Aus Müll mach Gold - so oder so ähnlich lässt sich die Entwicklung der Deponie Frohser Berge in Schönebeck beschreiben. Von 1920 bis 2005 wurde hier Müll abgelagert. Seit 2009 wird das Gelände renatuiert. Das hat den Verantwortlichen, den Kreiswirtschaftsbetrieb, bis dato fast eine Million Euro gekostet.

Schönebeck-Frohse l Ein besonders geschütztes Biotop existiert in Schönebeck. Auch wenn keiner gern an Müll denkt - ihn aber jeder produziert - so gibt es in der Elbestadt, besser gesagt am Rande der Stadt, einen Ort, wo dieser vom Kreiswirtschaftsbetrieb entsorgt wurde. Und das ist genau dieses herrliche Biotop. Die Rede ist von der Deponie Frohser Berge.

"Etwa um 1920 wurde die Deponie auf dem Frohser Berg für die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen erschlossen und bis 2005 für die Abfallentsorgung genutzt", sagt Dagmar Welz. Sie ist freie Landschaftsarchitektin und hat 2009 von dem kreiseigenen Betrieb den Auftrag für die naturschutzfachliche Planung, Ausschreibung und Ausführungsüberwachung erhalten. Hintergrund: 2007 wurde festgelegt, dass für die Deponie Frohser Berge eine Oberflächenabdichtung mit vorläufiger Oberbodenabdeckung vorzunehmen und entsprechende Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für die Revitalisierung des Naturhaushaltes vorzunehmen sind.

"Von 1920 bis 2005 wurde die Deponie für die Abfallentsorgung genutzt."

Grundlage dafür ist das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz von 1993.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nachdem die Fläche abgedichtet wurde, wie es Dagmar Welz bezeichnet, wurde oberhalb der ehemaligen Deponie auf eine Fläche von 16 Hektar Landschaftsrasen durch eine sogenannte Anspritz-Begrünung geschaffen. "Damit ist heute eine riesige Landschaftsrasenfläche entstanden, in der neben verschiedenen Gräsern auch Skabiosen-Flockenblumen, gemeine Schafgarbe, Kartäuser-Nelken, Wiesensalbei und viele andere krautartige Pflanzen zu finden sind", zählt die Landschaftsarchitektin auf. Das sieht nicht nur schön aus, sondern trägt auch wesentlich dem Naturschutz bei. "Die entstandenen Wiesenflächen dienen als Bienenweide, sind für viele Insekten und Kriechtiere wertvoller Lebensraum und auch wichtiges Nahrungshabitat für Vögel und Säugetiere", sagt Dagmar Welz.

Darüber hinaus hat die "kleine Idylle" noch eine dreistufige Feldgehölz-Hecke zu bieten. "Insgesamt wurden auf 17000 Quadratmeter Pflanzungen mit einheimischen Strauchgehölzen und Laubbäumen vorgenommen", sagt die Calbenser Unternehmerin.

Damit diese Pflanzungen auch erfolgreich anwachsen, werden sie über drei Jahre gepflegt. "Danach kann man erfahrungsgemäß davon ausgehen, dass die Pflanzen sozusagen stark genug sind, um sich ohne weitere Pflege gegen Wind, Trockenheit, Konkurrenz-Wachstum und Wildverbiss durchzusetzen", erklärt die Fachfrau.

Insgesamt kostet die Renaturierung der Deponie Frohser Berge rund eine Million Euro. Von 2009 bis 2014 wurden rund 85 Prozent der geplanten Investition verbraucht. Abgeschlossen ist das Projekt noch lange nicht. Die kommenden 30 Jahre ist eine gewisse Nachsorge vorgesehen.

"Nach drei Jahren sind die Pflanzen stark genug."

Dazu gehöre etwa die jährliche Kontrolle von mehr als 35 Gasbrunnen genauso aber auch die Bewachung des Geländes. "Die Nachsorge bedeutet einen hohen Aufwand", schätzt die Landschaftsarchitektin ein. Sie rechnet mit Kosten von erneut einer Million Euro. Der Kreiswirtschaftsbetrieb hat die bisherigen Investitionen aus Rückstellungen finanziert, die seit 1991 mit Hinblick auf die Renaturierung ab 2009 getätigt worden sind.

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