anfallenden Kosten werden zu 75 Prozent übernommen und zu 25 Prozent müssen sie dann von den Stadtwerken getragen werden.

Schönebeck ist Vorreiter in Sachsen-Anhalt

Mit der Machbarkeitsstudie liegt Schönebeck übrigens ganz weit vorne. In Sachsen-Anhalt seien nach Aussage von Dirk Bartens nur wenige Kommunen schon so weit. "Wir mussten im Stadtrat viel Überzeugungsarbeit leisten", sagt Egbert Tramp. Das Erstellen der Studie wird jetzt zwei bis drei Monate dauern. Bis es dann zu den Schachtarbeiten kommt, wird aber wohl noch mehr als ein Jahr vergehen. Bei Neubaugebieten werden bereits jetzt leere Schächte für die Glasfaserkabel eingezogen.

Detlev Lorbeer sieht die Sache ganz pragmatisch: "Vor 100 Jahren gab es Bürgermeister, die einfach entschieden haben, dass in den Orten Schienen verlegt werden und diese Städte gibt es heute auch noch." Er hofft, dass es sich beim Ausbau des Datennetzes ähnlich verhält.