Im August dieses Jahres feiert die Elbestadt Barby die 1050. Wiederkehr ihrer urkundlichen Ersterwähnung. Deshalb wird in den kommenden Monaten an Persönlichkeiten erinnert, die aus Barby stammen oder eine Beziehung dazu haben. Den Auftakt bildet der Berliner Maler Johann Philipp Eduard Gaertner (1801-1877), der Mitte des 19. Jahrhunderts ein bemerkenswertes Gemälde schuf.

Barby. "Partie bei Barby an der Elbe" heißt ein Ölbild, das sich heute im Besitz des Märkischen Museums Berlin befindet und weitgehend unbekannt ist. Es zeigt die "Kleine Elbe" mit dem Mauertürmchen "Prinzeßchen" und ist im Stile der Romantik gemalt. Diese Epoche vertrat die Auffassung, dass nur Kunst die in der Natur wirkende Kraft sichtbar machen kann. Dabei spielte der Mensch eine untergeordnete Rolle.

Künstlerisch wertvollste Darstellung

Eduard Gaertner schuf das wohl künstlerisch wertvollste und detailgetreueste Bild, das je in Barby gemalt wurde, zwischen 1840 und 1850. Mit seiner Ausnahme stammen alle anderen Darstellungen von Laien.

Im rechten Bildrand dominiert das "Prinzeßchen" am Ufer der Kleinen Elbe. Frappierend: Das Bauwerk hat sich bis heute kaum verändert. Dafür die Natur, die Gaertner inspirierte. Der Flussarm wurde Mitte der 1970er Jahre mit Müll und Bauschutt verfüllt und damit jeglicher Romantik beraubt.

Der Berliner Architekturmaler bildete nahezu fotografisch ab, was nicht unbedingt oberstes Gebot der Romantiker war. So duplizierte Kaspar David Friedrich beispielsweise die Kreidefelsen von Rügen des Effektes wegen. Wo in der Natur ein Kreidedolmen steht, sind es auf seinem Bild zwei.

Barbys Kleine Elbe ist von dichtem Buschwerk und Weiden gesäumt. Links im Hintergrund sind jene Eichen zu erkennen, wie wir sie heute noch sehen. Die Stadtmauer gegenüber trägt zwei merkwürdige, lang gestreckte Aufbauten. Laut Volksmund wollte Schlossherr Herzog Heinrich hier eine Brücke über die Elbe bauen. Hoeses Chronik rückt diese Mär zurecht.

Die "Pfeiler" standen etwa bis 1850 auf der Mauer und waren nichts anderes als barocker Zierrat. Gaertners Gemälde ist vermutlich die einzige bildliche Darstellung davon.

Ein untergeordnetes aber unverzichtbares Stilmittel der Romantiker waren weidendes Vieh, Menschen bei der Arbeit oder in ehrfürchtiger Betrachtung der Natur. Hier sind es Fischer, die ihre Boote zum Fang vorbereiten. Zu sehen sind ein größerer Segelkahn mit stattlichem Mast, daneben ein schlichter Fischerkahn. Die rechte Bildhälfte zeigt zwei Flöße im Wasser. Dahinter typisch sandige Ufer bei Niedrigwasser der Elbe.

Insgesamt ein Bild, von dem tiefer Frieden ausgeht und das eine wunderbare Flussauenlandschaft zeigt, wie sie damals war.

Doch was verschlug den zu seiner Zeit bekannten Berliner Architekturmaler Eduard Gaertner in das Provinznest Barby? Sein Besuch ist nirgendwo dokumentiert.

1840 starb König Friedrich Wilhelm III., der ihn gefördert und insgesamt 21 Gemälde abgekauft hatte. Nach Regierungsantritt seines Sohnes änderte sich das politische und kulturelle Klima. Friedrich Wilhelm IV. bevorzugte eine deutsch-nationale, am Mittelalter orientierte Kunstaus-übung.

Auf der Suche nach neuen Arbeitsfeldern bemerkte Gaertner den Bedarf für Darstellungen gefährdeter preußischer Baudenkmäler. Seinerzeit wurde der Denkmalsschutz aus der Taufe gehoben.

Seine ausgedehnten Reisen durch Dörfer und Städte Preußens müssen ihn auch nach Barby geführt haben. Unterwegs entstanden Bilder, die zwar architektonische Motive enthielten, das Landschaftliche aber stärker betonten und für den späteren Verkauf in Berlin gedacht waren. In den kleinen Orten der Provinz gab es kaum kaufkräftige Einwohner.

Fotografie machte Konkurrenz

Generell fand Eduard Gaertners Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer weniger Beifall, die Fotografie wurde zunehmend zur Konkurrenz. Sie muss ihn dennoch im Stillen fasziniert haben. In seinem Besitz fand man später eine Sammlung früher Fotografien mit Berliner Stadtansichten. Sicherlich beobachtete er die Entwicklung der neuen Bildtechnik mit Interesse, verwendete jedoch die Fotos nicht unmittelbar als Vorlagen.

1870 verließen er und seine Frau Berlin und siedelten sich im brandenburgischen Flecken Zechlin an. Dort starb Eduard Gaertner am 22. Februar 1877.

 

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