Tornitz-Werkleitz l Als Eckhard Henschel (63) am vergangenen Sonntag seine Firma betritt, entfährt ihm ein unchristlicher Fluch. "Ach du Schei ..., was ist denn hier passiert!?" Seine Büros sind durchgefühlt, die Scheibe zum Pausenraum eingeschlagen, der Mercedes-Kleintransporter steht nicht mehr auf dem Parkplatz. Erst nach Eintreffen der Polizei bekommt Henschel mit, dass an den Getränkeautomaten nur noch ein dunkler Abdruck auf dem Fußboden erinnert. Das schwere Teil ist zwei Meter groß und nicht eben handlich. "Das müssen ja bestimmt vier Leute gewesen sein, die so ein Ding weghucken", murmelt Henschel.

Scheibe des Pausenraumes eingeschlagen

Die Einbrecher schlagen vermutlich in der Nacht zum Sonntag eine Scheibe des Pausenraumes ein, durch die man in Richtung Saale blickt. Hier sind nichts als Äcker, Wiesen, weiter Sternenhimmel. Nach dem Bruch verlassen sie das Objekt ganz komfortabel durch eine Werkhallentür, die von innen aufgehebelt wird.

Bis dahin gehen die Diebe routiniert vor: Sie brechen einen Blechschrank auf, in dem sie die Firmen-Autoschlüssel vermuten. Bingo! Dort hängt auch jener für den Mercedes-Vito.

Am Sonntagvormittag mangelt es nicht an Spuren. Es braucht keine forensische Ausbildung, um nachzuvollziehen, woher die Diebe kamen. Dicke "Palten" mit Schuhabdrücken lassen den Anmarsch über den feuchten Acker erahnen. Auch im Gebäude findet man "schöne Abdrücke" auf Fußböden und verstreuten Papieren. Vermutlich ist es den Ganoven egal, dass sie diese Visitenkarten hinterlassen. Es wird ihnen längst bewusst sein, dass die Polizei unterbesetzt und deshalb bei der Fülle der Einsätze überfordert ist.

Computer zeigt an, wo sich der Transporter befindet

Das weiß auch Eckhard Henschel, Chef von 180 Mitarbeitern, Ortschaftsrat und ehemaliger Bürgermeister. Deswegen ließ er seine Fahrzeuge mit GPS-Sendern ausrüsten. Was in Anschaffung und Betrieb nicht billig ist, aber Sicherheit verspricht.

Sohn und Projektant Hen-drik Henschel fährt am Sonntagvormittag als erstes den Computer hoch. Nach wenigen Minuten können die Vito-Daten ausgelesen werden. Der Kleintransporter wurde um 2 Uhr gestartet und befindet sich jetzt nordwestlich von Magdeburg. Dank Google-Earth lässt sich der Standort genau bestimmen. Nach einem Zwischenstopp im Milchweg Magdeburg steht das Auto in einer alten Landwirtschaftshalle am Ortsrand von Eichenbarleben ...

Henschel liefert der Polizei den Fall auf dem Silbertablett. Nach deren Eintreffen in Eichenbarleben kommt ein Fährtenhund zum Einsatz, der aber die Spur bald verliert.

Einbruch auch im Schweinezuchtbetrieb

Als nach Stunden der richterliche Durchsuchungsbeschluss vorliegt, bekommen die Beamten große Augen. Nicht nur der Vito steht in der Halle, sondern ein zweites Auto, das drei Wochen zuvor in der Werkleitzer Spedition von Olaf Lubig geklaut wurde. Auch hier hatten die Diebe eingebrochen, wie auch im benachbarten Schweinezuchtbetrieb Kruse.

Die Landwirtschaftshalle entpuppt sich als üppiges Hehlerlager: Autos, Baumaschinen, Reifen ... Eine Sprecherin der Polizei teilt dem Mitteldeutschen Rundfunk mit, dass als Besitzer ein Pole ermittelt wurde. Nach dessen Aussage wurde die Halle "ohne seine Zustimmung als Nachtquartier und als Versteck für Diebesgut" genutzt. Als Eckhard Henschel davon hört, sucht er die Kneifzange, um sich seine Hose anzuziehen ... Von den Einbrechern, die offenbar Tornitz und Werkleitz strategisch "abarbeiteten", fehlt bisher jede Spur.

Mal ein paar Worte mit dem Innenminister reden
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Eckhard Henschel und Olaf Lubig sind Mitglieder im CDU-Ortsverband Barby. Bei nächster Gelegenheit wollen sie mit ihrem Parteifreund Innenminister Holger Stahlknecht mal über die Polizeireform sprechen.

"Da besteht ein Unverhältnis", grollt Spediteur Olaf Lubig, "wenn die Polizei bei kriminellen Delikten ebenso emsig wäre, wie bei Lkw-Fahrzeugkontrollen, würde ich ruhiger schlafen."

 

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