Heinz Schmidt, ehemaliger Handwerksmeister, Kanute und Hobby-Filmer, lud vor wenigen Tagen zu einer filmischen Retrospektive ein. Gezeigt wurden hauptsächlich Streifen aus den 1950er Jahren, die in Barby gedreht wurden.

Barby l Die Bildqualität war so, als stammten die Filme aus jener Zeit, als die "Bilder laufen lernten". Was natürlich mal wieder subjektiv ist: Wir, Flachbildschirm- und HD-verwöhnte Generation, setzen eben gern Maßstäbe des 21. Jahrhunderts. Was Heinz Schmidt im Barbyer Fährhaus zeigte, waren überwiegend Streifen, die der Barbyer Günter Albrecht gedreht hatte. Der arbeitete hauptberuflich bei seinem Vater Willi als Gastwirt und Fleischer an der Bahnhofstraße und war zugleich leidenschaftlicher Schmalfilmer. Mit seiner 16-Millimeter-Kamera hielt er ab Mitte der 1950er Jahre Heimatfeste, Regatten oder den Bau des heutigen Bootshauses fest.

"Wäre doch schade, wenn man solche interessanten Zeitdokumente nicht mal öffentlich zeigen würde", begründete Schmidt den Filmabend. Zusammen mit Heinrich Bernau - er stellte die ehemalige Fährhausgaststätte zur Verfügung und war selbst Kanute - lud er "potenziell interessierte Leute" ein. Soll heißen: Solche, die selbst eine Nähe zum Kanu-Sport hatten oder haben. "Wir hofften im Vorfeld so auf 20 Besucher", gestand Heinz Schmidt, "nun sind es über 50."

Was zeigt, welche Magie von den bewegten Bildern ausgeht, wenn der Betrachter eine Beziehung zu ihnen hat. Das war schon bei der Filmnacht zur 1050-Jahr-Feier (2011) so, wo Filme des Hobby-Filmers Erwin Gaßler rund 450 Besucher in den "Rautenkranz" lockten.

Heinz Schmidt hatte die alten Streifen von Günter Albrecht aufwändig rekonstruieren, abfilmen und digitalisieren lassen, so dass sie per Beamer projiziert werden konnten.

Neben den Heimatfesten Mitte der 1950er Jahre und der 1000-Jahr-Feier 1961 war besonders der Bau des Bootshauses interessant. Dessen Rohbau war im Frühjahr 1954 fertiggestellt worden. Die Kanuten hatten selbst zu Stein und Mörtelkelle gegriffen.

Auch eine Neptuntaufe filmte Albrecht in allen Einzelheiten. Hauptakteur war damals Fritz Müller, der mit dem "Südwester" auf dem Kopf die "Delinquenten verarztete". Müller war mit 91 Jahren dann auch der älteste Filmgucker im Fährhaus. "Ich war damals der Profos, der die Strafen anordnete", lachte Müller. Er zählte, wie alle anderen Kanu-Aktivisten der ersten Stunde, zu den Kriegsheimkehrern. So erklärt sich auch die damalige Ausdrucksweise. Ein Profos war ein für Strafsachen zuständiger Militärbeamter ...

Neptun war Nichtschwimmer

Was der Film nicht zeigt, war, dass Neptun Walter der Nichtschwimmer-Riege angehörte. "Da musste immer jemand in seiner Nähe sein, wenn er im Wasser war", erinnerte sich Fritz Müller. Auch daran, wie die Beschaffung von Abbruchsteinen für den Bootshausneubau ablief: "Die haben wir von der kriegszerstörten Giulini-Raffinerie an der Maizena geholt." Die Holzkonstruktion stammte vom Saalhorn, wo ein alter Werftschuppen abgerissen wurde.

Wenn auch die jüngeren Zuschauer von den laufenden Bildern der 1950er Jahre innerlich so weit weg waren, wie 50-Jährige von der Schlacht im Teutoburger Wald, kam es bei den Zeitzeugen zu machen "O-" und "Ahs". Besonders, wenn sie sich selbst oder Bekannte erkannten.

Das Salz in der Suppe waren Kommentare des Publikums. So beim Umzug der 1000-Jahr-Feier 1961: "Da standen noch jede Menge Kinder als Zuschauer am Straßenrand. Heute siehste nur noch Rentner." Auch Szenen von einer Luftmatratzen-Regatta, die im Staffelprinzip lief, entlockten philosophische Gedanken. "An wie viel Gummi und Luft sich die Menschen damals begeistern konnten!"

Großer Lacher war ein Bus, bei dem man nicht so recht wusste, wo vorne und hinten ist. Seine Bauform ähnelte einem Schuhkarton. Er gehörte Wilhelm Lehmann, der die Kanuten zu den Regatten fuhr. Die Busszene half im Anschluss des Filmabends, mehrere Episoden von der "Festplatte Gehirn" abzurufen. Denn der Bus soll mehr kaputt als intakt gewesen sein.

Aber das störte damals niemanden wirklich.

 

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