127 Einsätze sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Schönebeck/Tischlerstraße 2013 gefahren. Wehrleiter Manfred Grunert zog jetzt bei der Jahreshauptversammlung Bilanz. Zum letzten Mal. Denn der Chef der Blauröcke gibt den Staffelstab an Dirk Dietzmann weiter.

Schönebeck l Ein "ereignisreichen Jahr" liege hinter den Kameraden der Stadtteilfeuerwehr Schönebeck, beginnt Wehrleiter Manfred Grunert seinen Bericht zur Jahreshauptversammlung. Mit 127 Einsätzen war man zwar weniger "draußen" als noch 2012. Doch das Hochwasser, die immer vielfältiger werdenden Anforderungen im Einsatzgeschehen und die permanente Qualifizierung fordere von den Feuerwehrleuten alles ab - und das im Ehrenamt.

"Jeder hat seine Art, mit Leuten umzugehen. Meine hat hier gepasst!"

2013 tritt für die Brandbekämpfer aus der Tischlerstraße aus dem Reigen der Vorjahre hervor, feierte die Feuerwehr auch ihr 140-jähriges Bestehen. Zeitgleich treffen sich die Kameraden der Traditionsgruppe seit 30 Jahren. Und 2013 geht eine Ära zu Ende. Manfred Grunert verlässt die Spitze der größten Feuerwehr der Stadt. Aus Altersgründen. Der Schönebecker ist jetzt 64 Jahre alt, er darf - das ist gesetzlich vorgeschrieben - nur noch ein Lebensjahr im aktiven Einsatzdienst verbringen. Wieder sechs Jahre Wehrleiter sein, ist also nicht mehr möglich. Obwohl der Elan da ist. "Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge" sagt Manfred Grunert deshalb auch. Das Leben des Schönebeckers ist geprägt von der Feuerwehr: 1974 Eintritt in die Betriebsfeuerwehr des Traktorenwerkes, seit 1978 Mitglied in der Schönebecker Wehr, 1988 die Ernennung zum Gruppenführer und 2001 dann zum Zugführer. Manfred Grunert ist in der Führungsebene angekommen. Von 2000 bis 2002 ist er Vizewehrleiter. Die letzten zwölf Jahre leitete er die Geschicke als Chef in der Tischlerstraße.

Manfred Grunert ist froh über Frau und Tochter, die ihm immer den Rücken gestärkt hätten. Er ist dankbar für das Vertrauen, das ihm die Kameraden immer wieder entgegengebracht haben, und über die gute Zusammenarbeit. Auch wenn man es nicht immer jedem recht machen könne. Er selbst gibt sich bescheiden. "Jeder hat seine Art mit Leuten umzugehen. Meine hat hier gepasst!", sagt er.

Dass ein Jahrhunderthochwasser das letzte Amtsjahr prägen würde, damit hätte Manfred Grunert nicht gerechnet. Doch auch hier zeigt sich der Stadtweilwehrleiter höchst professionell. "Für alle Kameraden hat jedes Einsatzjahr seine Herausforderungen. Aber während der Flut waren wir hier 14 Tage lang im Zweischichtsystem im Einsatz. Alle haben mitgemacht." Das Leitungsgeschick im Ernstfall und den integrierenden Führungsstil Manfred Grunerts loben viele Begleiter und Freunde des scheidenden Stadtteilwehrleiters. Ordnungsdezernent Joachim Schulke sagt, dass der Feuerwehrchef für ein gutes Miteinander gesorgt habe, auch in schwierigen Phasen innerhalb der Wehr.

"Ich habe Respekt vor der Arbeit, die Manfred Grunert geleistet hat."

Für die Verwaltung sei Manfred Grunert ein ausgezeichneter Berater gewesen. Er habe konkrete Antworten zu anstehenden Fragen gehabt, das Handeln der Fachbehörden kritisch begleitet und hinterfragt. "Ich habe Respekt vor der Arbeit, die Manfred Grunert geleistet hat. Und nicht jeder Wehrleiter kann von sich behaupten, wenn er den Staffelstab übergibt, dass er ein neues Gerätehaus mit geplant und in Dienst gestellt hat." Abschnittswehrleiter Uwe Tandler (für den Landkreis) und Schönebecks zukünftiger Oberbürgermeister Bert Knoblauch dankten Manfred Grunert für "seine Verdienste um die Wehr".

Bis zum 14. März ist Manfred Grunert noch in Amt und Würden. Dann wird Dirk Dietzmann sein Nachfolger. Die Tischlerstraßen-Feuerwehrleute haben ihn in geheimer Wahl bei einem Gegenkandidaten zum Nachfolger bestimmt. Der 47-Jährige lobt die Arbeit seines Vorgängers. Die größte Aufgabe in seinen Augen für die Zukunft: "Wir wollen die Zusammenarbeit mit den anderen sieben Stadtwehren vertiefen."