Magister, Bachelor, Master oder Diplom? An Uni oder Fachhochschule? Vielleicht dual? Oder doch lieber eine reine Berufsausbildung? Wer jetzt vor der Frage steht, wie es in seinem Leben weitergehen soll, der ist nicht zu beneiden. Längst schon geht es nicht mehr nur um die Frage: studieren oder nicht?

Staßfurt. Maria Vatterott möchte Lehrerin werden – so viel steht fest. Am liebsten möchte sie in einer Grundschule unterrichten. Sie mag die Arbeit mit kleinen Kindern. Festgelegt hat sie sich aber noch nicht. Vielleicht wird sie auch Lehrerin an einer Sekundarschule oder am Gymnasium. Und die Option "berufsbildende Schulen" gibt es ja auch noch.

Studienberater Gunter Kreis von der Martin-Luther-Universtät in Halle soll ihr bei der Entscheidung helfen. Wo liegen die Vor– und wo die Nachteile? Jüngst besuchte er eine Gymnasium-Klasse, um Schülern zu helfen, sich im Dschungel der Studienangebote zurechtzufinden. Doch außer Maria und ihrer Freundin Franziska Bobke, die jeweils mit einem Elternteil aus Egeln anreisten, war niemand gekommen.

Will niemand mehr studieren? Oder wissen die Pennäler schon alles zum Thema Studium? Vermutlich nicht. Eher ist anzunehmen, dass sie sich keine oder nur wenige Gedanken zum Thema machen. Schließlich ist beinah noch ein ganzes Jahr Zeit, ehe das Wintersemester 2011 – jenes, in dem jetzige Abiturienten erstmals im Hörsaal sitzen – beginnt. Maria und Franziska wissen, dass sie sich rechtzeitig kümmern müssen. Schließlich gilt es zahlreiche Fristen einzuhalten.

Franziska möchte Pharmazie studieren. Hierfür muss sie bis zum 15. Juli eine Bewerbung an die Zentrale Vergabestelle (ZVS) schicken. In Halle stünden für diesen Studiengang etwa 140 Plätze zur Verfügung, erzählt ihr der Studienberater. Das sind eine ganze Menge. Dies sei allerdings kein Garant dafür, dass Franziska auch einen Platz an der Uni in Halle bekommt, so Kreis. Deshalb müsse sie sich Gedanken über andere Studienstandorte machen, die sie auf der ZVS-Bewerbung festhalten kann. Es muss sozusagen ein "Plan B" her.

Über "Plan B" hat Franziska sich noch keine Gedanken gemacht. Sie will eigentlich in Halle studieren. Es sei nicht so weit weg von zu Hause, erzählt sie. Die Nähe zu ihrer Familie sei ihr schließlich sehr wichtig. Und auch Freundin Maria möchte nicht weit weg. Halle wäre für sie in Ordnung, sagt sie.

Dass viele Jugendliche relativ heimatnah studieren wollen, diese Tendenz können Heike Hoffner und Michael Höfke, Studien- und Berufsberater der Agentur für Arbeit, bestätigen. Die Region Mitteldeutschland werde immer attraktiver, so die Experten. Das läge zum einen an der Heimatnähe, zum anderen aber auch an den Studiengebühren, die in Mitteldeutschland noch im bezahlbaren Rahmen liegen oder ganz fehlen. Andere Universitäten verlangen von ihren Studenten bis zu 650 Euro pro Semester – ein Studienjahr hat übrigens zwei Semester.

Dass Maria in Sachsen-Anhalt, einem der wenigen Bundesländer ohne Studiengebühren, studieren möchte, darüber ist ihre Mutter Doreen Vatterott recht froh. So eine Studiengebühr könne für viele Familien schließlich zu einer enormen finanziellen Belastung werden.

Auch Franziskas Vater Holger Bobke ist mit der Entscheidung seiner Tochter, Pharmazie in Halle zu studieren, einverstanden. Dass die Eltern ihren Segen zur Studienwahl geben, das sei den Mädchen sehr wichtig, erzählen sie. Dennoch geben sie offen zu, dass Eltern nicht mehr so wirklich viel mitzureden haben. Sei es so, dann würde Franziska nämlich Betriebswirtschaftslehre studieren. Denn das hätte ihr Vater für sie ausgesucht.