Tauwetter und Niederschläge haben dazu geführt, dass wie befürchtet der Pegel des Wespener Dorfteiches immer weiter steigt. In der Nacht zum Sonntag war Gefahr im Verzug, sodass Ortsbürgermeisterin Gudrun Tulinski die Feuerwehr alarmierte.

Wespen/Gnadau. Weil sich die Wassergefahr bereits vor Tagen abzeichnete, hatte Gudrun Tulinski vergangene Woche zusammen mit Pömmeltes Vize-Wehrleiter Patrick Fengler vorsorglich Notfallpläne geschmiedet.

470 Meter Schläuche verlegt

Sonnabendabend trat der Ernstfall wirklich ein. Das steigende Grundwasser hatte das Gelände am Dorfteich überflutet, Straßen standen unter Wasser. In unmittelbarer Nähe befindet sich die zentrale Pumpstation des Abwasserzweckverbandes (AZV), deren sensibelster Bereich die Elektroanschlüsse sind. Kommt es hier zum Kurzschluss, kann sämtliches Schmutzwasser nicht zum Klärwerk Calbe gepumpt werden, alle Wespener Toiletten wären unbrauchbar. Zuvor hatte die Ortsfeuerwehr eine Sandsackbarriere errichtet.

"Um 21.45 Uhr haben wir zum ersten Mal gepumpt", berichtete Pömmeltes Ortswehrleiter Mario Mutschall. Er und seine 17 Kameraden waren mit einer leistungsfähigen Lenzpumpe angerückt. Sie fördert in der Minute rund zwei Kubikmeter Wasser. Die Männer montierten zwei parallele Schlauchstrecken von der Dorfmitte bis zum östlichen Ortsrand. "Das sind 470 Meter B-Schlauch, die wir verlegt haben", sagte Mutschall. Das Wasser versickert nun auf einer Wiese. Die Ortsbürgermeisterin hatte sich vom Grundstückseigentürmer zuvor die Genehmigung eingeholt.

Auf diese Weise gelang es bis Sonntagnachmittag, den Pegel um 20 Zentimeter abzusenken, sodass die Elektrik der Station wieder außerhalb des Gefahrenbereiches liegt. Die Kameraden der Pömmelter Wehr waren in Schichtbesetzung die ganze Nacht über im Einsatz.

Nachdem die Feuerwehr abgerückt war, installierte der Bauhof Barby eine Elektropumpe, die nun rund um die Uhr ihre Arbeit verrichtet. Parallel entlasten Fäkalienfahrzeuge im Auftrag des Abwasserzweckverbandes das Netz vor Ort.

Heizöltanks drücken an die Decke

Mehrere Einwohner verfolgten das Geschehen am Dorfteich. Die Sorge war ihren Gesichtern deutlich abzulesen. Zu ihnen zählte Burghard Krenzlin, der nach eigenen Angaben seit Oktober rund um die Uhr Wasser aus seinem Keller pumpt. "Das kostet mich pro Monat 60 Euro Stromgeld und ist schädlich für das Gebäude. Aber das ist nicht das Schlimmste", sagte er.

Weil Krenzlin, wie viele andere Wespener, einen Heizöltank im Keller hat, droht hier das nächste Ungemach. "Er schwimmt auf. Das steigende Wasser drückt ihn an die Kellerdecke. Ich werde mir wohl einen Flüssiggastank anschaffen müssen." Investitionen, die nicht von Pappe sind. Sein Nachbar hätte bereits den Hauskeller "aufgegeben". Da würden 67 Zentimeter drin stehen. "Das schafft keine Baumarktpumpe mehr", winkte Burghard Krenzlin ab.

Ortsbürgermeisterin Gudrun Tulinski forderte erneut den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft sowie die zuständigen Landespolitiker auf, kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen.

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