Es ist der scharfe Blick für das Besondere im Alltäglichen, der die künstlerischen Arbeiten von Jutta Gampe auszeichnet. Die Calbenserin bereitet derzeit ihre erste Fotoausstellung vor. Beim Besuch in ihrem Atelier sind auch Aquarelle, Skulpturen und Zeichnungen zu entdecken.

Calbe l Hinter dem Wohnhaus in der Heimstättensiedlung führt Jutta Gampe die schmalen Treppen hinauf zu ihrem lichtdurchfluteten Atelier. In einer Ecke verströmt ein kleiner Holzofen behagliche Wärme. Durch die großen Fenster ist der Blick frei auf den heimischen Garten, dahinter ein winterlicher Acker und das Gewerbegebiet West. "Hier ist mein Schaffensbereich", sagt die 54-Jährige. Ihr Ehemann Burkhard hat ihr diesen Bereich mit viel Liebe zum Detail geschaffen. Dort ist ihr Rückzugsort. Dort verleiht sie seit vielen Jahren ihrer künstlerischen Schaffenskraft unterschiedlichen Ausdruck. Dort trifft sich in kalten Wintermonaten regelmäßig eine kleine Gruppe Kunstinteressierter um den Magdeburger Maler, Bildhauer und Grafiker Bernd Morgenroth alias Paul Ghandi.

Als Künstlerin will sich Jutta Gampe selbst nicht sehen. "Das würde ich mir nicht anmaßen. Dafür fehlt mir die Ausbildung", sagt sie. Ihr Lebensweg ist ein anderer, obwohl sie schon früh Interesse zeigte, ihre Umwelt fotografisch festzuhalten. "Manchmal auch nur, um ein paar Groschen extra in der Tasche zu haben", lacht Jutta Gampe. Mit dem "Zieharmonika-Apparat" ihres Großvaters lichtete sie vom Schwarz-Weiß-Fernseher den Schauspieler David Cassidy ab. "Damals ein Idol vieler Teenager", lacht die Calbenserin.

1975 begann sie ihre Ausbildung zum Baufacharbeiter mit Abitur und war viel auf Magdeburger Baustellen unterwegs. Danach folgten Jahre als Verwaltungsangestellte. Ihrer Leidenschaft, sich künstlerisch auszudrücken, blieb sie allerdings weiter treu. Neuen Schwung bekam sie kurz nach der Wende durch die Bekanntschaft mit dem einstigen Calbenser Galerieleiter und Kunsterzieher Günter Kraatz. Bei ihm schulte sie ihre Maltechnik. Einige ihrer Werke wurden im Schönebecker "Treff", in der Feuerwache oder der Uni-Mensa in Magdeburg gezeigt. Heute sei sie sehr dankbar, wenn der Calbenser Maler und Lithograph Hans Both mit seiner Frau Ulrike über ihre Bilder schauen und Hinweise geben.

In ihrem Atelier liegt in zahlreichen Schubladen großer Papierschränke das, was Jutta Gampe begegnet oder ihr Inneres bewegt. Einmal geöffnet, tritt ein bemerkenswertes Sammelsurium zutage. Filigrane Bleistifzeichnungen geometrischer Figuren sind ebenso zu sehen wie Lanschaftsbilder der Region oder Fantasie in Aquarell.

Dazu kommen zahlreiche Fotografien, die mit dem Blick von Jutta Gampe wie unter einem Brennglas dem Alltäglichen das Besondere entlocken. "Ich bin auf der Suche nach Strukturen, die ich in Landschaften vermute und umgekehrt in Landschaften, die sich in Strukturen zeigen", erklärt Jutta Gampe. Dieses "wunderbar Unbrauchbare" aber ästhetisch Beachtliche sei für sie einfach unentbehrlich. Bei ihr finden übereinanderliegende Bretter am Wegesrand zu einem harmonischen Farbspiel zusammen, Calbes Ruinen zeigen ihre bizarren Formen oder das Wasser an Flüssen seine ganze Vielfalt.

In einer Fotoausstellung im Werk 4 in Magdeburg-Buckau werden eine Auswahl ihrer Fotografien gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung am Sonnabend, 8. März, ab 17 Uhr wird herzlich in die Brauereistraße 4 eingeladen.

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