Ein Frühwarnsystem, um das Ansteigen des Grundwasserstandes zu erkennen, möchte die Stadt schaffen. Dafür sollen 19 Messstellen in und um Schönebeck genutzt beziehungsweise saniert und neu erschaffen werden. Der Löwenanteil der rund 80000 Euro Kosten soll durch Fördermittel gedeckt werden.

Schönebeck l Zeit ist Geld - und im Fall des Grundwasserproblems in Schönebeck ist Zeit für mögliche Schutzmaßnahmen nicht nur ein finanzieller Aspekt, es geht auch um Rettung von Hab und Gut. Deshalb will die Stadt nun eine Grundwassermesspegelerfassung schaffen, die perspektivisch für Bürger im Internet zugänglich ist.

"Die zeitnahe Information über bisherige und gegenwärtige Grundwasserstände bietet in allen Phasen der Vorsorge und des Schutzes gegen hohe Grundwasserstände sowie im Zuge der Bauleitplanung für die öffentliche Verwaltung eine fachlich abgesicherte Argumentationsgrundlage", erklärt Henrik Scheffler, Grundwasserbeauftragter der Stadt, im Volksstimme-Gespräch. Für dieses Frühwarnsystem sind nach planerischen Untersuchungen seitens des Grundwasserforschungszentrums Dresden 19 Messstellen in und um Schönebeck notwendig. Diese Punkte kann man sich wie einen Brunnen vorstellen. Dank elektronischer Messgeräte würde an diesen Stellen der Grundwasserstand regelmäßig erfasst und direkt an eine zentrale Stelle geliefert.

"Diese Zahlen werden online gestellt, so dass jeder Bürger auf die Informationen zugreifen kann", nennt Scheffler den Plan. Und das soll helfen, fragt sich an dieser Stelle sicher der geneigte Leser. Für den Stadtmitarbeiter ist das natürlich noch nicht alles.

Die Pegelstände sollen ausgewertet werden

"Das Ziel ist, nicht nur die Werte zu erfassen, sondern sie in einem zweiten Schritt auch auszuwerten", sagt Scheffler. Soll heißen? Wie viel Zeit den Bürgern bleibt, um zum Beispiel den Keller leerzuräumen, soll schließlich ebenso berechnet werden. Ein weiterer Aspekt ist auf Grund der vorliegenden Messdaten den Betrieb von Pumpen bei einer eventuellen Grundwasserhaltung, zum Beispiel vor Felgeleben/Sachsenland, optimal zu steuern, erklärt der Grundwasserbeauftragte.

"Die verbleibende Zeit kann durch die Messwerte und unsere Erfahrungen berechnet werden", erklärt der Grundwasserbeauftragte. Schließlich hänge der Grundwasserpegelstand von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von erhöhten Regenwasser- und Schneemengen und Hochwasserereignissen. Ergo sei die Zeit, die letztlich zum Schützen verbleibt, von dem Auslöser und zur Vorsorge abhängig. Zudem stellt Scheffler in Aussicht: "Perspektivisch könne eine Erweiterung des Grundwasserpegelmesssystems auf den Elbe-Saale-Winkel erfolgen und zentral ausgewertet werden."

Die mit der Maßnahme entstehenden jährlichen Betriebskosten belaufen sich auf zirka 3000 Euro. Für den Akkuaustausch alle fünf Jahre für die elektronischen Messgeräte ist ein Betrag von rund 1600 Euro erforderlich.

Doch für die Schaffung des "Frühwarnsystems" überhaupt gibt es Fördermöglichkeiten. Deshalb befassen sich die Stadträte derzeit mit einer entsprechenden Beschlussvorlage. Diese hat den Titel: Fördermittelantrag zur Errichtung eines automatischen Grundwassermessnetzes mit Datenfernübertragung.

Demnach ist es möglich, dass von den Gesamtkosten von 80023,35 Euro für das Messsystem 52015,18 Euro durch Landesmittel gefördert werden. Auf die Stadt Schönebeck würde damit ein Eigenanteil von 28008,17 Euro entfallen.

In den Gesamtkosten inbegriffen sind die Erhaltung und Wiederherstellung bereits vorhandener Pegel sowie die Schaffung von fünf neuen Messpunkten. Insgesamt sind 19 Stellen vorgesehen. "Das ist das Minimum", betont Scheffler.

"Solch ein Frühwarnsystem gehört zwangsläufig dazu, wenn man mit dem Grundwasserproblem zu kämpfen hat", wirbt er für dieses Vorhaben. Seiner Fachmeinung nach sei dieses System notwendig - es gehöre zum Maßnahmekatalog genauso wie der Abfanggraben entlang der B246a.

Stadträte hinterfragen die Notwendigkeit

Für nicht alle Schönebecker Stadträte ist dieses Anliegen so selbstverständlich. Sowohl im Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss als auch im Wirtschafts- sowie Bauausschuss lag die Vorlage auf dem Tisch.

"Das habe ich ehrlicherweise nicht verstanden", sagte Reiner Hornich (UWG/Grüne) im Wirtschaftsausschuss und fragte: "Warum sollen wir dafür Geld ausgeben?" Seine Frage blieb unbeantwortet, Ausführungen von der Stadtverwaltung gab es nicht. Die Ausschussmitglieder hätten sich wohl Henrik Scheffler als Ansprechpartner gewünscht. Wie er der Volksstimme mitteilt, wird Scheffler im Hauptausschuss die Fraktionen noch informieren.

Im Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss erklärte Scheffler bereits den Sachverhalt. Hier fragte Arnold Krüger (UWG/Grüne) ebenso nach der Notwendigkeit. Daraufhin erklärte Scheffler den Hintergrund und betonte, dass die Messstellen für dieses System ausgewählt wurden und maßgebend seien. Auch für Manfred Pöschke (Rettet die Altstadt) ist es nicht erforderlich, Geld für dieses System auszugeben. Er sehe nur einen praktischen Aspekt darin, "neuen Hausbauern zu sagen, ob sie trockene Keller haben werden".

Für Torsten Pillat (CDU) wiederum ist dieses Vorhaben nicht in Frage zu stellen. "Solche Zahlen hatten wir noch nie. Sie helfen auch, die anderen Maßnahmen auf ihren Erfolg zu prüfen", sagt er im Finanzausschuss.

Während der Wirtschaftsausschuss die Beschlussvorlage nur zur Kenntnis nahm, haben die Mitglieder des Wirtschafts sowie Finanzausschusses der Vorlage zugestimmt.