Zur jährlichen Dienstberatung des Brand- und Katastrophenschutzes im Salzlandkreis kamen am Freitagabend rund 350 Kameraden nach Eggersdorf. Dort wurde das Einsatzjahr 2013 bilanziert und Auszeichnungen sowie Beförderungen vorgenommen.

Eggersdorf/Salzlandkreis l Rote Scheinwerfer an der Wand, rote Servietten auf den Tischen, eine Foto-Präsentationen mit dem Einsatzgeschehen 2013 und dazu die Titelmusik aus "Fluch der Karibik": So begann am Freitagabend die 7. Jahresdienstberatung des Brand- und Katastroheschutzes des Landkreis in Eggersdorf. Die "dienstliche Einheit" wurde an diesem Abend um einen angenehmen Tagesordnungspunkt erweitert: Die rund 350 Kameraden nahmen gleichzeitig an der Dankeschönveranstaltung zum Hochwasser 2013 teil. Sparkassenvorstand Hans- Michael Strube lud die Gäste zu Essen und Getränken ein. "Das ist unser Dankeschön für Ihre außerordentlichen Leistungen während der Hochwasserkatastrophe", verkündete der Sparkassenchef.

Im Bericht des Kreisbrandmeisters verglich Hans-Ulrich Robitzsch die Einsatzzahlen 2013 mit dem Geschehen des Vorjahres. Das hatte sich auf Grund der Hochwasserlage von Juni stark erhöht. Wurden im Jahr 2012 noch 2117 Einsätze registriert, waren ist im Jahr 2013 schon 2604. Während die Einsätze zu Bränden und sonstigen Alarmierungen zurückgegangen sind, mussten die Kameraden zu mehr Hilfeleistungen und im Katastrophenfall ausrücken. Das Hochwasser an den Flüssen ließ die Zahlen von 0 im Jahr 2012 auf 512 im Jahr 2013 hochschnellen.

Voraussetzungen für das richtige Handeln vor Ort ist eine fundierte Ausbildung. An der nahmen eine Vielzahl von Kameraden auch im Vorjahr am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge (IBK) sowie bei Schulungen im Landkreis teil. Dies lobte der Kreisbrandmeister ausdrücklich - vor alle auch vor dem Hintergrund, dass die Plätze am IBK begehrt sind: Wurden durch den Landkreis im Jahr 2012 noch 410 Ausbildungsplätze reserviert, waren es 2013 schon 458.

Nach der Auflösung der Feuerwehr in Wespen gibt es im Landkreis noch aktuell 102 freiwillige Ortsfeuerwehren. Hinzu kommen noch drei Werkfeuerwehren an den Standorten Flanschwerk Bebitz, Airport Cochstedt und Novelis Nachterstedt. Insgesamt sind 2485 Kameraden im aktiven Dienst gemeldet (2012: 2528), darunter 350 Frauen (2012: 338).

Örtliche Krisenstäbe werden aufgewertet

Zur Dienstberatung am Freitagabend legte Landrat Ulrich Gerstner (SPD) auch einen 15-seitigen "Bericht zum Katastrophenfall Hochwasser 2013 im Salzlandkreis" vor. Darin aufgelistet ist die komplette, nüchterne Chronologie der schweren Tage vom Juni. Mündlich trug der Landrat aber auch seine emotionalen Erfahrungen vor und zeigte sein Mitgefühl den Betroffenen gegenüber. "Die Besonderheit des Sommerhochwassers waren anfangs unbestimmte Pegelstandsprognosen und das Zusammentreffen der Extremhochwasser an Saale und Elbe zur gleichen Zeit. Sieben von 13 Gemeindeeinheiten des Landkreises waren betroffen. Deshalb war es richtig, so frühzeitig den Katastrophenalarm auszurufen", resümierte Ulrich Gerstner.

Er gab gegenüber den Kameraden aber auch Schlussfolgerungen des Hochwassers bekannt. So habe sich unter anderem der Digitalfunk im Netzbetrieb bewährt. Kritisch äußerte er sich hinsichtlich der Zuständigkeitsbereiche und kündigte an, in Zukunft die örtlichen Krisenstäbe personell aufzuwerten.

In Vertretung des Innenministers informierte Lutz-Georg Berkling, Referatsleiter im Innenministerium, über den aktuellen Stand beim Landesfeuerwehr-Verband, über Anschaffungen im Jahr 2014, die Fördermittelvergabe und Änderungen 2014. Berkling nahm auch Stellung zum Salzwedeler Feuerwehrproblem und bot eine eigenwillige Lösung an. In der Altmarkstadt will ein aktiver Feuerwehrmann für die NPD bei den Kommunalwahlen kandidieren. Berkling sagte: "Wir müssen das Problem mit der NPD aus den Medien bekommen." Doch ob diese "Aus den Augen, aus dem Sinn"-Politik richtig ist, bleibt fraglich, denn damit wird der Missstand nicht abgestellt, sondern nur unter den Teppich gekehrt.

Bördelands Bürgermeister Bernd Nimmich freute sich, dass die Halle des Sport- und Freizeitzentrums in Eggersdorf an diesem Tag eine wohlige Atmosphäre ausstrahle. Dies war vor einem halben Jahr noch ganz anders. Der Grund: Die Halle wurde über Wochen als Notunterkunft für Evakuierte aus den Krisengebieten genutzt.