Für die "Bismarckhöhe" auf dem Bierer Berg ist verbindlich noch kein neuer Pächter in Sicht. Unterdessen übt die ehemalige Wirtin Petra Rosemeier Kritik am Ende ihres Vertrages.

Schönebeck l Die beliebte Gaststätte Bismarckhöhe auf dem Bierer Berg steht weiter leer. Im Oktober war der Vertrag zwischen der bisherigen Wirtin und dem Erbaupachtberechtigten fristgemäß ausgelaufen. Das Haus gehört den Privatpersonen Andreas Müller und Kathrin Kühne, Grund und Boden der Stadt. Ein neuer Betreiber für das Lokal könnte in Sicht sein, doch die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen, sagt der zuständige Dezernent Joachim Schulke.

"Wir wollen dem Mieter einen Pächter vorschlagen", beschreibt er die Verfahrensweise der Stadt. Grundlage für eine Übernahme der "Bismarckhöhe" sei aber, dass vorher noch "gewisse technische Probleme" abgestellt würden, sagt Joachim Schulke, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Insider sprechen davon, dass die Entwässerung des Hauses erneuert werden müsse, was Aufgabe des Besitzers wäre. Zu einem konkreten Öffnungstermin will der Dezernent deshalb nichts sagen. "Ich bin aber optimistisch, dass die Gaststätte spätestes im zweiten Quartal zur Saison öffnet."

Die Zukunft bleibt also ungewiss. Aber auch die Vergangenheit wirkt nicht aufgeräumt. Petra Rosemeier, die bisherige Wirtin und Pächterin der "Bismarckhöhe", kritisiert die Verfahrensweise der Stadt beim Auslaufen ihres Pachtvertrages. Alles sei zwar fristgemäß passiert, aber die Art und Weise zeuge von keinem fairen Umgang miteinander.

"Ich bin optimistisch, dass die Gaststätte im zweiten Quartal der Saison öffnet."

"Mit uns hat niemand geredet", zeigt sich Petra Rosemeier enttäuscht. Im Gegenteil: Die Zeichen standen auf Weitermachen. "Wir haben erst kürzlich in 40 neue Stühle und zwölf neue Tische investiert. Der Außenbereich wurde mit der Holzhütte verschönert. Mir war es wichtig, den Gästen des Operettensommers eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Die Resonanz vieler Gäste hat gezeigt, dass mir das auch gelungen ist", so Petra Rosemeier und fügt im gleichen Atemzug an: "Das macht man doch nicht, wenn Schluss sein soll."

Bis kurz vor Vertragsschluss hätte es auch seitens der Stadt keine Signale gegeben, dass man sie nicht mehr wolle, sagt die ehemalige Wirtin. Fast ein bisschen makaber: Am 25. August unterschrieb sie noch für mehrere neue Tierpatenschaften. "Das hat man noch dankend angenommen", betont sie. Einen Monat später flatterte der Brief vom Liegenschaftsamt ins Haus, mit dem Petra Rosemeier mitgeteilt wurde, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird. "Dieser Brief hat meine Mitarbeiter aus der Bahn geworfen und eine nachhaltige Zusammenarbeit mit der Stadt für mich zunichte gemacht", sagt die enttäuschte Frau.

Petra Rosemeier erklärt, dass sie es geschafft habe, "mit Engagement und Enthusiasmus in dreieinhalb Jahren als Wirtin auf dem Bierer Berg umsatzstarke, wenn nicht sogar die umsatzstärksten Zahlen geschrieben zu haben". Diese Zahlen könne sie jederzeit belegen, und diese Zahlen würden doch wohl für zufriedene Besucher sprechen. "Doch das hat wohl nicht Priorität für die Stadt Schönebeck", sagt sie entsetzt. Man habe 2011 das Bierer-Berg-Fest als Veranstalter übernommen, es gab feste Arbeitskräfte, Investitionen in das Haus, sein Ambiente und die Technik. Die Umsätze seien ständig gestiegen.

Man habe ihr das Leben schwer gemacht, sagt Petra Rosemeier. "Wenn der Stadt das Tourismusziel Bierer Berg so am Herzen liegt, verstehe ich nicht, warum es niemals Hinweise gab", sagt sie. Petra Rosemeier weiß um so einige Kritik. Darauf angesprochen, zum Beispiel dass ihre Öffnungszeiten nicht denen des Zoos angepasst und der Umgangsformen zum Teil ziemlich rau gewesen seien, sagt Petra Rosemeier: " Die Gaststätte muss kostendeckend geführt werden. Im Winter sind variable Öffnungszeiten sinnvoll, im Sommer haben wir Personal aufgestockt. Sicherlich wird man nicht allen gerecht. Aber grundsätzlich haben wir für unsere Arbeit viel Zuspruch erfahren."

"Wir hätten uns mehr Kontinuität gewünscht, aber das war so nicht mehr möglich."

So viel Zuspruch, dass Petra Rosemeier nach eigenen Angaben drauf und dran war, die "Bismarckhöhe" zu kaufen. Sie sagt, es habe einen Vorverkaufsvertrag gegeben. Andreas Müller, dem die "Bismarckhöhe" über Erbaupacht gehört, sagt dagegen auf Volksstimme-Nachfrage dazu: "Das war lediglich ein Entwurf. Die Wirtin hat ihn gebraucht, um eine mögliche Finanzierung mit ihrer Bank zu klären."

Auch Andreas Müller hätte sich mehr Kontinuität für die Gaststube gewünscht. Bei der Entscheidung, den Vertrag mit Petra Rosemeier auslaufen zu lassen, sei er aber an den Einspruch der Stadt gebunden. Das regelt wiederum der Erbaupachtvertrag.

Dezernent Joachim Schulke bestätigt, dass die Stadt von ihrem Vetorecht Gebrauch gemacht hat. "Wir hätten auch gern mehr Kontinuität gehabt, aber das war so nicht mehr möglich", sagt er auf Nachfrage der Volksstimme, ohne weiter ins Detail gehen zu wollen. Er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass städtische Behörden, oder auch andere Ämter Kontrollen "zu Schikanezwecken" durchgeführt hätten. "Das lief alles wie bei jedem anderen Gastgewerbe hier in der Stadt."

Die Stadt, so Joachim Schulke, richte ihren Blick jetzt nach vorn. "Helfend und beratend im Hintergrund unterstützen wir den Erbbaupachtberechtigten bei der Suche nach einem neuen Pächter."

Petra Rosemeier: "Ich wünsche mir im Interesse der ,Bismarckhöhe\', dass die Stadt - allen voran der verantwortliche Dezernent Joachim Schulke - ihre Form der Zusammenarbeit mit dem zukünftigen Wirt noch einmal überdenkt und neu gestaltet." Jegliche Korrespondenz mit der Stadt Schönebeck sei am Ende mit Wunsch auf eine gute Zusammenarbeit verfasst, sagt sie.

Die Gastronomie auf dem Bierer Berg sei in fünf Sommermonaten lukrativ, jedoch habe das Jahr zwölf Monate, in denen die Pacht sowie weitere Fixkosten zu tragen sind und die Umsätze nahezu gegen Null tendieren. "Der Bierer Berg ist und bleibt ein Saisongeschäft", so Petra Rosemeier.