Großmühlingen l Die Großmühlinger Feuerwehr ist ein wichtiges Glied in der Bördeländer Gemeindewehr. Dennoch zeigte sich Ortswehrleiter Wolfgang Lohse während der diesjährigen Jahreshauptversammlung besorgt über die schwindenden Mitgliederzahlen. Vor allem junge Kameraden haben im Jahr 2013 der Großmühlinger Ortswehr den Rücken gekehrt. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es beruflich einfach nicht mehr möglich ist. Ausbildung, Job, Studium - all das ist von Großmühlingen aus nur bedingt möglich, man muss weiter weg fahren. "Es ist schade drum, aber man kann es nicht ändern", bedauerte Ortswehrleiter Wolfgang Lohse.

Gemeindewehrleiter Hans Jürgen Schulze weiß um die schwer lösbare Problematik und sprach den Mühlingern, die im Sommer mit einem schönen Fest ihr 120-jähriges Bestehen gefeiert hatten, Mut zu: "Es ist immer ein Auf und Ab, aber ich wünsche euch, dass sich wieder mehr Aktive für die Wehr finden."

Ein wenig Hoffnung setzt Lohse übrigens in die Mühlinger Landfrauen. Nachdem sie schon eine Weile die Räumlichkeiten im Gerätehaus nutzten und die Zusammenarbeit wuchs, traten sie im vergangenen Jahr als passive Mitglieder der Wehr bei. "Das sind ja alles verheiratete Frauen", führte er aus, ohne den Gedanken zu beenden. Ob die Landfrauen-Männer sich aber tatsächlich für aktive Feuerwehrarbeit begeistern lassen, wird sich zeigen.

In seinem Bericht fasste der Ortswehrleiter das abgelaufene Jahr noch einmal zusammen. Beeindruckende Zahlen (siehe Info-Kasten) unterstrichen, dass das Hochwasser auch in Großmühlingen für einen Rekord bei den Einsätzen sorgte.

"Die Beteiligung ist nicht mehr zufriedenstellend."

Nicht zufrieden war Lohse hingegen mit dem Ablauf der Dienstabende. "Die Beteiligung ist nicht mehr zufriedenstellend", mahnte er, denn mit einer durchschnittlichen Beteiligung von nur zwölf Kameraden mussten die Referenten thematisch ein paar Mal umdenken. Auch die Pünktlichkeit zum Dienst war wie im Vorjahr Thema. "Wir müssen uns auf die Fahnen schreiben, die Kameraden zurückzuholen, die selten oder gar nicht zum Dienst kommen", hob er den Zeigefinger mit Blick auf die personelle Situation.

Die Schwerpunkte im Ausbildungsjahr 2014 liegen wieder im Bereich der technischen Hilfeleistung. So soll unter anderem der Umgang mit dem hydraulischen Rettungssatz geübt und gefestigt werden. Gemeinsame Ausbildungseinheiten sind mit den Nachbarwehren in Eickendorf, Zens und Kleinmühlingen, aber auch mit der Freiwilligen Feuerwehr Schwarz geplant.

Personell etwas stabiler sieht es in der Jugendwehr aus. Ortsjugendfeuerwehrwart Oliver Kirch betreut derzeit vier Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren, weitere vier stehen in den Startlöchern. 20 Dienste absolvierten die jungen Brandschützer im vergangenen Jahr.

Technisch - da waren sich der Sicherheitsbeauftragte der Wehr, Jürgen Dähms, und Gemeindewehrleiter Schulze einig - ist die Großmühlinger Wehr in einem sehr guten Zustand. Ein Beleuchtungssatz komplettiert die Ausrüstung der Fahrzeuge.

"Es ist eine Menge Zeit, die ihr hier aufbringt."

Gedanken machen sich die Mühlinger Kameraden allerdings um die Sirenenanlage im Ort. So ist seit dem Verkauf der ehemaligen Gemeindeverwaltung nur noch die auf der Schule im Einsatz, die man aber nicht im ganzen Ort hört. Diese und noch weitere Sorgen und Nöte nahm Ortsbürgermeisterin Ute Möbius auf und versprach, sie im Gemeinderat zu thematisieren. Die Arbeit der Kameraden und auch das Verständnis ihrer Partner würdigte sie mit warmen Worten. "Es ist eine Menge Zeit, die ihr hier aufbringt", sagte sie anerkennend.

Eine schöne Tradition ist der gegenseitige Besuch der Jahreshauptversammlungen mit der Partnerwehr im niedersächsischen Otze. Erstmals gab der neue Ortsbrandmeister Tim Kories Bericht vom Einsatzgeschehen der Kameraden, deren Wehr stolze 45 Aktive zählt. Er versicherte, die partnerschaftliche Arbeit seines Vorgängers Gustav Buchholz fortzusetzen und das freundliche Miteinander beim anschließenden gemütlichen Teil ließ daran keinen Zweifel.