Die Juni-Flut hat die Ruderer des Schönebecker Sportclubs (SSC) arg gebeutelt: Totalverlust des Inventars und erhebliche Schäden am Gebäude. Um ihre Sportart Rudern erhalten zu können, sprechen sich die Sportler für ein neues Bootshaus auf der Salineinsel aus.

Schönebeck l Die Ruderer des SSC sind Hochwasser gewöhnt, doch die Juni-Flut im vergangenen Jahr hat alles bislang Erlebte in den Schatten gestellt. Die Sanierung - Kostenpunkt rund 70 000 Euro - könnte mit Geldern passieren, die für die Beseitigung von Hochwasserschäden ausgegeben werden.

Doch die Abteilung Rudern des SSC favorisiert ein neues Bootshaus auf der Salineinsel. Im Kultur-, Schul- und Sportausschuss hat Karsten Reichelt, stellvertretender Vorsitzender der Abteilung Rudern, die Pläne vorgestellt: Das Salzmagazin sei als Bootshalle bestens geeignet. "Ziel der Stadt ist die nachhaltige Nutzung des Salzmagazins. Das kann der SSC erfüllen", versichert Karsten Reichelt. Das Gebäude sei eine Kalthalle, versehen mit 13 Querachsen (Gefachen). "Deshalb wird jede andere Nutzung schwierig, denn darin kann man sich nicht frei bewegen. Für uns hingegen ist das Salzmagazin bestens zum Lagern."

Sozialtrakt und Trainingsstätte müssten noch an- oder neu gebaut werden. Ebenso eine Bootswerkstatt aus zwei Fertigteilgaragen, um Farben und andere Materialien frostfrei unterzubringen. Diese Änderungen am Salzmagazin seien unproblematisch, da es sich dabei um kein denkmalgeschütztes Gebäude handele, sagte Dezernent Joachim Schulke, selbst Ruderer beim SSC, im Ausschuss.

Das Areal befinde sich in exponierter Lage für das Vorhaben der Ruderer, nur der Salinekanal müsste noch nutzbar gemacht werden, erklärte Karsten Reichelt weiter das Projekt. Auch an den Hochwasserschutz sei gedacht. Das Salzmagazin liege höher als das jetzige Bootshaus. "Selbst wenn wir das Hochwasser 2013 als Bemessungsgrundlage anlegen, ist noch eine Reserve da", betont Reichelt. Um die erforderliche Steganlage würde sich der Verein kümmern und das Genehmigungsverfahren einleiten. Die Stadt werde gebeten zu klären, ob der Salinekanal entsprechend nutzbar ist, eine Bauvoranfrage zu stellen, und einen Mietvertrag nach der Sportförderrichtlinie zu erarbeiten.

Von dem Projekt "Neues Bootshaus auf der Salineinsel" verspricht sich der Schönebecker Sportclub viel. "Derzeit sind wir in der Abteilung Rudern 80, 90 Mitglieder. Wird das Vorhaben umgesetzt, haben wir einen sehr attraktiven Standort. Davon erwarten wir uns auch Zuspruch und denken, dass die Zahl der Mitglieder auf 120 oder sogar 150 ansteigt", so der Vize-Vorsitzende.

Im jetzigen Zustand ein "hohler Vogel", der einfach nur dasteht

Kostenpunkt für die Realisierung des Projekts: 1,5 Millionen Euro (siehe Infokasten). Das Geld will der SSC selbst zusammentragen. "Gleich beim ersten Gespräch mit dem Verein haben wir klar gesagt, dass aus Stadtsicht keine Finanzen zu erwarten sind", machte Schulke noch einmal deutlich. Er betonte aber auch, dass die Salzhalle im jetzigen Zustand ein "hohler Vogel" sei, der einfach nur dasteht. Um das Magazin, in welcher Art auch immer, nutzen zu können, müssten 200 000 bis 300 000 Euro investiert werden. Zudem würden Pfeiler, die überall verteilt sind, um das Dach zu stützen, die Nutzungsmöglichkeit stark einschränken.

Die Mitglieder um den Ausschussvorsitzenden Frank Schiwek (SPD) hörten interessiert zu. "Wir sind ja davon ausgegangen, dass das jetzige Bootshaus durch Hilfen zur Beseitigung von Hochwasserschäden saniert wird. Kann das Geld auch für einen Neubau verwendet werden?", wollte Schiwek wissen. Schulke: "Das ist nicht ausgeschlossen." Auch Einzelprojekte werden über Aufbauhilfe gefördert. In den nächsten drei Wochen soll das konkret geklärt werden. Arnold Krüger (UWG) vermisste in der Vorstellung Zufahrtsstraße und Parkplätze. "Eine Zufahrt gibt es, Poller sind da, die gesamte Vorfläche des Salzmagazins ist befestigt. Doch eine Nutzung mit Privatautos ist nicht vorgesehen", stellte Schulke klar. Die Salineinsel soll als Bürgerpark erhalten bleiben. Das Gros der Sportler wird mit dem Rad anreisen.

Ziel sei es nun, bis zum Ende des ersten Quartals zu klären, ob das Projekt machbar oder aussichtslos ist. Sprich, es müsse eine Entscheidung fallen, ob Ersatzneubau und Wiederherstellung des bisherigen Bootshauses. Denn nur bis zum 30. Juni können Hilfen zur Beseitigung von Hochwasserschäden gestellt werden.

Das, was der SSC dort vorhabe, höre sich nach etwas "Konkretem und Dauerhaftem" an, sagte Michael Schulz (CDU) und dankte Karsten Reichelt für die Ausführungen. Positiv äußerte sich auch Frank Schiwek: "In unserem Ausschuss wird das Ansinnen wohlwollend gesehen. Nun müssen noch die vielen Fragezeichen geklärt werden."