Eine gute Feuerwehr muss gut ausgerüstet sein. Die Kameraden in Pretzien sehen für sich Nachholebedarf und üben offene Kritik an der Schönebecker Verwaltung.

Pretzien l Ein Greifzug, ein Mannschaftstransport-/Kommandowagen, ein Allradlöschfahrzeug mit einem großen Tank, Ersatz für verschlissene Einsatzkleidung, Dienstuniformen, der reparierte Motor für das Schlauchboot - die Wunschliste, die Michael Vorwerk in Richtung Schönebecker Stadtverwaltung als Dienstherren vorträgt, ist lang. Fast möchte man meinen, dem Leiter der Pretziener Feuerwehr sind die Pferde durchgegangen. Weiß er nicht um die klammen Kassen?

"Das werden Minuten zu Stunden für die Verunfallten."

Michael Vorwerk kennt sie zu genau. Trotzdem setzt er auf das Gespräch und auf die ernsthafte Suche nach Kompromissen zwischen Feuerwehr- und Verwaltungsleuten. "Ein Argument will ich hoffentlich nie wieder hören müssen: Geht nicht!", sagt Michael Vorwerk. Denn: "Geht nicht - gibt\'s nicht!" Der Feuerwehrchef macht bei der Jahreshauptversammlung seiner Wehr am Freitagabend deutlich, dass die richtige Kleidung und Ausrüstung nicht dem Prestige der Pretziener diene, sondern dass sie essentiell seien. "Hier absolvieren Menschen einen freiwilligen Dienst im Sinn des Allgemeinwohls. Sie müssen bestmöglich geschützt werden und ausgerüstet sein."

Dass die Ostelbier da zwar viel erreicht haben, aber berechtigt auch noch pochen, zeigt ein Blick hinter die Forderungen. Die Überzahl der Einsätze 2013 waren technische Hilfeleistungen. Die Kameraden bauen sich gerade selbst einen Anhänger in Eigenleistung auf, der wichtige Geräte dafür und die Stromversorgung vereint. Das was dringend fehlt, sei ein Greifzug, so Michael Vorwerk. Die Stadt habe vor einigen Jahren das erste Modul geliefert. Dabei ist es geblieben. Ähnlich sieht es in Ranies aus. Ein Austausch zwischen den sonst gut zusammenwirkenden Wehren ist somit nicht möglich. "Wir brauchen das Ding", sagt der Wehrleiter und erinnert an einen Einsatz, als ein eingeklemmter Radladerfahrer nach einem Unfall lange in seiner misslichen Lage verharren musste. "Da werden Minuten zu Stunden", so Michael Vorwerk. Und man könne niemandem erklären, weshalb zwei Wehren mit drei Fahrzeugen im Einsatz seien, aber keine wirklich helfen könne. Schönebecks stellvertretende Oberbürgermeisterin Gisela Schröder sagte als Gast zu, hier sofort im Fachbereich Erkundungen einholen zu wollen, um den Greifzug schnellstmöglich zu beschaffen. "Denn: Geht nicht - gibt\'s wirklich nicht mit mir", sagte die Vizestadtchefin.

Abhilfe ist auch beim Bestand der Löschfahrzeuge in Sicht. Ein DDR-W 50 tut noch seinen Dienst in Pretzien. Ersatz ist für 2016 geplant. Die Feuerwehrleute wollen ein Allradfahrzeug wegen der Zufahrten in der Naherholung. Und sie wollen einen großen Tank und entsprechende Pumpentechnik, um im Bedarfsfall Löschwasser aus den Seen ziehen zu können. Gisela Schröder sagte, dass die Stadt über die Brandschutzbedarfsplanung und Risikoanalyse diesen Bedarf erkannt habe. Die Mittel seien dann auch im Haushalt eingestellt. Keine Garantie konnte Gisela Schröder aber geben, dass man für Pretzien einen Mannschaftstransport-/Kommandowagen anschaffen könne. Für die Wehr Ranies mit ihrem Schwerpunkt als Verpflegungswehr sei das vorgesehen. Michael Vorwerk forderte das Fahrzeug mit Nachdruck ein. Es könne auch gebraucht sein. Im Hochwasserfall stehe das Ranieser Auto auf der anderen Seite des Umflutkanals - für Pretzien nutzlos, wie alle Technik auf westelbischer Seite. "Wir brauchen das Fahrzeug hier, um in Schadenslagen in der Leitung beweglich zu sein, aber auch, um die Mädchen und Jungen unserer starken Jugendwehr sicher zu Wettkämpfen und Ausbildungsstunden fahren zu können. Ich kann da kein Einsatzfahrzeug binden", nannte der Wehrleiter sein Dilemma.

"Ich gebe keine Zusage, aber ich verspreche zu tun, was machbar ist."

Hier, so Gisela Schröder, müsse man die aktuelle Finanzlage der Stadt betrachten und Finanzierungspositionen im Etat finden. "Ich gebe keine Zusage, aber ich verspreche zu tun, was machbar ist", sagte Gisela Schröder.

Machbar ist auch das Stichwort in punkto Bekleidung. Vorrang hatte bisher, dass die Einsatzkleidung da ist. Nun, so Michael Vorwerk, müsste man die Dienstuniformen nachschieben. Denn das garantiere das vernünftige Auftreten der Feuerwehrleute bei Diensttreffen, Schulungen und in der Öffentlichkeit.

Abschnittsleiter Uwe Tandler unterstrich, dass die Dienstuniform entsprechend geltender Verordnungen keine Option, sondern ein Muss sei. Für die Stadt sagte Stadtwehrleiter Ronald Mühlsiegel, dass man 2014 nach den finanziellen Möglichkeiten die Blauröcke ordern und gerecht verteilen wolle - denn in allen Wehren bestehe Bedarf. Trotz allem: Die Einsatzkleidung gehe vor.

Vieles fehlt noch in Pretzien, vieles ist aber möglich, weil es weitere Ehrenamtliche gibt. Die nämlich aus dem Förderverein. Michael Vorwerk dankte der Gruppe für die Hilfe, für angeschaffte Ausrüstung und finanzielle Unterstützung. Wenn sich bürgerschaftliches Engagement verbinde, könne man für den Ort viel erreichen, so der Wehrleiter.