Retter von freiwilligen Feuerwehren des Salzlandkreises absolvierten vor wenigen Tagen eine Ausbildung an der Motorsäge im Lödderitzer Forst. Ausbilder war Ortswehrleiter und Forstwirt Helmut Maczulat.

Lödderitz l "Nicht so hoch. Tiefer! Noch tiefer!!", musste Helmut Maczulat den Motorlärm der Kettensäge übertönen, um dem jungen Feuerwehrmann Karsten Lingner die Schnittstelle anzudeuten. Der hatte, wie man es im Forst heute oft sieht, beim Ahornstamm etwas zu hoch angesetzt. Was erstens keine Ausnutzung der Holzressourcen ergeben würde und zweitens unästhetisch wäre.

"Der Begriff stammt aus einer Zeit, als die Russen noch Holz geklaut haben."

Bei einem Feuerwehreinsatz vor Jahren wetterte Revierförster Jens Dedow in ähnlicher Situation, keine "Russenschnitte" zu machen. Helmut Maczulat kennt diesen Begriff: "Der stammt aus einer Zeit, als die Russen noch Holz geklaut haben." Man konnte an den bequemen knie- bis hüfthoch abgesägten Bäumen genau sehen, wer hier zugange war. (Dann müssten heute im Harz ganze Kompanien von Russen tätig sein ...)

Normalerweise kommt die Kettensäge bei der Feuerwehr nur zum Einsatz, wenn ein Baum auf die Straße oder die Bahngleise gefallen ist und den Verkehr behindert. Am Wochenende konnten Kameraden aus Bernburg und Belleben jedoch am "lebenden Objekt" den Umgang mit dem scharfen Motorwerkzeug üben, ohne den sonst üblichen zeitlichen Einsatzdruck. Der Kettensägeführerschein gehört zwar zur Grundausbildung der Feuerwehrleute, aber nicht jeder hat im Laufe der Dienstjahre häufig die Gelegenheit, das Erlernte durch Praxis aufzufrischen.

Helmut Maczulat hatte sich vom zuständigen Revierförster Peter Fritzsching ein Laubwaldstück an der "Lödderitzer Holzstraße" zuweisen lassen, wo die zu fällenden Bäume farblich gekennzeichnet waren. (Der Name "Holzstraße" rührt daher, weil der Weg früher mit Eichenholzkloben gepflastert war.)

Ausbilder Maczulat legte besonderen Wert auf die Sicherheit: "Voraussetzung ist ersteinmal vorschriftsmäßige Kleidung wie Schnittschutzhose, Schuhe, Helm, Handschuhe und Gehörschutz." Dann mussten die Kameraden selbstverständlich die Fallrichtung der Bäume bestimmen können. Das gelang durch das Sägen des Fallkerbs, der aus dem Dach- und Sohlenschnitt besteht.

"Der Lehrgang dauert 24 Stunden, die Hälfte ist Theorie", erklärte Helmut Maczulat. Warum ein "ziviler Motorsägenkurs für Brennholzselbstwerber schon für weniger als die Hälfte der Zeit angeboten wird, wusste der Lödderitzer auch. "Da geht es um liegendes Holz, nicht um das Fällen von Bäumen." Denn das sei weitaus gefährlicher, da beispielsweise Fallrichtung und Kronenüberhang berücksichtigt werden müssen.

Zuvor probten die Kameraden an einem sogenannten Fälltrainer, der im Lödderitzer Ortsteil Rajoch steht. Dort konnten verschiedene Einsatzszenarien dargestellt werden, wie das Zerkleinern von Stämmen unter Druck- oder Zugspannung.

Bilder