Zur Jahreshauptversammlung hatte der Ortsverband Schönebeck des Naturschutzbundes eingeladen. Zur Sprache kamen die vielen Aktionen und Aktivitäten des Vereins im Jahr 2013. Kritik äußerten die Naturschützer an den kaum nachvollziehbaren Baumfällungen in Schönebeck.

Schönebeck l Die vielen Baumfällungen im Stadtgebiet waren eines der großen Themen bei der Jahreshauptversammlung des Naturschutzbundes Schönebeck. Die Ortsgruppe um ihren Vorsitzenden Michael Wunschik hatte am Sonnabend zu dieser Zusammenkunft eingeladen. Wunschik ließ das vergangene Jahr Revue passieren. Dabei und in der anschließenden Diskussion kristallisierte sich die augenscheinlich häufig rotierende Kettensäge als ein von den Anwesenden dargestelltes Problem heraus. "Ein absoluter Dauerbrenner", befand Wunschik. Er führte zu diesem Thema aus: "Wir wünschen uns sehr, dass die über Baumfällungen geführten Protokolle öffentlich einsehbar sind. Es ist für uns oft sehr schwer bei Fällungen gegen zu argumentieren, wenn wir nicht beteiligt werden." Sein Hinweis: Auch morsche oder tote Bäume, sofern von ihnen keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, seien wichtig für die Artenvielfalt, weil das Holz bestimmten und oft sehr seltenen Insekten Unterschlupf bietet. Wunschik: "Ich befürchte, dass der Punkt Artenschutz bei der Stadt vernachlässigt wird. Deshalb würde ich gerne sehen, ob er in den Protokollen überhaupt eine Rolle spielt."

Karlheinz Schuppe vom Nabu merkte an: "In fünf Minuten ist gefällt, was 50 Jahre und mehr wachsen musste." Und sein Vereinskollege Gebhard Edner berichtete von Anwohnerklagen aus Ostelbien, insbesondere aus Pretzien und Plötzky. "Auf dem Friedhof von Plötzky sind große Kastanien gefällt worden. Niemand wusste davon, niemand ist informiert worden", kritisierte er das Vorgehen der Schönebecker Stadtverwaltung, explizit des Bereiches Grünflächen.

"Ich bin verwundert darüber, dass es mit den Baumfällungen noch immer nicht besser geworden ist", sagte Stadtrat Michael Schulz. Schulz ist auch Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt. Er selbst habe sich gefällte Bäume angesehen und zuweilen keinerlei Schäden entdecken können. Die Schattenspender schienen völlig gesund zu sein. "Dem werde ich auf jeden Fall nachgehen", betonte er. Dieses Thema müsse transparenter werden. Schulz: "Das ist ein Missstand. Mich persönlich ärgert das."

Karlheinz Schuppe hob an dieser Stelle hervor: "Wir sind keine Verbohrten". Der Nabu biete sich als Partner an, etwa um zu beurteilen, ob ein Baum tatsächlich in seiner Standsicherheit gefährdet ist.

Hingegen prinzipiell positiv sei das Herangehen hinsichtlich der Kastanien-Allee am Bierer Berg gewesen, sagte Nabu-Vereinsmitglied Günter Rockmann. Jedoch merkte Heike Müller vom Nabu an: "Die Umhüllungen von Neuanpflanzungen müssen nach einer gewissen Zeit entfernt, beziehungsweise gelockert werden. Das ist nicht immer geschehen. Einige Bäume tragen deshalb bereits Verletzungen davon, weil sich die Umhüllung in die Rinde eindrückt."

Bert Knoblauch ist erster Oberbürgermeister, der einer Einladung folgte

Die Nabu-Leute hielten positiv fest, dass es seitens der Stadt viele Nachpflanzungen gegeben habe. "Die Frage ist dabei nur, welche Arten werden gepflanzt", hakte Wunschik nach. Die von Stadtplanern oft und gern favorisierten Platanen etwa hätten nur eine geringe ökologische Bedeutung, weil sie Insekten nicht als Lebensraum dienen. Besser seien einheimische Arten wie Linde und Ahorn. "Diesbezüglich wünschen wir uns mehr Weitsicht und Sorgfalt", so der Ortsverbandsvorsitzende.

