Über die Finanzierung der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie ist gestern in Schönebeck ein Vertrag unterschrieben worden. Von Seiten des Landes Sachsen-Anhalt war dazu Kultusminister Stephan Dorgerloh nach Schönebeck gekommen. Auch Landrat Ulrich Gerstner setzte seine Unterschrift auf das Papier, das den Fortbestand des Ensembles fünf Jahre sichert.

Schönebeck l Der gestrige Montag ist für die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie ein guter Tag gewesen. Im Innovations- und Gründerzentrum im Kurpark von Schönebeck unterzeichneten Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh und Salzland-Landrat Ulrich Gerstner (beide SPD) einen Vertrag über die Finanzierung des Ensembles. Der Vertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

"Ein großer Schritt ist das heute", sagt Olaf Bartels nach der Unterzeichnung gegenüber der Volksstimme. Bartels gehört zum Betriebsrat der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Er äußert seine Freude über die Akzeptanz, die das Ensemble bei seinen "Trägern" genießt. Gesellschafter des Orchesters in Rechtsform einer gemeinützigen GmbH ist der Salzlandkreis, Unterstützer sind das Land und die Stadt Schönebeck.

"Das ist heute ein Wendepunkt für die Kollegen", meint Bartels zufrieden. Fünf Jahre Sicherheit: "Davon profitieren auch die Familien der Musiker. Mit diesem Vertrag geht die tarifliche Schere nicht weiter auseinander. Das ist für uns Motivation, auf einem hohen Niveau weiter zu arbeiten", so Bartels. Das Orchestermitglied spricht damit die im bundesweiten Vergleich niedrige Vergütung der 25 Musiker an, ihr Gehalt liegt bei lediglich etwa 63 Prozent des Tariflohnes.

"Das Ensemble besitzt eine hohe Publikumsakzeptanz."

Kultusminister Stephan Dorgerloh

Obwohl im gesamten Land Sachsen-Anhalt hier und dort kulturelle Einrichtungen vom Land nicht mehr oder doch geringer als bislang unterstützt werden, würdigt Kultusminister Stephan Dorgerloh während der Vetragsunterzeichnung die nun festgesetzte Landesförderung. Sie müsse unter dem Aspekt betrachtet werden, dass allgemein Zuwendungen zurück gehen werden, er nennt den Solidarpakt und die EU-Förderung für Sachsen-Anhalt. Trotzdem stelle das Land einen Betrag von rund 100 Millionen Euro für die Kultur zur Verfügung. Rund 30 Millionen Euro würden an Theater und Orchester gehen, die Kammerphilharmonie bekommt eine Gesamtförderung von etwa 350000 Euro.

Das in Schönebeck beheimatete Orchester lobt der Minister ausdrücklich. "Hier stimmen die Rahmenbedingungen. Das Ensemble besitzt eine hohe Publikumsakzeptanz. Mit diesem Vertrag besteht erstmals eine fünfjährige Laufzeit. Ich bin sicher, die Menschen in der Region werden es danken."

Der Vorsitzende des Kulturauschusses im Lande, der Schönebecker Landtagsabgeordnete Gunnar Schellenberger (CDU), nimmt das Wort "Strukturveränderungen" im Bereich der Kultur in den Mund. Er hebt besonders auf die relativ geringe Bezahlung der Musiker ab und betont: "Es ist höchste Zeit, dass wir da etwas tun." Der Kulturetat im Lande sei "trotz aller Unkenrufe" erhöht worden. Mit dem Vertrag gebe es auch eine Perspektive für den Schönebecker Operettensommer", so Schellenberger.

Das eben dieses künstlerische Ereignis Operettensommer noch viel mehr für den Ruf Schönebecks genutzt werden kann, darüber ist sich Petra Grimm-Benne vom Förderverein der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie sicher. Die Stadträtin und Landtagsabgeordnete beschwört: "Wir müssen als Stadtrat noch intensiver daran arbeiten, dass der Operettensommer das Highlight für Schönebeck wird." Sie würdigt auch, dass das Orchester mit Hilfe der Musik die "alten Grenzen im Salzlandkreis" aufgebrochen habe. Bei dieser Gelegenheit erfährt Grimm-Benne vom Minister, dass die langjährige musikalische Reihe "Klänge im Raum" der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, für die sie sich einsetzt, weiterhin vom Land gefördert wird.

"Entweder wir machen Kultur oder Krieg."

Chefdirigent Gerard Oskamp

Nicht nur alte Kreisgrenzen scheint die Musik aufzulösen, auch im Kreistag sorgte sie für seltene Einigkeit. Darauf weist Kreistagsmitglied Markus Bauer (SPD) hin. Der Bürgermeister von Nienburg setzt sich seit Jahren für eine interkommunale Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten ein. Er sagt hinsichtlich des quasi einstimmigen Votums zur Unterstützung der Kammerphilharmonie während der Kreistagssitzung vom Dezember: "Wir haben es geschafft, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Und den Gewinn haben sämtliche Kommunen im Salzlandkreis, auch wenn das Orchester in Schönebeck beheimatet ist."

Erfolgreich seien letztlich alle Beteiligten gewesen, macht Stadträtin und Landtagsabgeordnete Sabine Dirlich (Die Linke) aufmerksam. Sie hält es für einen "großen Erfolg", dass sich der Stadtrat Schönebeck als Gremium nach längerer Dikussion zum Fünf-Jahre-Modus durchringen konnte. Ihr Appell an alle Häuser und Ensemble im Lande: "Wir müssen die Einnahmesituation verbessern." Ihren Dank richtet sie nicht nur an die Politik, sondern an alle Kulturschaffenden und ihre Unterstützer, die sich in den vergangenen Monaten lautstark zu Wort gemeldet und vor drastischen Kürzungen gewarnt haben. "Ohne sie hätte es der Landtag wohl nicht geschafft, dieses Konzept zu stricken."

Als einen guten Tag für die Kultur im Lande betrachtet der Bernburger CDU-Landtagsabgeordnete Jürgen Weigelt die Vertragsunterzeichnung. Seit Jahren, sagt er, hängen dunkle Wolken über der Kultur im Lande. Jetzt würden sie ein Stück weit vertrieben. Er bricht einen Stab für die Musiker: "Sie üben täglich viele Stunden, um auf hohem künstlerischen Niveau spielen zu können. Sie dürfen nicht weniger verdienen als Leute, die am Band stehen."

Der Chefdirigent der Kammerphilhamoniker, Gerard Oskamp, nutzt die Gelegenheit, um sich zu äußern. Er spricht von seiner Arbeit am Programmkonzept, mit dem er erstens bisherige Konzertbesucher halten aber zweitens mit neuen Formen neue Interessenten gewinnen will. Wichtig sei ihm unter anderem, junge Leute zu begeistern. "Wir werden auch mit dem Operettensommer eine neue, moderne Form wagen. Vielleicht werden einige enttäuscht sein", stellt Oskamp vorsichtshalber solche Reaktionen als möglich dar.

Er hält für das menschliche Sein zwei grundsätzliche Möglichkeiten fest: "Entweder Krieg oder Kultur. Krieg machen wir nicht so gern." Die Zustimmung im Raum ist ihm gewiss. Landrat Ulrich Gerstner merkt trocken an: "Und Kultur kostet auch sehr viel weniger."