Schönebeck l "Es kann jeden treffen." Das betonte Sigrid Waurich, Chefärztin der Geriatrie im Krankenhaus der Arbeiterwohlfahrt in Calbe, als sie über Demenz sprach. Damit will sie deutlich machen, dass es wichtig sei, sich damit zu befassen. Denn potenziell könne jeder daran erkranken.

Um das Thema drehte es sich auch beim ersten Schönebecker Demenz-Forum. Dieses fand kürzlich im "Haus Luise" statt (wir berichteten), organisiert vom Demenz-Netzwerk Schönebeck.

Der Fachvortrag von Sigrid Waurich stieß auf enormes Interesse. Ob Angehörige oder Pflegekräfte - über "Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz" wollten viele mehr wissen. "Wir können froh sein, dass uns das Thema auf dieser Ebene zusammenführt. Das ist ein positiver Schritt", freute sich die Ärztin über das Engagement des Netzwerkes und über den Zuspruch auf das Angebot. Demenz habe es auch schon vor Jahren gegeben, es sei aber ein Tabu-Thema gewesen. Ihr sei es wichtig zu vermitteln: habt den Mut und öffnet euch.

Die häufigste Demenz-Form sei die Alzheimer-Demenz. Sie betreffe mehr als 60 Prozent der an Demenz Erkrankten. Der Beginn sei schleichend, deshalb werde die Krankheit auch nicht zeitig erkannt. "Das hat Vor- und Nachteile. Wir möchten gern zeitiger helfen", so Sigrid Waurich. Die Zahl der Demenzfälle werde in Deutschland derzeit mit 1,2 Millionen beziffert. Doch die Ärztin meinte: "Ich denke, die Dunkelziffer ist viel höher." Anfänglich sei nur das Kurzzeitgedächtnis betroffen. Das falle den Menschen in der Umgebung kaum auf, könne leicht heruntergespielt werden. Doch später werde auch das Langzeitgedächtnis nachlassen, es komme zu Verhaltensänderungen wie Auffälligkeiten und Aggressionen. "Haben Sie Mut, mit Ihrem Hausharzt Kontakt aufzunehmen, wenn Sie das bei Ihrem Partner bemerken", rät die Ärztin.

Sigrid Waurich gab den Zuhörenden hilfreiche Tipps: Den Demenzerkrankten nicht überfordern, aber ihm auch nicht alles abnehmen. Klare, kurze Sätze gebrauchen. Keine sinnlosen Diskussionen führen. Die Pflege koste viel Kraft, aber mit Liebe und Aufmerksamkeit könne viel erreicht werden. Verwandte und Bekannte sollten informiert werden, um bei Zusammenkünften mit der Situation besser umgehen zu können. "Wenn die Person zum Beispiel vom Teller der anderen essen will oder nicht das Besteck benutzt." Wichtig sei, die Erkrankten nicht von allem fernzuhalten, sie ruhig zu gesellschaftlichen Veranstaltungen mitzunehmen.

Gabriela Schultz, Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes, zeigte sich begeistert von dem Interesse an dem Forum und versicherte, dass es nicht das letzte sein werde. Sie erinnerte daran, dass das Netzwerk mit sechs Partnern gestartet ist. Mittlerweile zählen 15 Partner dazu. "Und die nächsten bekunden schon, dass sie mitarbeiten wollen", sagte sie während des Forums.