Nach seinen Worten zählte die von ihm geleitete Ortsgruppe Schönebeck im vergangenen Jahr über 2000 Besucher, die sich entweder direkt an den Nabu wandten oder Aktionen des Vereins nutzten, um sich in punkto Naturschutz zu informieren.

Zu den Schwerpunkten gehörte die weitere Arbeit an der Nachtigallenoase in der Chausseestraße. Hier wird ein von der Stadt zur Verfügung gestelltes Areal so weit wie möglich naturnah gestaltet. 2013 ist die Fläche um 2500 Quadratmeter erweitert worden. Die Naturschützer legten eine Benjeshecke an, sorgten für Anpflanzungen und das Aufstellen von Insektenhotels. Ebenso wurden eine Kinder-Lehmwerkstatt, ein Beobachtungstürmchen, ein Außen-WC und ein Duftrasen realisiert.

Die nicht ganz ernst gemeinte Nachfrage von Stadtrat Michael Schulz, ob dass Außen-WC Bestandteil des Duftrasens ist, verneinten die Nabu-Leute mit einem Lächeln.

Vor allem die Nachtigallenoase findet viele Unterstützer in und um Schönebeck. Das Unternehmen Cargill aus Barby beispielsweise stellte 2000 Euro als Spende zur Verfügung. Partner des Nabu sind hier auch die Stadtwerke und der Bildungsträger Teutloff.

Zu den vielen Aktionen und Aktivitäten der Ortsgruppe Schönebeck gehörten unter anderem Vogelstimmenwanderungen, die Teilnahme am Blumen- und Pflanzenmarkt auf dem Salzblumenplatz, die Fledermausnacht auf dem Bierer Berg, die Auszeichnung "schwalbenfreundliches Haus", Exkursionen in den thüringischen Nationalpark "Hainich" und ins brandenburgische Buckow, Vogelzählungen unter den Überschriften "Stunde der Gartenvögel" und "Stunde der Wintervögel" sowie das von der Öffentlichkeit stets intensiv begeleitete "Krötentaxi".

Gescheitert ist hingegen der Plan einer Begrünung von Fassaden der Sekundarschule Am Lerchenfeld. Neuer Plan hier: Ein Teil des Schulgartens soll als Streuobstwiese gestaltet werden. Gebhard Edner fand in der Städtischen Wohnungsbau (SWB) eine geneigte Partnerin zum Schutz von Mauerseglern. Die SWB schuf Nistmöglichkeiten in der Heinrich-Rau-Straße, der Edelmannstraße und in der Lessingsstraße.

In Ranies ist dem Nabu ein ausgedientes Trafohäuschen überantwortet worden. Hier sollen nun Nistplätze für Schleiereulen und Turmfalken geschaffen werden.

Zu den Gästen der Versammlung gehörten neben Stadtrat Michael Schulz und Herbert Wiegand vom Nabu-Landesverband auch Schönebecks gewählter Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU). Wiegands Appell an den neuen Stadtchef lautete: "Bewahren Sie bitte neben dem Blick für die Lokalpolitik auch immer den Blick für den Naturschutz." Karlheinz Schuppe ist da guter Dinge. Über Knoblauch ließ er in der Runde wissen: "Er kommt ja aus einer Imkerfamilie."

Bert Knoblauch selbst bedankte sich für die Einladung. Hervorhebend verwies er auf die rund 500 Kinder, die 2013 im Rahmen der Nabu-Arbeit in unterschiedlicher Art und Weise mit dem Thema Natur- und Umweltschutz in Berührung gekommen sind. "Diese Bildungsarbeit ist sehr erfreulich", sagte Knoblauch. Und auch darauf wies Michael Wunschik hin: "Sie sind der erste Oberbürgermeister, der unserer Einladung gefolgt ist."